Alte Bilder zu aktuellen Fragen

Marion Bejschowetz und Dörte Ahrens vor dem Heimatmuseum. Auf Möllers Aufnahme gab es vor dem Gebäude einige Bäume.
Marion Bejschowetz und Dörte Ahrens vor dem Heimatmuseum. Auf Möllers Aufnahme gab es vor dem Gebäude einige Bäume.

Wie sehr hat sich die Insel in 100 Jahren verändert? Gute Eindrücke vermitteln die historische Sylt-Aufnahmen des Fotografen Theodor Möller, die ab Freitag im Heimatmuseum in Keitum zu sehen sind.

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19. März 2014, 06:00 Uhr

Wahnsinn, wie leer die Insel damals schien: Beim ersten Blick auf die Bilder, die der Fotograf und Heimatforscher Theodor Claus Heinrich Möller 1908 bis 1937 auf der Insel geschossen hat, überraschen vor allem die vielen freien Flächen,von denen beispielsweise die abgelichteten Friesenhäuser umgeben sind.

85 Sylt-Fotografien, die Günther Fielmann dem Keitumer Heimatmuseum geschenkt hat, werden ab dem kommenden Freitag im Heimatmuseum gezeigt. Gerade für Insulaner lohnt sich ein Besuch, können sie hier festgehalten sehen, wie stark sich ihre Insel innerhalb von ungefähr 100 Jahren verändert hat. Während sich die Zahl der Häuser bekanntlich erhöht hat, fehlt heute vieles, was auf seinen Werken noch zu entdecken ist: Großes, wie ganze Friesenhäuser, kleineres wie die Bäume, die einst vor dem Heimatmuseum standen. „Möller hat in ganz Schleswig-Holstein fotografiert, doch nirgends hat sich so viel verändert wie auf Sylt“, sagt Marion Bejschowetz, die Kuratorin der Ausstellung.

Ob der gebürtige Schleswig-Holsteiner Möller die Sylter Entwicklung gut geheißen hätte, ist zu bezweifeln: Als Kritiker der Moderne – der Industrialisierung, Technisierung, Urbanisierung – wollte er in seinen Werken die „unverdorbene“ Landschaft, das romantisierte Landleben zeigen. „Die Frage, die sich Möller und seine Mitstreiter in der Heimatschutzbewegung gestellt haben, ist für Sylt brandaktuell, das sieht man beispielsweise an der Aktion ’Rettet die Sylter’“, sagt Museumsleiterin Dörte Ahrens. „Auch heute stellt sich die Insel die Frage: Wie wollen wir leben?“ Wie sehr diese Frage für die Insulaner auch mit ihren Erinnerungen des „alten Sylts“ verbunden sind, hat Ahrens schon bei der Ausstellung zu C.P. Hansen erlebt: „Damals wie heute erleben sie dasselbe Spannungsfeld – zum einen sehen sie , wie sich ihr Lebensumfeld verändert, zum anderen sind sie selbst häufig Motor dieser Veränderungen.“

Eines hat Möller mit seinen Fotografien übrigens erreicht: Durch 7 000 Negative, die im Landesamt für Denkmalschutz lagern, liefert er den schleswig-holsteinschen Denkmalpflegern Argumentationsgrundlagen, mit denen einige seiner fotografierten Bauten so erhalten bleiben dürfen, wie sie waren.


Die Ausstellung „Theodor Möller. Sylt in alten Photographien“ wird am Freitag, 21. März, um 18 Uhr im Sylter Heimatmuseum eröffnet. Sie ist anschließend zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen, bis 31. März: Mi-Sa 12-16 Uhr, ab 1. April: Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa, So, feiertags 11-17 Uhr, weitere Infos unter Tel. 0 46 51/3 16 69 (Heimatmuseum).

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