Segeln von Hamburg nach Sylt : Auf die Insel wie zu Großvaters Zeiten

So ne richtige Kombüse mit Rumbuddel, Holzofen und Kapitän Torben Hass beim Kaffee.  Foto: frr
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So ne richtige Kombüse mit Rumbuddel, Holzofen und Kapitän Torben Hass beim Kaffee. Foto: frr

Unter Segeln von Hamburg nach Sylt: Ab Februar befördert Kapitän Torben Hass auf der "Undine" Waren und Menschen wie anno dazumal.

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06. Dezember 2012, 08:31 Uhr

Hörnum | Ist es die Seefahrer-Romantik, der altmodische Charme seiner "Undine", die gerade moderne Idee der Nachhaltigkeit? Torben Hass weiß nicht, woran es genau liegt, aber er weiß, er hat einen Nerv getroffen. Mit dem Segel-Frachtschiff "Undine" will der 37-Jährige ab Februar kommenden Jahres regelmäßig Waren zwischen Hamburg und Sylt transportieren. Außerdem können pro Strecke acht Passagiere mit an Bord, für 99 Euro pro Person.
Seitdem Hass diesen Plan öffentlich gemacht hat, klingelt sein Handy. "Allein auf dem Weg zur Dusche riefen drei Leute an, die interessiert sind, mitzusegeln", berichtet Hass, selbst noch überrascht. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Idee so einschlägt", sagt er, und gießt sich in der Kombüse der "Undine" einen Kaffee ein - die Nacht war kurz, da musste er endlich ein paar Buchungen abarbeiten.

"Guaranteed Handsailed"

Seit Sonnabend liegt die "Undine" nach ihrer ersten Fahrt von Hamburg aus im Hörnumer Hafen. Die erste Ladung an Bord: Kaminholz. Damit, und mit dem Versprechen, dass die Besucher auch einen Punsch angeboten bekommen, möchte Hass bis Weihnachten interessierte Sylter und Gäste auf sein Schiff locken, um ihnen sein Konzept vorzustellen. Das sieht, grob umrissen, so aus: In den Laderaum seines Schiffes passt ungefähr so viel wie in drei Lkw. Wer seine Sachen, beispielsweise die Steine für seinen Friesenwall, mit der "Undine" von Hamburg nach Sylt schippern lässt, der zahlt nicht mehr dafür, als wenn er sie mit Lkw oder Bahn transportieren lässt, sagt Kapitän Hass. Außerdem schont das die Umwelt. Deshalb möchte Hass ein neues Güte-Siegel etablieren: "Guaranteed Handsailed". So kann der Steinbesitzer später seinen Freunden bei der Grillparty sagen und zeigen, auf welch ungewöhnlichem Wege sein Friesenwall nach Sylt gekommen ist.
Auf dem Rückweg, stellt sich Hass für die Zukunft vor, könnten Sylter Prdoukte nach Hamburg gebracht werden: "3000 Strandkörbe verlassen jährlich die Insel - wenn davon welche in Hörnum auf die Undine verladen werden, fotografieren die Touristen das tausendfach", fällt ihm als Beispiel ein, "und der neue Strandkorb-Besitzer hat eine Geschichte zu erzählen." Vielleicht liegt es wirklich an dieser romantischen Idee, eine Geschichte, ein Abenteuer zu erleben, weshalb auch so viele Menschen bei Hass mitsegeln wollen. Obwohl - oder vielleicht gerade weil - die "Segelreederei Kapitän Hass" auf der 1931 erbauten "Undine" keine klassischen Charterreisen anbietet. "Es ist kein Nostalgiesegler, sondern als einziges deutsches Segelschiff für die Fracht zugelassen", betont Hass. Das bedeute relativ viele Auflagen, die er und seine dreiköpfige Mannschaft erfüllen müssen. Für die Mitreisenden sei aber alles mindestens so sicher, wie auf einem Nostalgiesegler, sagt der Kapitän. Ein paar Netze muss er noch anbringen, damit das Schiff auch komplett kindersicher ist. Das ist ihm nicht nur für die Gäste wichtig, sondern auch für seine zweijährige Tochter, die mit Mama und dem wahrscheinlich im kommenden Februar zur Welt kommenden Geschwisterchen möglichst oft mit an Bord soll. Schlafen können die Gäste auf der zehn bis 15-stündigen Reise in den acht Kajüten, bekocht werden sie auf dem alten Holzofen in der Kombüse.
Die Idee mit der Linie Hamburg-Sylt sei ein "schleichender Prozess" gewesen, erzählt Hass. Er selbst ist sein Leben lang gesegelt, unter anderem als Offizier auf der Gorch Fock und arbeitete später als Nautiker. Als die "Undine" dann zum Verkauf stand, schlug er zu. Und sie soll erst der Anfang sein, "der Beweis, dass es funktioniert". Sei dieser Beweis erbracht, dann könnte er sich die Fracht-Segelei auch im größerem Rahmen vorstellen. Aber erst einmal geht es im Februar los - handgesegelt von Hamburg nach Sylt.

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