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Geburten auf Sylt : „Auf dem Niveau von Armenien“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bei der Diskussion über Geburten auf Sylt hat die Asklepios Nordseeklinik jetzt den Umbau der Sylter Geburtshilfe angeregt. Gemeinde, Kreis und Land sollen für eine neue Fachabteilung mit sechs Gynäkologen zahlen.

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erstellt am 12.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Nach den Gesprächen über die Zukunft der Sylter Geburtshilfe im Kieler Gesundheitsministerium, gaben sich die Beteiligten am Mittwoch wortkarg: Weder der Sozialausschussvorsitzende der Gemeinde Sylt, Eberhard Eberle (SPD), noch Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen oder Vertreter des Aklepios-Konzerns ließen etwas über das vorläufige Ergebnis des Treffens verlauten. Nur Staatssekretärin Anette Langner trat vor die Mikrofone und gab Auskunft: Alle Beteiligten seien sich einig, dass es weiterhin für Sylterinnen eine angemessene geburtshilfliche Versorgung geben müsse, so die kurze offizielle Stellungnahme. Offenbar waren aber bei dem Termin am Mittwoch Fragen offen geblieben, die nun am Freitag bei einem weiteren Treffen der Gesprächspartner in der Asklepios Nordseeklinik ausgeräumt werden sollen.

Über den Verlauf der Gespräche ist damit im Detail nichts bekannt – außer, dass die Beteiligten offensichtlich noch an die Möglichkeit einer Einigung glauben. Sicher ist hingegen, dass die Sylter Asklepios-Geschäftsführung mit einem neuen Konzept in der Tasche nach Kiel gereist ist. Das Papier, das der Konzern kurz vor dem Gespräch verbreitet hatte, sieht einen weit reichenden Umbau der Sylter Geburtshilfe vor: Statt Geburtshilfe als Belegabteilung, wie es sie bislang an der Nordseeklinik gab, bringt das Unternehmen jetzt die Gründung einer „Fachabteilung Geburtshilfe mit pädiatrischer Versorgung“ ins Spiel. Nach Angaben des Konzerns sei dies der einzig gangbare Weg, um die Qualität der Sylter Geburtshilfe dauerhaft zu verbessern. In der jetzigen Situation, in der nur ein Gynäkologe als Belegarzt mit einem Stellvertreter verfügbar wäre, sei diese Praxis zu risikoreich. Zwei „tragische Todesfälle“ von Neugeborenen in den vergangenen zwei Jahren führt Asklepios als Beweis für Handlungsbedarf an: „Legt man die Daten der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zugrunde, lag das Sterblichkeitsrisiko der Geburtshilfe auf Sylt in den vergangenen Jahren auf dem Niveau von Armenien oder Kasachstan.“

Um eine solche Fachabteilung sicher betreiben zu können und Rufbereitschaften zu gewährleisten – rechnet Asklepios in seinem Konzept vor – müssten mindestens sechs Gynäkologen eingestellt werden. Durch eine Kooperation mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und der Diako in Flensburg könnten die Fachärzte auch „einpendeln“.

Zur Finanzierung dieses Modells schlägt der Konzern die Gründung einer gemeinnützigen Geburtshilfe Sylt GmbH vor, die von der Gemeinde Sylt, dem Kreis und dem Land getragen werden könnte. Der Beitrag der Nordseeklinik: Sie will die Infrastruktur, wie den Kreißsaal, stellen.

Inwieweit die Gesprächspartner in Kiel sich diesem Konzept genähert haben, wird sich voraussichtlich morgen zeigen, wenn die Beteiligten sich erneut an den runden Tisch setzen. Vorsichtigen Optimismus gab es bereits gestern aus dem Landtag: „Die heutigen Gespräche in Kiel lassen erste Hoffnungsschimmer aufleuchten“, sagte der SSW–Abgeordnete Flemming Meyer.

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