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Medizinische Versorgung auf Sylt : Asklepios setzt auf Konsens statt Streit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Betreiber der Nordseeklinik auf Sylt verspricht Erhalt der Akutversorgung, will jedoch den Reha-Bereich baulich den modernen Anforderungen anpassen.

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erstellt am 24.Jun.2015 | 05:41 Uhr

Weder das Akutkrankenhaus noch der Reha-Bereich der Nordseeklinik stünden zur Disposition. Dies betonten Vertreter des Mutterkonzerns Asklepios am Montagabend während einer Info-Veranstaltung, auf der die Stadtplanung die Grundzüge einer Überplanung des gesamten Klinikgeländes der Öffentlichkeit vorstellt. Im Gegenteil: Die medizinische Grundversorgung der Insel sei gemäß aller gesetzlichen Vorgaben abgesichert, die Angebote insbesondere der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation würden ausgebaut und den modernen Anforderungen angepasst. Auf die bereits seit Jahren im Raum stehenden Vorwürfe, Asklepios würde in der Nordseeklinik seine Medizin- und Reha-Angebote Schritt für Schritt zugunsten so genannter Urlaubsangebote ohne jegliche ärtzliche Betreuung herunterfahren, ging Asklepios-Geschäftsführer Thomas Wolfram allerdings mit keinem Wort ein. Eben diese Befürchtung jedoch – bereits 2012 formuliert in einem Beschluss der Gemeindepolitiker – sei unter anderem der Grund dafür, dass jetzt Entwürfe zur Überplanung des Klinikgeländes vorgestellt werden, erläuterte die Sylter Stadtplanerin Julia Zimmer.

Wolfram, in der Asklepios-Konzernleitung zuständig für das Operative Management Hamburg und Sylt, vermied aber jegliche Konfrontation und lenkte in seinen Anmerkungen zur Erstellung des Bebauungsplans den Fokus auf die Themenkomplexe bauliche Veränderungen und Erweiterungen zum Wohle von Patienten und Mitarbeitern sowie die Vorbereitung des Reha-Bereiches auf künftig veränderte Anforderungen. Ausdrücklich begrüßte er die Vorschläge der Stadtplanung, in einem Sondergebiet „Personalwohnen“ entlang der Norderstraße durch großzügige Baufenster und die Festlegung neuer Gebäudehöhen zirka 1  200 Quadratmeter zusätzliche Fläche für Personalwohnungen zu schaffen. „Wir haben ja überhaupt Probleme, für den Sylter Standort ausreichend Fachkräfte von der Krankenschwester bis zum Assistenzarzt zu finden“, sagte der Asklepios-Sprecher. „Deshalb wäre eine Genehmigung, auf dem Gelände für unsere Mitarbeiter weitere Wohnungen bauen zu dürfen, die auch bezahlbar sind, sehr wichtig.“

In der Akutklinik gebe derzeit zirka 120 Betten, sagte Wolfram, wies jedoch darauf hin, dass wegen der großen saisonalen Schwankungen die durchschnittliche Auslastung übers Jahr verteilt bei nur etwa 75 Prozent läge. Auch deshalb sei der Reha-Bereich ein wichtiges Standbein für den Erhalt der Klinik insgesamt. Die Planvorgabe einer maximalen Anzahl von 300 Betten für Reha-Patienten durch die Sylter Bauverwaltung, kritisierte Wolfram allerdings ausführlich. Um von der Rentenversicherung die Zulassung für Anschlussheilbehandlungen zu erlangen, sei ein umfangreicher Anforderungskatalog zu erfüllen, der alle paar Jahre erneuert würde. Die sich ändernden Anforderungen beziehen sich sowohl auf strukturelle Merkmale wie Zimmerausstattung, Therapieflächen und Seminarräume als auch auf das gesamte medizinische und therapeutische Leistungsangebot. Die formale Festlegung einer maximalen Reha-Bettenzahl durch die Überplanung dürfe Asklepios „nicht in ein Korsett schnüren, dass der Realität nicht mehr entspricht.“ Wolfram kündigte an, die Stadtplanung ausführlich über räumliche und technische Anforderungen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation zu unterrichten. Der Asklepios-Manager betonte aber auch, dass für die Komplettsanierung des Gartenhauses als einem der Gebäude der Reha-Klinik alleine in diesem Jahr bereits über eine Million Euro aus Eigenmitteln aufgewendet worden sei.

Außer den Asklepios-Vertretern nutzten nur einige Gemeindevertreter die Möglichkeit, sich auf der Info-Veranstaltung zu Wort zu melden. Gerd Nielsen zeigte Verständnis für die Argumente des Konzerns:„Der Reha-Bereich ist ja nicht nur wichtig für Patienten und ihre Angehörigen, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – für die Nordseeklinik, aber auch für unsere Insel.“ Allerdings sprach sich der SPD-Fraktionschef gegen reine Urlaubsangebote von Asklepios auf Sylt aus, die nichts mit einer medizinischen Indikation zu tun hätten. Christian Thiessen von der Piraten-Partei dagegen erwartet detaillierte transparente Informationen des Konzerns zu allem, was künftig auf dem Gelände geplant sei, ob baulich oder in einer Neugewichtung der Angebote. „Wir müssen schon vorsichtig, ja wir sollten sogar misstrauisch sein. Ich erinnere nur an die Versprechungen von Asklepios, die Geburtenstation zu erhalten und dann wurde sie doch geschlossen.“

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