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Strandgebühr auf Sylt : An der Kurtaxe führt kein Weg vorbei

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Urteil über die Wangerländer Strandgebühr hat für die Insel keine Folgen, denn die Kurabgabe wird schon beim Aufenthalt in den Gemeinden fällig.

„Strandgebühr unzulässig“ – das Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts weckte auch auf Sylt schon Hoffnungen von Badegästen. „Müssen wir jetzt am Strand nichts mehr bezahlen?“, fragten viele bei der Kurkartenkontrolle. In den Kurverwaltungen der Insel wurde das Gerichtsverfahren mit Interesse verfolgt. Doch nach einer ersten Bewertung heißt es: Auf Sylt ist das Urteil nicht übertragbar.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte am Mittwoch die Eintrittsgebühren für zwei Strände in der niedersächsischen Gemeinde Wangerland in Friesland für rechtswidrig erklärt. Eine Gebühr sei nur an solchen Abschnitten rechtens, an denen die Gemeinde etwa mit Kiosken, Umkleidekabinen und Toiletten für eine höhere Badequalität sorge, begründeten die Leipziger Richter ihre Entscheidung.

„Das Bundesverwaltungsgericht hat Strandbenutzungsgebühren nicht grundsätzlich abgelehnt“, erklärte Henning Sieverts vom Wenningstedter Tourismusservice. Die Gebühr sei aber nur dort zulässig, wo mit Duschen, Toiletten etc. auch zusätzlicher Service geboten werde. Auf Sylt lägen die Verhältnisse anders. „Wir erheben keine Strandbenutzungsgebühr, sondern haben eine Kurabgabenpflicht.“

Sylter Gäste müssten die Kurabgabe zahlen, sobald der Aufenthalt beginnt. Grundlage dafür sei das schleswig-holsteinische Kommunalabgabengesetz. In Paragraph 10 sieht es eine Kurabgabe vor, die ortsfremde Personen in Kur- und Erholungsorten zahlen müssen, wenn ihnen „die Möglichkeit zur Benutzung von öffentlichen Einrichtungen oder Teilnahme an Veranstaltungen geboten wird.“

Sylter Gäste müssen also prinzipiell nicht erst zahlen, wenn sie einen Strandübergang benutzen, sondern schon viel früher. Entweder sie entrichten die Kurtaxe schon bei der Ankunft an der Hotelrezeption oder beim Vermieter und erhalten eine Gästekarte, oder sie lösen eine Tagesgästekarte an den Strandübergängen.

Dabei sind die Preise für Tagesgästekarten in den fünf Inselgemeinden durchaus unterschiedlich, wie ein Blick in die Übersicht der Sylt Marketing Gesellschaft zeigt: In der Gemeinde Sylt sind es 4 Euro, in List, Kampen und Wenningstedt-Braderup 3,50 Euro und in Hörnum 3,30 Euro. Während der Tagessatz in List und Kampen ganzjährig gleich bleibt, kassieren Wenningstedt-Braderup, die Gemeinde Sylt und Hörnum in der Nebensaison ab 1. November nur den halben Betrag.

„Das Urteil wird für uns kaum zum tragen kommen“, sagt auch Hans-Uwe Claßen, bei der Gemeinde Sylt zuständig für die touristischen Abgaben. Die Strandbenutzungsgebühr sei in der Stadt Westerland 2004 abgeschafft worden, in Sylt-Ost und Rantum endete sie mit der Fusion im Jahr 2009. Seitdem gelte für das Gemeindegebiet die Kurabgabenpflicht. Und die wird an den Strandübergängen lediglich kontrolliert, genauso wie in der Sylter Welle oder im Syltness Center. Wer seinen Wohnsitz auf Sylt oder eine berufliche Tätigkeit auf der Insel nachweisen kann, muss nicht zahlen, also auch nicht Berufspendler oder die Teilnehmer eines Ärztekongresses.

Prinzipiell könnte die Kurabgabe schon am Bahnhof, am Flughafen oder an den Häfen kassiert werden – ähnlich wie auf Norderney, wo der Kurbeitrag schon bei der Anreise mit dem Schiff gezahlt werden muss. Bei einer Inselgemeinde wäre das auch auf Sylt möglich, aber nicht bei fünf Inselgemeinden.

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