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Bollingstedt : Auf dem Traktor fühlt sich Lena wohl

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die 16-jährige Lena Andresen macht im Sommer ihren Schulabschluss und beginnt dann mit ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2016 | 15:30 Uhr

Bollingstedt | Rückwärts einparken? Für Lena Andresen kein Problem. Obwohl der Stalleingang ziemlich klein wirkt im Vergleich zu dem riesigen Geschütz, das die 16-Jährige steuert. Auf dem Hof ihrer Großeltern in Esperstoftfeld übt die kernige junge Frau das Treckerfahren. Ihre Großmutter hält nur noch ein paar Schweine und Ziegen, im Stall laufen die Kühe eines benachbarten Landwirts. Im Schuppen stehen neben dem großen Fendt-Traktor, auf dem die 16-Jährige winzig klein aussieht, noch zwei weitere Trecker dieser Marke, denn schon ihr Großvater hatte ein Faible für die grünen Maschinen. Und diese Leidenschaft übertrug sich zunächst auf ihren Vater und schließlich auch auf Lena und ihren Bruder Niklas.

Im November ist die Schülerin, die mit ihrem jüngeren Bruder und ihren Eltern in Bollingstedt lebt, 16 Jahre alt geworden. Die praktische Prüfung für den Treckerführerschein hatte sie am selben Tag in der Tasche. „Da konnte ich gleich nach der Prüfung allein nach Hause fahren“, sagt Lena.

Nun ist es selbst auf dem Land etwas besonderes, dass sich ausgerechnet ein Mädchen für landwirtschaftliches Großgerät begeistern kann. Aber Lena will ja auch nicht einfach nur Spaß haben, nein, die junge Frau hat ganz konkrete Pläne. Sie will eine landwirtschaftliche Ausbildung machen – und dafür braucht man eben einen Treckerführerschein.

Im Sommer soll es losgehen. „Ich muss etwas draußen machen, mich bewegen und ich habe Lust dazu, mit Tieren zu arbeiten“, erklärt die Schülerin. Und das kommt nicht von ungefähr. Lenas Großeltern, sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits, hatten einen Hof. Und als Kinder haben sie und ihr Bruder sehr viel Zeit dort verbracht. „Das war das Größte für uns, auf dem Hof mitzulaufen.“

Bevor die Familie in Bollingstedt baute, lebten sie auf dem Resthof der Großmutter mütterlicherseits in Esperstoftfeld. Dieser grenzte direkt an die Ländereien ihrer Großeltern väterlicherseits, der damals noch bewirtschaftet wurde. So saß Lena schon als kleines Kind mit ihrem Opa auf dem Traktor, und das hat sie geprägt. „Wenn wir draußen gespielt haben und Opa war auf der Koppel am Grubbern, dann sind wir gleich hingelaufen und mitgefahren“, erzählt Lena mit leuchtenden Augen. Da es nur ein Katzensprung bis zum Milchviehbetrieb ihrer Großeltern war, konnte Lena den Hof jederzeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.

Ihr war schnell klar, dass sie mit Tieren arbeiten möchte. „Zuerst wollte ich Tierärztin werden, aber da muss man erst so lang studieren“ erzählt Lena. Es musste schneller gehen, sie wollte gleich mit anpacken, also absolvierte Lena ihr Schulpraktikum letzten Sommer in einem Milchviehbetrieb, der in unmittelbarer Nähe des Hofes ihrer Großeltern liegt. „Ich hatte großen Spaß bei der Arbeit und musste auch gleich ordentlich mit anpacken, Kälber füttern, ausmisten, und zweimal habe ich mit gemolken.“ Damit war die Entscheidung gefallen, eine landwirtschaftliche Ausbildung soll es sein und zwar auf einem Milchviehbetrieb, so wie ihn die Großeltern damals hatten.

Nun interessiert Lena sich natürlich nicht nur für Trecker und Kühe: Auf dem Hof ihrer Oma steht auch noch Lenas Pferd. „Ich reite gerne aus, aber mit Pferden arbeiten, das wäre nichts für mich, das wäre mir zu einseitig.“ Landwirtschaft sei ein so breit gefächerter Beruf, da könne man so viel mit machen, erklärt die Schülerin, die anschließend an ihre Lehre gern ein Studium absolvieren möchte.

Aber wie sinnvoll ist es denn eigentlich, Landwirtschaft zu lernen, wenn man keinen elterlichen Betrieb übernehmen kann? Lenas Eltern haben eine Baufirma, Land und Stallungen der Großeltern sind verpachtet. Das sei in der heutigen Zeit kein Problem mehr, denn die Betriebe seien größer geworden und gutes Personal werde benötigt, sagt Lena. Ihr erster Lehrbetrieb habe bereits mehrere Angestellte, die in einem Team zusammenarbeiten, erzählt die 16-Jährige. „Viele Tiere brauchen viel Aufmerksamkeit.“

Nun stellen sich viele den Beruf des Landwirts als typischen Männerberuf vor, Lena erzählt aber, dass in ihrem ersten Lehrbetrieb mit ihr sogar mehr Frauen als Männer arbeiten werden. „Es ist doch egal, ob Mann oder Frau, wichtig ist, dass man sich für seinen Beruf interessiert“, sagt Lena.

Und was sagen die Jungs dazu? Da muss die Schülerin lachen. Es gebe solche und solche, sagt sie. Diejenigen, die selbst vom Hof kommen, fänden es cool, dass sie auch mal mit einem Mädchen über Landwirtschaft schnacken könnten, so die Schülerin. Diejenigen, die den ganzen Tag vor ihrem Computerspiel hockten, hätten natürlich wenig Ahnung von und auch weniger Interesse an dem Beruf.

Lena ist ein richtiges Landmädchen, Fernsehen und Computer sind ihr nicht wichtig, am liebsten ist sie draußen aktiv, deshalb kann sie es auch kaum erwarten, bis die Schule vorüber ist und die Lehre endlich losgeht. Und natürlich hat sie ihrem zukünftigen Lehrbetrieb auch schon einen Besuch abgestattet – natürlich mit dem großen Fendt.

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