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Serie: "Zurückgeblättert" : Als Tinnum seine Brücke bekam

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Serie „Zurückgeblättert“ geht es heute um Autobrücken, mysteriöse Unfälle und ein neues Kinderkurheim im Mai 1973

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert!“ lässt Autor Frank Deppe anhand von archivierten Zeitungsbänden die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Sylt im Mai 1973. Es gibt viel einzuweihen in diesen Tagen. Zum Beispiel die neue Tinnumer Autobrücke über die Gleise der Bahn. Mussten Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger hier zuvor an geschlossenen Bahnschranken bis zu einer halben Stunde (!) warten, können sie die Bahnstrecke jetzt problemlos passieren. 3,6 Millionen Mark kostete die Brücke, die auf Rammpfählen gegründet werden musste, um im Boden die fünf Meter tiefe Faulschlammschicht eines alten Priels zu überwinden.

Einweihung gefeiert wird auch in Westerland: Das Kinderkurheim der LVA Hamburg ist fertig. Verwaltungsleiter Egon Lentzsch begrüßt zahlreiche Gäste, die den 8,5 Millionen Mark teuren Neubau interessiert inspizieren. Dieser bietet bis zu 152 kurenden Kindern Platz. „Eine Heimat in der Fremde“, so der Militärdekan, soll das neu erbaute Soldatenheim in List für die Rekruten sein. Knapp zwei Millionen Mark investierte die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in das Bauprojekt an der Hafenstraße, mehr als zehn Jahre waren von den ersten Planungen bis zur Realisierung vergangen. Zwar kein Gebäude, aber dafür eine eigene Truppenfahne kann die in Westerland stationierte Marinefliegerlehrgruppe weihen. 600 Soldaten sind angetreten, als ein Admiral die feierliche Fahnenweihe vornehmen lässt. „Explosion in der Müllanlage“, titelt die Sylter Rundschau und berichtet, dass vermutlich ein Sprengkörper detoniert sei, der sich in der Mülllieferung eines Bundeswehrfahrzeugs befunden habe. Der – in der erst vor wenigen Monaten in Betrieb genommenen Anlage am Rantum-Becken – angerichtete Schaden ist beträchtlich: Eine Mauer stürzte ein, Fenster und Türen gingen zu Bruch. Bis die angereisten Sprengstoffexperten ihre Untersuchungen abgeschlossen haben, bleibt die gesamte Anlage geschlossen.

Ein mysteriöser Unfall beschäftigt derweil die Sylter Kripo: Ein in Westerland gestohlener Wagen taucht nach einigen Tagen wieder auf – überschlagen liegt er in Höhe der „Oase zur Sonne“ neben der Landstraße. Es finden sich Blutspuren, aber keine Verletzten. Zwei in der Nacht in die Nordseeklinik eingelieferte Männer sind der Tat höchst verdächtig, streiten diese aber ab: Sie seien angeblich vom Moped gestürzt. Blutproben sollen im Vergleich mit den Blutspuren am Unfallort Aufklärung geben. Ein Blick auf den Immobilienmarkt: Ein Makler offeriert in Archsum ein reetgedecktes Haus für 180 000 Mark und in Westerland eine Ein-Zimmer-Wohnung für 52 000 Mark. Ein anderes Immobilienbüro inseriert ein „reetgedecktes Eckhaus mit komfortabler Einrichtung im Prominenten-Wohnsitz Kampen“ für 340 000 Mark. Personalien: Gerd P. Werner wird in den Vorstand des „Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz“ gewählt. In Westerland bestimmt die Junge Union Jochen Zielinski zum Vorsitzenden und Wolfgang Jensen zu dessen Stellvertreter. Ein neues Amt bekommt auch Hans-Detlef Buchholz: Er löst Uwe Jens Lornsen als Chef des Sylter Ringreitercorps ab.

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