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Flüchtlinge auf Sylt : Appell an Sylter: Flüchtlinge sind keine Goldesel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Verwaltung sucht bezahlbaren Wohnraum für Asylsuchende - Angebote seien aber teilweise "erschreckend".

von
erstellt am 24.Aug.2015 | 05:41 Uhr

Wie bringen wir die Menschen unter, wie teilen wir die Finanzierung auf und wie äußern wir uns über sie: Die Gemeindevertreter der Gemeinde Sylt haben sich auf ihrer jüngsten Sitzung mit verschiedenen Facetten des Themas Flüchtlinge auf der Insel auseinander gesetzt.

Aufhänger für die Diskussion war die Frage, wie die Kosten, die die Unterbringung von Flüchtlingen verursachn, auf die verschiedenen Inselgemeinden aufgeteilt werden sollen: Weil nicht alle Ausgaben erstattet werden, muss die Insel nach bisherigen Berechnungen für 2015 mit einem Defizit von knapp 300  000 Euro rechnen. Die Gemeindevertreter einigten sich darauf, dass das Defizit unter den Gemeinden anhand der Einwohnerzahl aufgeteilt werden soll. Heißt: 75 Prozent soll die Gemeinde Sylt übernehmen, rund 25 Prozent die anderen Gemeinden.

Gleichzeitig schlägt sich die Verwaltung mit der Frage herum, wo die Asylsuchenden wohnen können – momentan sind es 111 auf Sylt, Tendenz steigend. Ob die Gemeinde an den Plänen festhalte, alle Flüchtlinge dezentral unterzubringen, fragte Holger Flessau (CDU). Wahrscheinlich sei das nicht möglich, antwortete Bürgermeister Nikolas Häckel: „Wir kommen um ein Mischkonzept nicht herum.“ Gerade habe die Verwaltung eine Schätzung darüber erhalten, wie viel es kosten würde, das ehemalige Jugendaufbauwerk in Hörnum so zu sanieren, dass es als größeres Flüchtlingsheim nutzbar wäre. Dort könnten die Menschen nach ihrer Ankunft aufgefangen und dann auf kleinere Wohneinheiten aufgeteilt werden, erläuterte Häckel. Es sei gernell nicht einfach, genügend Mietobjekte zu finden. Häufig würden der Gemeinde von Insulanern Häuser angeboten, die entweder ohnehin kurz vor dem Abriss stünden oder aus anderen Gründen nicht in Frage kommen: „Es ist erschreckend, was da teilweise an Angeboten kommt und was die Sylter dafür haben wollen. Asylbewerber sollten nicht als Cashcow (frei übersetzt: Goldesel) herhalten“, kritisierte Häckel.

Christian Thiessen (Piraten) fragte an, ob an der in sozialen Netzwerken geführten Diskussion etwas dran sei, dass sich die anderen Inselgemeinden nicht an der Suche nach Wohnungen für Flüchtlingen beteiligen würden. Das verneinte Häckel, er habe gerade sehr positive Gespräche mit den anderen Bürgermeistern geführt. 18 Kilometer weiter südlich tagten zeitgleich auch die Hörnumer Gemeindevertreter. Sie beschlossen auf dieser Sitzung, eine gemeindeeigene Vier-Zimmer- Wohnung, die in Hörnum keinen Abnehmer gefunden hat, für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen.

Weniger positiv wurde Sylts südlichste Gemeinde im Westerländer Ratssaal Thema: „Es tut mir leid, das so zu sagen: Aber das finde ich wirklich widerlich“, sagte Christian Thiessen. Er bezog sich damit auf eine Äußerung des Hörnumer Bürgermeisters und Amtsvorstehers Rolf Speth. Speth hatte vor einigen Wochen gesagt, Flüchtlinge, die nach Sylt kommen, habe keiner eingeladen (wir berichteten). „Was sagt die Gemeinde Sylt eigentlich zu den unsäglichen Äußerungen ihres Amtsvorstehers?“, fragte Thiessen in die Runde. Eine Antwort erhielt er nicht.

 

 

 

 

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