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Sylter Zeitgeschichte : Als sich der „Blanke Hans“ Eidum holte

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sturmfluten und ihre katastrophalen Folgen: In Folge 31 der Serie Sylter Zeitgeschichte geht es um den Untergang des sagenumwobenen Inselortes Eidum und anderen legendären Fluten, die Sylt im Laufe der Geschichte heim suchten.

Seit jeher muss die Insel sandigen Tribut zahlen – immer dann, wenn eine Sturmflut wieder ein Stück Küste raubt. Bevor sich die Menschen mit dem Bau von Deichen und durch das Bepflanzen der Dünen erstmals gegen das Meer zur Wehr setzten, waren die Landverluste oft gravierend. So soll Sylt allein im Zeitraum zwischen 1650 und 1850 zwei Fünftel seiner Größe eingebüßt haben.

Blistum, Wardin, Steidum oder Niebelum – alles Sylter Dorfnamen, die das Meer in den vergangenen Jahrhunderten von der Landkarte tilgte. Nur über die wenigsten versunkenen Ortschaften ist etwas bekannt. So liegt ein gutes Stück westlich des heutigen Wenningstedt das Dorf Alt-Wenningstedt auf dem Meeresgrund und mit ihm der Hafen, von dem einst eine Armada aufgebrochen sein soll, um England zu erobern.

Auch das heutige Rantum hatte gleich mehrere Vorgänger. Teils wurden sie Raub der Fluten, teils von dem Sand wandernder Dünen begraben. „Bisweilen“, notierte ein Chronist im 19. Jahrhundert, „spülen die Wogen etwas zum Vorschein oder aber es wird bei tiefer Ebbe sichtbar. Dann sieht man die Fundamente alter Kirchen und Brunnen, ja, man hat auch schon allerlei Gerät und alte Münzen gefunden.“

1841 vermerkte ein Geologe: „Die Stelle, wo vor kaum 50 Jahren die alte Rantumer Kirche stand, befindet sich jetzt gegen 700 Fuß vom Ufer entfernt.“ Viele Jahre später, Anno 1922, berichtete ein Dünenpflanzer, er habe „bei tiefster Ebbe weit draußen einen Brunnen von etwa zwei Metern Durchmesser entdeckt“.

Das bekannteste versunkene Sylter Dorf indes hieß Eidum. Die Zeichen standen auf Sturm an jenem klammen Herbsttag des Jahres 1436. Immer höher peitschten die Winde die Wogen, unaufhörlich stieg die Flut und fraß die Ufer. An der Westküste rafften die Bewohner des Sylter Hauptdorfes Eidum eilig ihr Hab und Gut zusammen und flüchteten ins Inselinnere. Hinter ihnen bemächtigte sich schon der „Blanke Hans“ des Dorfes und ließ die Mauern bröckeln. So begründete vor bald 600 Jahren eine Naturkatastrophe die Geburtsstunde des heutigen Westerland.

Schon mehrfach war Eidum durch Sturmfluten zerstört, aber stets wieder aufgebaut. worden. Die „Allerheiligenflut“ am 1. November 1436 jedoch spülte das Dorf endgültig hinweg.

Die Überlebenden bauten einige Kilometer nordöstlich eine neue Siedlung, aus der das heutige Westerland keimte. Als dort später die Dorfkirche Sankt Niels errichtet wurde, sollen einige angespülte Sockelsteine der versunkenen Eidumer Kirche Verwendung gefunden haben. Und noch im 19. Jahrhundert tauchte Eidum bei tiefer Ebbe gelegentlich auf, wenn das ablaufende Meer die alten Siedlungsreste frei legte.

Vom Untergang Eidums indes ist nur wenig überliefert. Chronisten berichteten, dass am 1. November 1436 „um Mitternacht eine schwere Flut ging“. Hans Kielholt, Sohn eines Sylter Pastors, notierte: „Ach und wehe und jämmerlich ist zu beklagen, dass viel Volk ertrunken und das schöne Land ganz mit Wasser überlaufen ist.“

Mit dem Untergang Eidums verbunden war eine dunkle Prophezeiung, die da lautete: „Wenn alle Machthaber der Erde hin und her untereinander Krieg und Aufruhr beginnen und die Eidum-Kirche wegen der See und des Sandes weiter nach Osten versetzt worden ist, dann wird in der Welt ein seltsamer und wunderlicher Glaube aufkommen unter den Menschen.

Da wird der eine Nachbar um des Glaubens willen mit dem anderen streiten, und die Diener Gottes müssen aus dem Lande fliehen. Man wird von den Eltern fort in ferne Lande reisen und nicht mehr zu den Seinigen zurückkehren. Wehe dem, der diese Zeit erlebt. Wenn solches geschieht, dann ist gewiss das Ende und das Jüngste Gericht nicht mehr weit.“

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erstellt am 28.Aug.2013 | 14:02 Uhr

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