Eskalation : Asylsuchende auf Sylt müssen umziehen

Gabriele Gotthardt vom Ordnungsamt.
Steht hinter dem Umzug der Asylantinnen: Gabriele Gotthardt vom Ordnungsamt.

Die Weigerung von zwei Asylsuchenden, sich in das Sylter Obdachlosenheim umsetzen zu lassen, ist am Dienstag eskaliert. Das Ordnungsamt sieht keinen Anlass zur Kritik.

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02. Juli 2014, 05:17 Uhr

Sylt | „So geht man nicht mit Menschen um“, sagt Juliane von Holdt und meint damit die Art und Weise, wie zwei Asylsuchende – somalische Frauen und ihre Kinder – am Dienstag gezwungen wurden, ihre bisherige Unterkunft in Tinnum zu räumen. Die Frauen weigerten sich, die Wohnung zu verlassen, weil sie „dachten, dass sie dort bleiben können und nicht in den Sjipwai ziehen müssen“, erklärt Juliane von Holdt die emotionale Erregung der Frauen, von denen eine schwanger und die andere Mutter von Kindern im Alter von zwei und vier Jahren ist. Während Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Wohnung der Frauen räumten, „eskalierte die Situation“, beschreibt von Holdt die dann folgenden Szenen. „Die Frauen setzten sich auf den Hof und wollten sich nicht bewegen. Frau A., die Mutter der Kinder, bekam einen Krampf und musste in die Nordseeklinik eingeliefert werden“.

Die verstärkte Zuweisung von Asylsuchenden wird zukünftig auch Sylt vor die Herausforderung stellen, genügend geeignete Unterkünfte vorzuhalten. Von aktuell 67 Asylsuchenden auf der Insel kann die Zahl bis Jahresende auf gut 100 steigen. Da die Obdachlosenunterkunft im Westerländer Sjipwai nicht einmal zu einem Drittel belegt ist, hatte die Gemeinde Sylt beschlossen, sieben der dort lebenden Obdachlosen in anderen Wohnungen unterzubringen und so am Sjipwai Raum für die Asylsuchenden zu schaffen. „Bei dem knappen und teuren Wohnraum auf der Insel sind wir verpflichtet, keine Leerstände zu erzeugen, sondern optimal mit den uns zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten umzugehen“, erläutert Gabriele Gotthardt, Leiterin des Ordnungsamtes, den Hintergrund des Konzepts und betont, „wir haben die Umsetzung der Asylsuchenden sehr gut vorbereitet, die Bescheide rechtzeitig fertiggestellt, sodass Zeit für ihre gerichtliche Prüfung bestand.“ Von Holdt und Demuth scheiterten allerdings vor Gericht mit ihrem Widerspruch gegen den Umsetzungsbescheid. Das Gericht folgte der Auffassung des Ordnungsamtes, das daraufhin die sofortige Umsetzung anordnete, die gestern erfolgte.

Juliane von Holdt und ihr Mann Matthias Demuth, die sich als Initiatoren der Sylter Integrationshilfe-Gruppe sehen, verstehen zwar, „dass das Ordnungsamt ein Konzept für die wachsende Zahl der Asylsuchenden auf Sylt entwickeln muss. Wir verstehen aber nicht, dass es keine Individuallösungen geben kann“. Damit ist vor allem der Fall der beiden Somalierinnen gemeint, die sich nach Besichtigung des Sjipwai „klar gegen diese Unterkunft ausgesprochen hatten, weil das zugewiesene Zimmer mit drei Betten und einem Schrank überfüllt ist und es keinerlei Bewegungs- oder Spielfläche für die Kinder gibt“. Darüber hinaus beklagt von Holdt, „dass es auf Grund der räumlichen Situation keinen ungestörten Mittagsschlaf für die Kinder geben kann“ und der Gang zur Toilette notwendigerweise durch die Mutter begleitet werden muss, weil das Badezimmer nicht direkt an den Raum angrenzt. Dies hätte zur Folge, dass „Frau A. das Zimmer abschließen müsste“, um das andere Kind zu schützen.

Gabriele Gotthardt kann in der Umsetzung der beiden Frauen keine Unzumutbarkeit erkennen und betont ihrerseits, „dass uns das Menschliche sehr interessiert. Natürlich sind solche Vorgänge eine emotionale Belastung für alle – auch für uns, die wir sie durchführen. Doch wir sollten alle helfen, dass die Situation für die Betroffenen so angenehm wie möglich gestaltet wird. Es hilft den Asylsuchenden nicht, wenn man sie nur gegen uns aufbringt.“

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