"Als Stellvertreter Gottes maßlos überfordert"

J.H. Hansen
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J.H. Hansen

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04. Februar 2009, 12:56 Uhr

Sylt | Bei der Weitergabe von Busabfahrtzeiten darf er sich irren. Geht es aber um Lehren über Glauben, Moral oder Sitte, dann besitzt der Papst "aufgrund des ihm verheißenen göttlichen Beistands" die Unfehlbarkeit. So wurde es sinngemäß beim Ersten Vatikanischen Konzil 1870 dogmatisch festgelegt und so gilt es in der katholischen Kirche bis heute. Nachdem Papst Benedikt XVI. jetzt aber das Ende der Verbannung für eine Bruderschaft verkündet hatte, in deren Reihen sich Holocaust-Leugner befinden, wird in hochrangigen Kreisen, an der Kirchenbasis und auch konfessionsübergreifend Kritik laut.

Birgitt Kirsch, Vorstandsmitglied der Sylter St. Christophorus-Gemeinde: "Nicht der Papst hat den Holocaust geleugnet, er hat nur die Exkommunikation des betroffenen Bischofs aufgehoben. Im übrigen kann jeder mündige Christ dazu seine eigene Meinung äußern."

Jon Hardon Hansen, Pastor der dänischen Gemeinde: "Die päpstliche Institution demontiert sich mit der Rehabilitierung von Holocaust-Leugnern selber. Ich hoffe, dass die Basis der katholischen Kirche daraus Konsequenzen zieht und die päpstliche Institution aufgelöst wird. Ich empfinde sie sowieso als Affront gegen meinen Glauben, weil sich der Papst als Stellvertreter Gottes auf Erden sieht und damit natürlich maßlos überfordert ist."

Susanne Zingel, evangelische Pastorin in Keitum: "Das Tragische ist, dass ich dem Papst zutraue, etwas Versöhnliches gewollt zu haben. Dabei leistet er jetzt aber Kräften Vorschub, die einen das Fürchten lehren. Wer an sich selbst den Anspruch der Unfehlbarkeit hat, darf einfach nicht so sehr daneben liegen. Es zeigt, dass dieser Anspruch eine völlige Überschätzung ist."

Ekkehard Schulz, Pastor in Morsum: "Die Forderung nach einem Rücktritt des Papstes ist in der katholischen Kirche ohne Aussicht auf Erfolg. Ich frage mich, was ihn dazu gebracht haben könnte, diese Entscheidung zu fällen. Ist er schlecht beraten worden oder bricht da doch ein Hardliner hervor? Es ist in jedem Falle eine unglückliche Entscheidung und ich tendiere zu der Meinung, dass er dabei wohl schlecht beraten war."

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