Sylt : Anlieger wollen Funkturm verhindern

„Das Ding darf hier auf keinen Fall entstehen“: Holger Danowsky und Dr. Joseph Heussen vor dem Jenslongtal mitten in List.
„Das Ding darf hier auf keinen Fall entstehen“: Holger Danowsky und Dr. Joseph Heussen vor dem Jenslongtal mitten in List.

Der im Süderhörn wohnende Mediziner Joseph Heussen warnt vor nicht auszuschließenden Gesundheitsrisiken durch den neuen Behördenfunk.

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20. November 2013, 19:44 Uhr

Sylt | List Die Fläche ist bereits hergerichtet,  der Baucontainer steht – in Kürze soll im Lister Jenslongtal ein fast 40 Meter hoher Funkmast für den digitalen Behördenfunk installiert werden. Damit es dazu, anders als in Hörnum, gar nicht erst kommt, hat sich in unmittelbarer Nachbarschaft in dieser Woche eine Interessengemeinschaft gegründet, die den Mast an dieser Stelle verhindern will.

„Wir wollen das Verfahren zur Feststellung des Standortes wieder aufrollen, weil wir glauben, dass hier grob fahrlässig gehandelt wurde“, sagt Holger Danowsky. Der IT-Unternehmer aus Hamburg hat wie der Mediziner Dr. Joseph Heussen einen Wohnsitz im Süderhörn, nur einen Steinwurf  vom Standort des BOS-Funkmastes entfernt. Während dort im Umkreis von wenigen hundert Metern sich nicht nur viele Wohnhäuser befinden, sondern sich auch das künftige Nordsee College mit 500 Schülern sowie das Arosa-Hotel, halten die Initiatoren des Protestes den ursprünglich von der Gemeinde auserkorenen Standort am alten Klärwerk für wesentlich geeigneter. Gegen den hatte allerdings die Untere Naturschutzbehörde des Kreises interveniert, da er außerhalb des Ortes liege und der 37 Meter hohe Mast das Landschaftsbild am Königshafen beeinträchtigen würde.

„Natürlich ist so ein Mast optisch nirgends schön und wir werden ihn auch nicht generell verhindern können. Aber dann muss man wenigstens den akzeptabelsten Standort wählen. Und da sollte die Gesundheit der Menschen Vorrang haben“, erklärt Dr. Joseph Heussen. Obwohl die Behörden stets von einer unerheblichen Strahlenbelastung für die nähere Umgebung sprechen, ist nach  seinen Recherchen eine Gesundheitsgefährdung keineswegs auszuschließen. Der als Orthopäde an dem ganzheitlich orientierten Albertus-Zentrum in Mönchengladbach tätige Facharzt verweist darauf, dass es sich beim sogenannten „Tetra“-Verfahren um ein hochenergetisches gepulstes Sendeverfahren mit niedriger Frequenz handelt, das wegen seiner Energiedichte besonders bedenklich sei. „Diese Strahlung dringt tief ins Gewebe ein, sodass man über lange Sicht mit Zellschäden rechnen muss.“

Einer seiner Hauptkritikpunkte: Obwohl wissenschaftliche Studien des Bundesamtes für Strahlenschutz und der Berliner Charité, die sich mit den Gesundheitsrisiken für die Nutzer wie auch für die Bürger beschäftigen, erst in ein bis zwei Jahren abgeschlossen sein werden, werde von den Behörden so getan, als gebe es kein Risiko. „Hier wird eindeutig nach der Methode verfahren: Fakten schaffen Recht.“

Die über den Jahreswechsel kurzfristig gegründete Interessengemeinschaft besteht derzeit aus einem halben Dutzend Anliegern, weitere Mitstreiter sollen über Handzettel und Zeitungsannoncen gesucht werden. Unabhängig davon werden Heussen und Danowsky über eine renommierte Hamburger Anwaltskanzlei eine einstweilige Verfügung gegen den Bau des Funkmastes beantragen, um List nicht „zu einem Krisenherd für Elektrosmog werden zu lassen“. Heussen: „List ist ein Ort, in den Menschen fahren, die ein gesundes Klima suchen und nicht mit elektromagnetischen Feldern rechnen.“

Bei Bürgermeister Wolfgang Strenger stießen die Funkmast-Gegner auf offene Ohren. „Sicherlich brauchen wir den Mast aus Sicherheitsgründen. Aber die Gesundheit der Menschen ist für uns am wichtigsten. Darum wird sich die Gemeindevertretung auf ihrer nächsten Sitzung mit den für uns neuen Hinweisen beschäftigen.“ Strenger verweist darauf, dass sich die Politik bereits im April 2010 einstimmig für den Standort am alten Klärwerk ausgesprochen habe und „sehr überrascht“ über das späte Nein der Naturschutzbehörde ein Jahr später gewesen sei. „Da gab es bereits einen ausgearbeiteten Vertrag des Abwasserzweckverbandes zur Nutzung des Geländes für den Funkmast.“Jörg Christiansen

Potenzielle Mitstreiter können ihren Beitritt zur  „IG BOS-Mast-Gegner List“ formlos per Mail an bos-funkmast-list@web.de erklären, ohne dass ihnen daraus Kosten oder Verpflichtungen entstehen.

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