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Sylter Rundschau

11. Dezember 2017 | 02:12 Uhr

Auch das gibts: Ein Grüner mit Jagdschein

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Sind die Grünen zu urban? Der Keitumer Arzt Roland Klockenhoff ist Parteimitglied und leidenschaftlicher Jäger

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 09:28 Uhr

Keitum | Wer die Debatte zwischen Umweltminister Robert Habeck und Alt-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen mitverfolgt hat, ob der Wolf in Schleswig-Holstein nun ins Landesjagdrecht aufgenommen werden sollte oder nicht, der könnte schnell denken, dass Grün-Sein und Jäger-Sein nicht zusammen passt. Der Keitumer Arzt Roland Klockenhoff, Naturschützer, Grünen-Mitglied und Jäger (nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge) hat sich dagegen über seine anscheinend widersprüchlichen Passionen nie ernsthaft Gedanken gemacht.

Er isst gern Fleisch - und das schmecke selbst geschossen besser -, er mag auch die meditativen Momente auf dem Hochsitz, fand Jäger schon als Kind faszinierend: Deshalb hat er vor gut 20 Jahren den Jagdschein gemacht. Er ist in den Lister Dünen groß geworden, hat in der Schutzstation Wattenmeer seinen Zivildienst gemacht - "vielleicht war das meine endgültige Prägung als Naturschützer". Und als es in den 1970ern die Diskussion um mögliche Atomkraftwerke im Wattenmeer hoch kochten, wurde sein Naturschutz politisch und Klockenhoff grün. "Das alles", findet er, "passt ganz gut zusammen". Klar gebe es manchmal Punkte, bei denen sich Jäger und Naturschützer uneins seien - wie damals bei der Aufhebung der Wattenjagd. Aber auf der Insel arbeiten beide Fraktionen eigentlich ganz gut zusammen, findet er. Und im Grunde wollen sie in vielen Bereichen auch das gleiche: Zum Beispiel den Erhalt natürlicher Lebensräume.

Die Wolfs-Debatte hält Klockenhoff sowohl in seiner Rolle als Jäger als auch als Naturschützer genau aus diesem wichtigen Punkt eher für ein Scheingefecht: Das Hauptproblem des Wolfes seien der immer kleiner werdende Lebensraum, die Straßen, auf denen er überfahren werde. Da hilft oder schadet auch die Aufnahme ins Landesjagdrecht nicht. Wobei laut Klockenhoff gegen eine Aufnahme auch nichts sprechen würde: Elch, Seehund und alle Greifvögel stünden als "jagdbare Art mit ganzjähriger Schonung" drin - warum dann nicht auch der Wolf?

Durch die persönliche Hegeverpflichtung, die jeder Jäger eingeht, könne das dem Wolf nur gut tun: "Das ganze Land ist mit Jagdrevieren überzogen - für mich ist strittig, warum man sich beim Schutz des Wolfes nicht so Verbündete suchen sollte."

Dass viele der Grünen auf dem Festland ein eher problematisches Verhältnis zur Jagd zu haben scheinen, könne daran liegen, dass die Partei insgesamt eher urban geprägt ist, vermutet der 55-Jährige. Auf der Insel würden auf jeden Fall viele Gemeinsamkeiten zwischen Jägern und Naturschützern gepflegt. Klockenhoff: "Der Austausch zählt."

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