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Ur- und Frühgeschichte Sylt : Auf den Spuren der alten Sylter und ihrer Sagen

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die vielen Hügelgräber der Insel für die Sylter ein Rätsel. Fantasievolle Sagen ranken sich seither um die Grabhügel. Ein neues Projekt will die Geschichte hinter den Ruhestätten jetzt neu erzählen.

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erstellt am 11.Sep.2013 | 10:56 Uhr

Der Sage nach liegt im Gurt Brönshoog, dem mächtigsten Sylter Grabhügel der Bronzezeit, der Riesen-König Bröns mitsamt seines goldenen Streitwagens begraben. Gleich daneben im Litj Brönshoog ruht sein Sohn, im Teewelkenhoog wurde sein Leibarzt von den Zwergen lebendig begraben und sogar Bröns’ Hund bekam einen eigenen Grabhügel, den kleinen Hünshoog. Heute weiß man dank der modernen Archäologie zwar, dass die Hügelgruppe am Fuße des Kampener Leuchtturms aus der älteren Bronzezeit (ca. 1500 - 1200 v. Chr.) stammt, doch bis ins 19. Jahrhundert hinein konnten sich die Sylter die Entstehung jener Hügelgräber, die zu hunderten das Landschaftsbild der kargen Insel prägten, nicht erklären und fügten sie fantasievoll in ihre Sagen ein. Einen goldenen Streitwagen fanden die Archäologen zwar weder im Brönshoog noch in einem der anderen Gräber aus jenen Zeiten, dafür jedoch Bronzeschwerter und andere wertvolle Grabbeigaben.

Mit seinem Projekt „hünen.kulTour“ holt der Sylter Heimatverein Söl’ring Foriining diesen Sommer die sagenhafte wie auch die reale Geschichte einiger der insgesamt über 530 Grabhügel der Bronze- wie auch der Wikingerzeit (793 - 1066 n. Chr.) sowie der acht – von ursprünglich fast 50 – noch erhaltenen Großsteingräber der Jungsteinzeit ans Licht. Auf insgesamt 35 gut sichtbaren Hinweistafeln wird kurz und prägnant deren Geschichte erzählt. Für besonders Wissbegierige wurden drei verschiedene Touren ausgearbeitet, auf denen man entweder die Hünengräber in Kampen und Wenningstedt, die in Tinnum, Keitum und Munkmarsch oder die in Archsum und Morsum erkunden kann. „Die Standorte der Tafeln wurden dabei so gewählt, dass man sie alle Zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann – was auf die Hügel oft nicht zutrifft“, sagt Sven Lappoehn, Geschäftsführer der Söl’ring Foriining.

„Ein perfekt umgesetztes Projekt, um den Menschen auf ansprechende und verständliche Art die interessante Vor- und Frühgeschichte der Insel näher zu bringen“, ist Dr. Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt voll des Lobes. Für die Landesarchäologie sei es ein wichtiger Impuls, den Blick auf die Sakral-Landschaft zu richten, in der die bewusst in die offene Landschaft gesetzten Hünengräber eine ordnende und strukturierende Funktion hatten. „Weil gerade auf den Insel so viele der Gräber erhalten geblieben sind, dachten die Menschen früher auch, es handele sich um Toteninseln“, berichtet Segschneider.

Verantwortlich dafür, dass heute nicht nur die archäologischen Fakten bekannt sind, sondern auch die sagenhaften Namen, ist übrigens der große Insel-Chronist C.P. Hansen. Er hat ab 1832 die mündlich überlieferten Sagen gesammelt und aufgeschrieben, in denen die Grabhügel oftmals eine zentrale Rolle spielen. So wie die des Gallighooges (Galgenhügels) in der Jückersmarsch, auf dem einst der friesische Freiheitsheld Pidder Lüng hingerichtet und beigesetzt worden sein soll. Um 1880 (einer Zeit, als viele der Hünengräber geplündert worden sind) soll im Gallighoog übrigens tatsächlich ein menschliches Skelett gefunden worden sein... 

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