Fußball-Kolumne : Auf dem Weg zum Thron

Wenningstedts Pastor Rainer Chinnow schreibt vor jedem Deutschland-Spiel die Kolumne 'Mit der Bibel am Ball'.
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Wenningstedts Pastor Rainer Chinnow schreibt vor jedem Deutschland-Spiel die Kolumne "Mit der Bibel am Ball".

Wenningstedts Pastor Rainer Chinnow schreibt vor jedem Deutschland-Spiel die Kolumne "Mit der Bibel am Ball".

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16. Juni 2014, 06:00 Uhr

„Fußball ist wie Schach, bloß ohne Würfel“. sagt Lukas Podolski. Klingt zunächst nicht besonders schlau, ist es aber. Denn: Fußball als reines Rasenschach wäre langweilig, siehe Barcelona, Spanien und zuletzt den FC Bayern. Fußball als Wundertüte ist gefährlich. Siehe HSV: BVB schlagen, dann aber gegen Fürth um die Bundesliga zittern. Eine gewiefte Taktik (Schach) gepaart mit einem kräftigen Schuss Unberechenbarkeit (Würfelspiel) – das kann durchaus ein erfolgreiches Konzept sein.

Lukas Podolski ist also kein Wirrkopf, sondern vielmehr ein Philosoph. Er weiß: Oft sind es die unkalkulierbaren Momente, die Fügungen, das Glück – die entscheiden. Nicht immer hält sich das Leben an den großen Plan. Poldis Karriere mit allen Höhen und Tiefen spiegelt dies wider. In Köln gefeiert, in München weggelobt, mit Köln abgestiegen, in London der Publikumsliebling, oft nur zweite Wahl. Das war nicht vorhersehbar. Poldi wird vermutlich nie Weltfußballer, aber das hält ihn nicht davon ab, das Beste von sich zu geben. Er ist der Positivste, hat immer einen passenden Spruch auf Lager, stellt sich komplett in den Dienst seines Teams.

„Alles ist möglich, dem der da glaubt“, sagt die Bibel. Gemeint ist der Glaube an den ei-nen Gott, der alles geschaffen hat – der Urheber des Urknalls ist, und somit Schöpfer aller Dinge: Nicht nur Weltall und Erde haben sich daraus entwickelt, sondern auch jeder einzelne Mensch. Aus den vielen Millionen Möglichkeiten, die es für Gott gegeben hat, uns Menschen ins Leben zu rufen, hat er gewählt: Jedem von uns Menschen hat er einen unermesslichen Wert beigemessen: unsere Würde. Und er hat uns einen großen Reichtum geschenkt: unsere Begabungen. Im Wechselspiel des Lebens dies stets zu erkennen, lässt uns scheinbar Unerreichbares erreichen.

Übertragen auf das Spiel: Mag der König auf dem Platz Cristiano Ronaldo heißen, dem alle Mitspieler huldigen, damit er glänzen kann. Wir haben dafür einen Prinzen aus Köln, der auf die Prinzen-Würde absolut keinen Wert legt. Auf dem Platz ist er ein „Ma-locher“ vor dem Herrn: für keinen Sprint zu schade, um keinen Kampf verlegen. Wenn Özil dann auf Poldi passt, Schürrle den Pfosten trifft und Müller den Ball ins Tor stochert – dann war das Glück uns hold und Jogis Plan ging auf: Stufe eins geschafft auf dem Weg zum Fußballthron.

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