Demonstration auf Sylt : Arm in Arm gegen Fremdenhass

Die Stimmung war friedlich und nachdenklich-entspannt bei dem Schweigemarsch durch Westerland.
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Die Stimmung war friedlich und nachdenklich-entspannt bei dem Schweigemarsch durch Westerland.

Zum Schweigemarsch durch die Westerländer Innenstadt kamen geschätzte 150 Demonstranten.

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19. Januar 2015, 19:42 Uhr

Bernd Frühling kam mit gemischten Gefühlen zur Wilhelmine, die er als Treffpunkt und Startpunkt für den angesetzen Schweigemarsch gegen Fremdenhass, Angst und Intoleranz und für Meinungs-, Glaubens- und Pressefreiheit durch die Westerländer Innenstadt vorgeschlagen hatte (wir berichteten). Da er dort zunächst alleine stand, machte sich bei ihm Angst breit, es könne keiner seinem Aufruf gefolgt sein. Doch seine Befürchtungen lösten sich schnell in Luft auf: Nach und nach fanden sich immer mehr Menschen ein, die Frühling schließlich begrüßte und den Startschuss gab: „Bitte hakt euch alle ein“, war seine Aufforderung - und so zogen um 18.10 Uhr geschätzte 150 Demonstranten friedlich durch die noch schneenasse Friedrichstraße bis zur Elisabethstraße und über die Paulsstraße zum Rathausvorplatz.

Während des Marsches wurde unter den teilnehmenden Personen wenig gesprochen, ganz im Sinne des Veranstalters hielten sich die meisten an die Vorgabe, schweigend durch die Straßen zu ziehen.

Die Stimmung unter den Teilnehmern war nachdenklich-entspannt. Viele, die sich nicht kannten, gingen Arm in Arm und kamen so ins Gespräch, denn alle waren aus dem gleichen Grund gekommen: um ein Zeichen zu setzen. So wie die Demonstrantin Petra Fuchs: „Ich möchte hier Flagge zeigen“, sagte sie, „ich wollte etwas tun - und ich finde an der Demonstration teilnehmen ist das Mindeste, was ich tun kann.“

Auf dem Rathausvorplatz hielt Organisator Frühling noch eine kurze Rede, in der er betonte, wie sehr er sich wünsche, dass Sylt als positives Beispiel der Willkommenskultur wie ein Leuchtturm ins Land strahlen soll. Er rief die Sylter Bürger auf, die Asylbewerber zu unterstützen und appelierte an die Politiker, Mittel zur Verfügung zu stellen, um eine schnelle und gute Integration zu ermöglichen. „Ich denke, mit unserem Schweigemarsch sind wir die Sache richtig angegangen - nicht mit einer lautstarken Demonstration, sondern still im Gedenken an die Opfer in den Heimatländern unserer Asylbewerber aus Afghanistan, Syrien, Irak, Iran und Somalia.“

Frühling erhalte insgesamt großen Zuspruch für seinen Engagement - auch für die Demonstration, dennoch sorgte das Thema im Vorfeld für Spannungen.

Vor allem auf der Facebook- Seite Gesucht-Gefunden Sylt wurde über die Notwendigkeit einer Demonstration auf der Insel, aber auch generell über die Aufnahme von Asylbewerbern auf Sylt diskutiert: „Warum Sylt?“, schreibt ein Nutzer zum Thema Asylbewerber auf der Insel, „erstens Wohnungsmangel, zweitens müssen Sylter mehr als 1000 Euro für eine Wohnung zahlen, dafür den ganzen Tag hart arbeiten und die bekommen das geschenkt? Auf dem Festland gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten.“

Ein anderer User kommentierte stark fremdenfeindlich: „Holt ruhig noch mehr Pack ins Land. Das brauchen wir! Frag doch mal Insulaner, was für diese Leuten getan wird. Nichts.“

Dennoch zeigte der Schweigemarsch auch die friedliche und weltoffene Tendenz auf der Insel.

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