Muslime auf Sylt : Auf der Suche nach einem Gebetsraum

Kommenden Donnerstag beginnt der Fastenmonat Ramadan: Muslimische Flüchtlinge auf Sylt suchen einen gemeinsamen Gebetsraum.
Kommenden Donnerstag beginnt der Fastenmonat Ramadan: Muslimische Flüchtlinge auf Sylt suchen einen gemeinsamen Gebetsraum.

Zu Ramadan möchten die Sylter Muslime gerne gemeinsam beten. Einen Raum dafür gibt es bislang noch nicht.

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12. Juni 2015, 05:48 Uhr

„Ich habe den Krieg noch selbst als Kind erlebt und weiß genau, welch traumatische Erlebnisse das sind, die einen Menschen für sein gesamtes Leben prägen“, sagt Inge Dethlefs (81). „Deshalb kann ich sehr gut verstehen, wenn Asylbewerber, die nach Verfolgung und Flucht bei uns endlich ein sicheres Zuhause gefunden haben, sagen: ‚Das Einzige, was ich noch habe, ist der Glaube – und er hilft mir, zu überleben‘.“ Doch jetzt, eine Woche vor Beginn des Fastenmonats Ramadan, hätten die Angehörigen muslimischen Glaubens keine Möglichkeit, ihre Religion gemeinsam auszuüben, beklagt die engagierte Braderuper Kunsttherapeutin. Dethlefs kümmert sich seit anderthalb Jahren ehrenamtlich um Flüchtlinge in der Keitumer Süderstraße, gibt Malkurse, musiziert gemeinsam mit ihnen. „Häufig kommen sie ja aus Krisengebieten wie Afghanistan, Syrien oder dem Irak und sind eben muslimischen Glaubens. Für viele ist die Ausübung ihrer Religion, ist vor allem das gemeinsame Gebet wichtig. Besonders, wenn nächsten Mittwoch der Ramadan beginnt.“ In dem Fastenmonat wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. Das Fest des Fastenbrechens am Ende ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag.

Weil es bisher jedoch keinen zentralen Gebetsraum für Muslime auf Sylt gibt, hat sich Inge Dethlefs auf die Suche gemacht, hat bei verschiedenen Insel-Institutionen nachgefragt. „Unser Problem ist jedoch, dass wir als Gemeinde schlichtweg keine Räumlichkeiten haben“, sagt Gabriele Gotthardt. „Wir suchen ja bereits händeringend weitere Wohnunterkünfte.“ Manches wäre auch gar nicht für Gebetszwecke geeignet, so die Ordnungsamtsleiterin, wie die Trauerhalle in Westerland, die sich zwar in Gemeindebesitz befindet, aber an ein Bestattungsunternehmen verpachtet sei. Ähnliches gelte für Turnhallen, die bereits durchgehend von Vereinen ausgebucht seien. Gotthardt verweist aber auch auf den Grundsatz der Gleichbehandlung: „Es gibt ja ganz verschiedene Religionsgruppen auf der Insel. Wenn nun die eine fragt, müssen wir auch den anderen etwas anbieten.“ Ein weiteres, zumindest potenzielles Problem seien die unterschiedlichen Nationalitäten der Muslime: „Das führt bereits im alltäglichen Miteinander in den Unterkünften manchmal zu Reibereien“, sagt die Ordnungsamtschefin.

Toleranz und gegenseitige Achtung stehen auch für Susanne Zingel an erster Stelle: „Ich wünsche mir, unabhängig von der Religionsausübung, eine offene Gruppe für alle Muslime – egal, woher sie kommen und wie sie ihre Heimatkultur geprägt hat.“ Die Pastorin von St. Severin verweist auf zahlreiche Angebote der Kirchengemeinde für Asylbewerber. „Bislang wurden bei uns Räume für Deutschunterricht oder gemeinsame Aktivitäten gesucht und auch gefunden.“ Nach Gebetsräumen hätten Flüchtlinge bisher aber nicht gefragt. Wichtig sei, dass die Betroffenen selbst ihre Bedürfnisse und Erwartungen formulieren. „Wer daran Interesse haben sollte, muss ein konkrete Anfrage an den Kirchengemeinderat stellen, über die dann beraten und entschieden wird“, so Susanne Zingel. Grundsätzlich gelte jedoch: „Wer bei uns zu Gast sein möchte, darf keine Schwierigkeit damit haben, dass wir ein christliche Gemeinde sind und man hier Menschen aller Glaubensrichtungen begegnen kann.“

Ob sich bis Ramadan ein Platz für gemeinsame Gebete der Muslime findet, sei zwar fraglich, aber „vielleicht meldet sich ja noch ein Privatmensch, der helfen und seine Räume zur Verfügung stellen möchte“, hofft Inge Dethlefs.


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