Rettungsschwimmer auf Sylt : Auf diese Helfer ist Verlass

An der Station 4.20 des Westerländer Strandabschnittes „Seenot“ sorgen Maic Hennig (links) und Dietmar Carli für die Sicherheit.
An der Station 4.20 des Westerländer Strandabschnittes „Seenot“ sorgen Maic Hennig (links) und Dietmar Carli für die Sicherheit.

Über 70 Rettungsschwimmer sind im Einsatz, damit an der Sylter Westküste kein Mensch zu Schaden kommt.

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25. Mai 2018, 05:30 Uhr

Hochsommerliche Temperaturen auf Sylt – da lockt ein Besuch am Strand. Trotz Wassertemperaturen um 15 Grad trauen sich einige schon in die Nordsee. Immer dabei mit wachsamen Augen: Die Rettungsschwimmer in ihrer roten Kluft. Seit letzter Woche sind sie an den stark frequentierten Stränden im Einsatz, nächste Woche werden auch die meisten übrigen Rettungsstationen an der Sylter Westküste in Betrieb genommen.

In Westerland ist der Andrang am Strand am größten, vier Strandabschnitte sind bereits mit Rettungsschwimmern besetzt: Der Hauptstrand vor dem Hotel Miramar und die Strände im Bereich Seenot, Friesische Straße und Strandoase. In Rantum werden bereits der Hauptstrand und der Strandabschnitt Sandwall Nord überwacht. Die 40 Rettungsschwimmer der größten Kurverwaltung, des Insel Sylt Tourismusservices ISTS, sind für neun Strandabschnitte in Westerland und sieben Strandabschnitte in Rantum zuständig. Sie sind fest angestellte Saisonkräfte der Kurverwaltung, genauso wie der Großteil ihrer Kollegen in Wenningstedt, Kampen, List und Hörnum.

In List sind es fünf Männer und zwei Frauen, die am Weststrand in den Abschnitten FKK und Textil sowie im Klappholttal bereits im Einsatz sind, berichtete Harm Petersen von der Lister Kurverwaltung. Zur Hauptsaison im Juli/August wird auch der Oststrand in der Nähe der Austernperle überwacht.

Für die vier Kampener Strandabschnitte sind neun Rettungsschwimmer zuständig. Besetzt sind schon die Rettungsstationen an der Sturmhaube, am Hauptstrand Kliffende und an der Buhne 16, der Mittelstrand kommt Mitte Juni hinzu, erläuterte Greg Baber vom Tourismusservice Kampen.

In Wenningstedt werden zur Hochsaison zehn Rettungsschwimmer eingesetzt, teilte Ralf Jörgensen vom Tourismusservice Wenningstedt-Braderup mit. In Betrieb sind bereits die Rettungsstationen an der Haupttreppe und am Übergang Risgap. Am 1. Juni folgt der FKK-Strand 2 bei der Strandversorgung Nord (Onkel Jonny), zum 1. Juli der Strandabschnitt Berthin-Bleeg-Straße.

In Hörnum sind sechs festangestellte Rettungsschwimmer im Einsatz, die von ehrenamtlichen DLRG-Rettungsschwimmern unterstützt werden, berichtete Alexander Feldt vom Tourismusservice im Inselsüden. Die ersten beiden Beobachtungstürme am Oststrand und am Hauptstrand sind schon mit Rettungsschwimmern besetzt, die anderen Standorte am FKK-Strand und in Hörnum-Nord ziehen im Juni nach.

Viele alte Hasen sind dabei, aber auch jedes Jahr Neulinge, vor allem Studenten. Wer neu zu den Rettungsschwimmern stößt, wird in die Aufgabe eingewiesen und an der Seite eines erfahrenen Rettungsschwimmers eingearbeitet.

Das haben die beiden Rettungsschwimmer am Westerländer Abschnitt „Seenot“ schon lange hinter sich: Maic Hennig (51) und Dietmar Carli (46) sind ein eingespieltes Team mit jahrelanger Erfahrung am Sylter Weststrand, beide Westerländer sind seit über 20 Jahren im Sommer für den ISTS tätig. „Hier sitzt geballte Erfahrung“, stellt Carli klar. Er war früher Kfz-Mechaniker beim Autohaus Albrecht, heute arbeitet er in der Wintersaison bei einer Strandkorbfirma. Für Maic Hennig ist es die 23. Saison am Strand. Der 51-Jährige hat Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt und arbeitet als Diplom-Bademeister auch in der Sylter Welle, wenn er nicht mit seinen Söhnen zum Fußball ist.

Als Rettungsschwimmer sind beide täglich von 10.30 bis 17 Uhr im Einsatz, an sechs Tagen der Woche. Es kann stressig werden, vor allem, wenn in der Hochsaison Hunderte Menschen zu beaufsichtigen sind. Da ist es wichtig, dass man sich auf den Kollegen voll und ganz verlassen kann.

„Wir lieben den Job“, sagt Maic Hennig, „man geht gerne zur Arbeit und bleibt manchmal auch länger.“ „Den Feierabend genießen, wenn die Flagge unten ist, und den Blick schweifen lassen“, das schätzt auch Dietmar Carli an seinem Arbeitsplatz in den Dünen. Und noch etwas verbindet die beiden Rettungsschwimmer: Sie sind HSV-Fans, haben beide Dauerkarten für das Volksparkstadion – da hält man auch in schweren Stunden zusammen.

Baden in der Nordsee – das kann zum Risiko werden, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Vor allem Tagesgäste, die nur schnell mal an den Strand und in die Fluten springen wollen, sind für Kreislaufprobleme anfällig. Oftmals trinken sie zu wenig, liegen zu lange in der Sonne und unterschätzen beim Baden die Strömungsverhältnisse in der Nordsee. „Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung hat wohl jeder von uns schon einmal durchführen müssen“, sagt Dietmar Carli.

„Die Nordsee ist kein Badeteich“, weiß auch Steffen Jahrmarkt, Pressesprecher beim ISTS. „Darum sind gut ausgebildete Rettungsschwimmer ein wichtiger Bestandteil unseres Serviceangebotes.“ Er kennt den Job aus eigener Erfahrung, war früher Rettungsschwimmer in Kampen. Insbesondere an Tagen, an denen es nicht danach aussieht, berge die Nordsee ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial. „Ohne Rettungsschwimmer und deren vorausschauendes, präventives Handeln gäbe es mit Sicherheit deutlich mehr Badeunfälle auf Sylt.“

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