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Suchttherapie auf Sylt : Ambulante Hilfe für Suchtkranke

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Das Beratungs- und Behandlungszentrum Sylt ist neu aufgestellt und bietet nun auch eine ambulante Suchttherapie an

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Westerland Das Beratungs- und Behandlungszentrum Sylt (BBZ) hat ein turbulentes Jahr hinter sich gebracht. Nun haben die Mitarbeiter im Kirchenweg 37 aber wieder eine Leiterin: Edda Willenbrock. Sie hat seit April die BBZ-Leitung übernommen und war langjährig in der stationären Suchttherapie tätig.

Mit ihr als Verstärkung gibt es die Suchtarbeit des BBZ ab sofort wieder im vollen Umfang und somit wird die ambulante Suchttherapie wieder angeboten. Diese Behandlung umfasst einen Zeitrahmen von zirka sechs bis neun Monaten mit 40 Behandlungseinheiten in Einzel- und Gruppengesprächen.

Auf die Vorteile geht die Leiterin ein.  „Es ist ein wichtiges Angebot für Menschen, die Arbeit und Familie haben.“ Wer eine stationäre Therapie macht, kann seiner Arbeit in diesem Zeitraum nicht weiter nachgehen und wird Familie, Verwandte und Freunde auch weniger sehen. Dies heißt jedoch nicht, dass die ambulante Suchttherapie für jeden Klienten passend ist. In individuellen Vorgesprächen wird festgestellt, welche Therapie am besten  für den jeweiligen Patienten ist, erklärt der Sozialpädagoge Lars Wittmeier. Er wird zusammen mit Willen-brock und der Sozialpädagogin und -therapeutin Uta Christophersen die ambulante Suchttherapie begleiten. Und  fachärztlich begleitet wird sie von Dr. Stefan Köhn.

Der Facharzt für Innere Medizin: „Die ambulante Behandlung hat den gleichen Stellenwert wie ein stationärer Aufenthalt.“ Jedoch macht Köhn darauf aufmerksam, dass diese Art der Therapie einen höheren Anspruch an die Klienten stellt. Denn anders als bei einem stationären Aufenthalt haben die Suchtkranken theoretisch Zugang zu  Suchtmitteln und müssen deshalb sehr diszipliniert sein. Ob die jeweiligen Personen diesem Anspruch gerecht werden können, würde auch in den Vorgesprächen geklärt. Bei diesem Gespräch erhalten die Klienten ausführliche Informationen über weiterführende Behandlungsmöglichkeiten. Und auch bei der Beantragung der Kostenübernahme werden sie unterstützt. Die Behandlungskosten werden von der Rentenversicherung oder den Krankenkassen getragen. Wenn 40 Behandlungseinheiten nicht ausreichen, werden die Anträge in der Regel verlängert, erklärt Wittmeier.

Unter Suchterkrankungen eines Familienangehörigen leiden insbesondere auch die Angehörigen. Daher bietet das BBZ für sie Gespräche an. Und für diejenigen, die auf eigenen Wunsch zu allen Süchten (Alkohol, Medikamente, illegale Drogen, Glücksspiel und Medien) beraten werden wollen, werden vertrauliche Gespräche angeboten.

Die ambulante Suchttherapie kann von Menschen mit allen anerkannten Süchten wahrgenommen werden. Jedoch sei der Alkohol das häufigste Suchtmittel, erläutert Kirsten Karberg, die bisher die kommissarische Leitung des BBZ inne hatte und dazu auch die Abteilungsleiterin des BBZ in Niebüll ist.

Im vergangenen Jahr nahmen über 200 Betroffene und Angehörige eine Suchtberatung in Anspruch. Nach Alkohol waren Heroin und Cannabis die häufigsten Suchtmittel. Den Mitarbeitern des BBZ ist es wichtig, dass ihre Angebote an die Öffentlichkeit gelangen, denn viele Betroffene kommen erst auf Druck des Arbeitgebers oder der Angehörigen, sagt Karberg. 

In diesem Zusammenhang macht Christophersen darauf aufmerksam, dass insbesondere diejenigen, die  für junge Menschen zuständig sind (Eltern, Lehrer und  Arbeitgeber) viel tun können. Wachsamkeit sei daher auch eine wichtige Hilfe – in der Suchtherapie und -prävention.

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