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Kultur auf Sylt : Auf einen Kunstspaziergang durch Kampen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Künstler und Wahl-Kampener Thomas Landt bietet Syltern und Gästen bei einem Spaziergang einen Einblick in das Künstlerdorf Kampen.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 05:07 Uhr

„Alles fing mit Avenarius an“, erklärt Thomas Landt. „Er war der erste Künstler, der nach Sylt kam und viele seiner Freunde und Bekannten aus der Berliner Kunstszene einlud. Durch ihn wurde Kampen zu dem Künstlerdorf, das es heute ist.“

Landt ist Fremdenführer und Künstler und führt die Teilnehmer seines Kunstspaziergangs über einen besonderen Weg: den Kampener Kunst- und Kulturpfad. Ein dreiviertel Jahr bereitete er sich vor, recherchierte und informierte sich über die Künstler, Schriftsteller, Verleger und Musiker, die in Kampen tätig waren und denen der Tourismus-Service des Ortes ein Andenken geschaffen hat: 32 hüfthohe Bronze-Stelen sind in über den gesamten Ort verteilt aufgestellt. Jede Stele ist einer Persönlichkeit gewidmet, die mit dem kleinen Inselort künstlerisch verbunden war. Oft stehen die Denkmäler vor den ehemaligen Wohnhäusern der Künstler, manche haben idyllische Plätze am Watt und andere sind längs der Westküste aufgestellt.

Siegward Sprotte, Max Frisch, Emil Nolde, Thomas Mann und Valeska Gert sind nur einige, an die auf dem Kampener Pfad mit einer Stele erinnert wird. Neben den wichtigsten Eckdaten der Biografie ziert die Stelen immer ein Zitat der Persönlichkeit.

Thomas Landt geht mit den Teilnehmern seiner Führung einige dieser Stelen ab, berichtet über die Persönlichkeiten und ihre individuelle Verbindung zu dem Ort. Viele der Stelen stehen an unerwarteten Orten und die Teilnehmer kommen an Plätze, die auch manche Sylter noch nicht kennen: Es geht querfeldein über Trampelpfade und durch Wäldchen, von der Ostküste an die Westküste, vorbei an der Galerie von Siegward Sprotte, dem „Rosa Haus“ des Bildhauers Edwin Scharff, der Kupferkanne und durch den idyllischen Avenarius Park. Landt kennt zu jedem Platz eine Anekdote und möchte Syltern und Gästen das Kampen zeigen, das fernab des Chichis und der Whiskeymeile ein wichtiger Ort für viele Künstler war. „Wenn sie die Gruppe sehen, kommen die Besitzer auch manchmal aus den Häusern und erzählen aus dem Nähkästchen“, sagt Landt. So entsteht oft der Dialog, auf den der Künstler großen Wert legt: Er möchte die Führung nicht einseitig sehen, sondern mit den Teilnehmern gemeinsam erarbeiten.

Einen längeren Halt gibt es an der Stele der Tänzerin und Gastronomin Valeska Gert. Die Stele steht in der Nähe ihrer Kneipe Ziegenstall, wo die Gäste auf Holzbänken und Melkschemeln saßen und aus Futterkrippen getrunken haben, an der Wand prangte der Satz: „Die Gäste sind wie Ziegen – sie werden gemolken und meckern.“ Die skurrile Sylter Kabarett-Bar war gesellschaftliches Zentrum und immer gut besucht. Die Stele der extravaganten und exzentrischen Frau ziert nur ein kurzes Zitat: „Ich will leben, auch wenn ich tot bin“. „Und sie hat es geschafft“, sagt Landt. „Dadurch, dass wir hier stehen und über sie reden, lebt sie durch uns weiter.“

Als das Ende der Führung gekommen ist, ist das Grüppchen fest in Gespräche vertieft: „Oft gehen die Teilnehmer nach dem Spaziergang noch gemeinsam etwas trinken. Das freut mich dann natürlich sehr.“

 


Mehr Informationen unter www.thomaslandt.de und www.kampen.de

 

 

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