Nach Diebstahl auf Sylt : Angst vor Weinräubern?

Nicht nur im Söl’ring Hof, auch im Hotel Miramar wurde Wein geklaut: Ein ehemaliger Angestellter gab zu, dort zwei Sechs-Liter-Flaschen Petrus Pomerol entwendet und für 18  000 Euro an einen Weinhändler verkauft zu haben.
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Nicht nur im Söl’ring Hof, auch im Hotel Miramar wurde Wein geklaut: Ein ehemaliger Angestellter gab zu, dort zwei Sechs-Liter-Flaschen Petrus Pomerol entwendet und für 18 000 Euro an einen Weinhändler verkauft zu haben.

Nach dem Bekanntwerden des Diebstahls kostbarer Weinflaschen aus dem Söl’ring Hof ist die Sylter Spitzengastronomie alarmiert.

Julia Nieß von
30. Dezember 2017, 05:34 Uhr

Ein Einbruch sorgt für Gesprächsstoff auf der Insel: Drei Tage vor Heiligabend entwendeten Diebe aus dem Bestand des Fünf-Sterne-Hotels Söl’ring Hof in Rantum gezielt mehrere Dutzend Flaschen der edelsten Weine, darunter insbesondere edle Rotweine der Domaine de la Romanée-Conti der begehrten Jahrgänge 2012, 2013 und 2014 aus dem französischen Burgund. Der von Sternekoch Johannes King geschätzte Schaden liegt bei rund 50 000 Euro (wir berichteten).

Dass teurer Wein das Ziel von Dieben sein kann, ist auf Sylt kein Einzelfall. Erst im vergangenen Monat wurde vor dem Niebüller Amtsgericht ein ähnliches Vergehen verhandelt. In dem Verfahren, in dem es eigentlich um die Brandstiftung im Hotel Miramar am 1. Mai 2015 ging, gab der Angeklagte zu, aus dem Keller des Hotels zwei Sechs-Liter-Flaschen Petrus gestohlen und an einen Weinhändler verkauft zu haben. Der edle Tropfen aus dem südwestfranzösischen Weinbaugebiet Pomerol gilt als einer der teuersten Weine der Welt. Der Angeklagte hatte beim Weiterverkauf der beiden großvolumigen, sogenannten Imperiale-Flaschen zusammen 18 000 Euro erlöst.

Die öffentlichen Reaktionen der Sylter Spitzen-Gastronomen und -Hotelieres auf den Einbruch im Söl’ring Hof sind verhalten. Schließlich lagern in den Weinkellern der Insel etliche Kostbarkeiten – es geht um hohe Summen und damit um ein hochsensibles Thema.

„Als ich das in der Zeitung gelesen habe, war ich wirklich schockiert“, sagt Christian Wirsich, Geschäftsführer im Hotel Stadt Hamburg. Der Weinschrank vom Söl’ring Hof sei zwar „größer und umfangreicher“ als der des Westerländer Fünf-Sterne-Hauses, dennoch seien die besseren Weine des Hotels gut weggeschlossen.

Auch im Hotel A-Rosa in List achte man nicht erst seit dem Diebstahl in Rantum auf die Sicherheit der Waren. „Wir verfügen über eine direkte Zugangskontrolle und sind in vielen Bereichen durch Kameras abgesichert“, sagt Eckart Pfannkuchen, Hoteldirektor in List. Gerade die Warenwirtschaft in den größeren Häusern unterliege einer strengen Kontrolle, dennoch sei absolute Sicherheit nie gegeben.

Am anderen Inselende, im Hotel Budersand in Hörnum, sieht man es ähnlich: „Wir haben 24 Stunden geöffnet und die Rezeption ist immer besetzt, daher ist es schwierig, an den Wein, der direkt neben dem Hoteleingang gelagert ist, heranzukommen“, sagt Direktor Rolf E. Brönnimann. Dennoch möchte er nichts ausschließen, denn „ausschließen kann man gar nichts“. Der Diebstahl habe ihn vor allem erschüttert: „Ich fühle mit Johannes King, gerade weil viele Flaschen, besonders solche Raritäten, nicht wieder so leicht zu beschaffen sind“, so Brönnimann.

Dass es sich bei dem Schaden im Söl’ring Hof doch eher um einen Einzelfall handelt, erklärt Isabelle Haupt von der Mannheimer Versicherung, die sich auf Schadenfälle in der Weinwirtschaft spezialisiert hat. Generell würde natürlich in Gastronomiebetrieben eingebrochen, die Diebe hätten es jedoch meistens auf technische Geräte abgesehen. „Dass dabei teure Spirituosen gestohlen werden ist nicht unüblich, allerdings sind es meist keine besonderen Weine.“

Im Fall des Einbruchs im Söl’ring Hof konnte die Sylter Kriminalpolizei gestern keine weiteren Ermittlungserfolge vermelden, Hinweise auf den oder die Täter gibt es bislang nicht.

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