Sylt : Auf ein letztes Bier im Thommys

Thomas Sobiela in Thommys Musik Cafe: Der 59-Jährige zieht sich nach Silvester aus dem Geschäft zurück.  Foto: Andresen
Thomas Sobiela in Thommys Musik Cafe: Der 59-Jährige zieht sich nach Silvester aus dem Geschäft zurück. Foto: Andresen

An Silvester öffnet Thommys Musik Cafe in Westerland zum letzten Mal. Nach 27 Jahren gibt Kneipier Thomas Sobiela seinen Betrieb auf. "Das Geschäft war in den letzten Zeit rückläufig", sagt er.

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29. Dezember 2012, 06:05 Uhr

Westerland | Wer auf seiner Kneipentour durch Westerland gerne auch einen Abstecher in die Bomhoffstraße gemacht hat, der hat dazu am Sonnabend und am Silvesterabend das letzte Mal die Gelegenheit. Nach knapp 27 Jahren schließt Thomas Sobiela sein Musik Cafe. Der gebürtige Sylter und leidenschaftliche Motorradfahrer gibt sich mehr oder weniger geschlagen - "das Geschäft war in den letzten Jahren rückläufig und seit drei Jahren hat es sich auch nicht mehr gelohnt unter der Woche zu öffnen."
Auch wenn der 59-Jährige gerne im Thommy’s gearbeitet hat, so geht es ihm gut mit dieser Entscheidung: "Es war eine gute Zeit und die Nachtarbeit hat mir schon immer gut gefallen." Bereits bevor er das Musik Cafe, wo bis Ende 1985 die Kneipe "Kleinkleckersdorf" zu finden war, übernahm, führte er zusammen mit einem Freund das Rock Cafe Rainbow in der Deckerstraße. Dort arbeitete der gelernte Elektro-Installateur nebenbei und nahm das Angebot "seine Kneipe" zu übernehmen gerne an.

Ausgehverhalten ändert sich

Insgesamt 33 Jahre gehörte das Sylter Nachtleben zu Thomas Sobielas Beruf. Auch im Thommy’s, das er so nannte, weil "der Name etwas Persönliches sein sollte", war er stets für seine Gäste ansprechbar. "Ein Laden in solch einer Größenordnung lohnt sich nur, wenn man selbst mitmacht." Die Reaktionen seiner Stammgäste auf das Ende des Thommy’s fielen allesamt traurig aus. "Viele von ihnen fragten mich, wo sie denn jetzt hingehen sollen." Über diese Nachfrage hätte sich Sobiela auch in den letzten paar Jahren gefreut.
Doch im Laufe der Zeit habe sich das Ausgeh-Verhalten der Jugendlichen verändert. "Früher haben wir bereits um 20 Uhr geöffnet, da standen die Leute schon in einer Schlange vor der Tür." Besonders gut besucht war das Thommy’s, als die Bundeswehrsoldaten noch auf der Insel waren. "Da war mittwochs immer Thommy’s-Tag", erinnert sich der Wirt. Ein Highlight seien auch die Halloween-Partys gewesen. Von oben bis unten wurde das Lokal dann geschmückt. Mit Tarnnetzen, Kürbissen und auch das Personal, Thomas Sobiela mit eingeschlossen, gaben sich viel Mühe, um möglichst gruselig aufzutreten.

Abschied von den Stammgästen

Unter der Woche und vor 22 Uhr macht Sobiela heute jedoch gar nicht mehr auf, auch weil zu dieser "frühen Stunde" höchtens einige Gäste kamen, um Dart zu spielen. Um das Thommy’s zu füllen, hat der 59-Jährige versucht, seine Gäste mit Happy Hours zu locken, doch "die Leute trinken mittlerweile zu Hause vor". Wäre der Vermieter Thomas Sobiela nicht im September 2011 mit der Miete entgegen gekommen, so stünde das Thommy’s bereits heute leer.
Alles andere als leer sollte das Thommy’s zur nicht-öffentlichen Abschiedsparty am 5. Januar werden. An diesem Abend hat Thomas Sobiela Freunde und Stammgäste eingeladen. Vielleicht knüpft dieser Abend an die Eröffnungsfeier am 16. Januar 1986 an. "Ja, damals sind sehr viele gekommen, die waren ja neugierig, was ich da jetzt neues mache", lächelt Sobiela. Auf die Frage, ob er ein besonderes Erinnerungsstück mitnehmen wird, überlegt Sobiela kurz und sagt: "Vielleicht nehme ich das Surfbrett mit, das ich zur Eröffnung geschenkt bekommen habe."

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