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Japanischer Koch auf Sylt : Anklage im Fall Miki Nozawa

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Körperverletzung mit Todesfolge und versuchte Nötigung: Im Zusammenhang mit dem Tod eines japanischen Kochs auf Sylt erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Sylter.

Sylt | Im Fall des im Mai 2013 in Westerland verstorbenen Koches Miki Nozawa hat die Staatsanwaltschaft Flensburg nun Anklage gegen die beiden tatverdächtigen Sylter erhoben. Das bestätigte der Flensburger Oberstaatsanwalt Otto Gosch gegenüber unserer Zeitung. Einem 37-jährigen Tatverdächtigen werde Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen, einem 50-Jährigen versuchte Nötigung.

Der aus Japan stammende Koch Miki Nozawa hatte einen Imbiss gegenüber des Westerländer Bahnhofs betrieben. In der Nacht zum 12. Mai traf er in einer Table-Dance-Bar in der Westerländer Innenstadt auf zwei seiner Kunden (damals 50 und 36 Jahre alt). Weil den beiden das Essen des Kochs nicht geschmeckt habe, verlangten sie ihr Geld zurück. Gegen zwei Uhr morgens kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung vor der Bar. Am darauf folgenden Tag verstarb Nozawa im Alter von 57 Jahren an einer Gehirnblutung. Die beiden mutmaßlichen Täter standen schnell fest, bleiben aber weiterhin auf freiem Fuß, so Oberstaatsanwalt Gosch.

Bei Körperverletzung mit Todesfolge liegt der Regelstrafrahmen bei einer Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. Im Fall von versuchter Nötigung bewegt sich der Strafrahmen zwischen einer Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Wann es zum Prozess vor dem Landgericht Flensburg kommt, ist laut Staatsanwaltschaft noch unklar. „Für uns ist es befriedigend, dass es nun endlich zum Prozess kommt“, sagte eine Angehörige des Verstorbenen gegenüber der Sylter Rundschau. Der in Berlin lebende halbwüchsige Sohn Nozawas werde als Nebenkläger fungieren, außerdem überlege die Familie, ob sich Nozawas Bruder der Klage anschließen werde. Dieser lebt in Japan, dort wurde die Asche des Kochs in Tokio beigesetzt.

Der Fall Miki Nozawa hatte im Mai vergangenen Jahres weltweit für Schlagzeilen gesorgt – unter anderem in den USA, Australien und Japan wurde über den Koch berichtet, der sterben musste, weil Kunden sein Essen nicht schmeckte. Seine Familie reagierte geschockt auf den gewaltsamen Tod des Mannes: „Miki war ein absolut gutmütiger Mensch“, betonte seine Exfreundin nach der Tat und warf den mutmaßlichen Tätern rassistisches Verhalten vor. Nozawa sei schon früher auf der Insel als „Schlitzauge“ beschimpft worden. Die Ermittlungen zur Tat dauerten bis Dezember vergangenen Jahres an. Details wollte die Staatsanwaltschaft nicht nennen.

Nozawa hatte in Flavio Briatones Nobel-Restaurant Billionaire auf Sardinien gearbeitet. 2007 zog er nach Sylt und kochte zunächst in der Kampener Vogelkoje bevor er in seinem Imbiss japanisch-italienische Fusion-Küche zubereitete.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 16:01 Uhr

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