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Alte Osterbräuche auf Sylt : Als am Kliff noch Eier geworfen wurden

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Österliche Traditionen auf dem Eiland: Während Eierwerfen und Co. ausgestorben sind, finden sich neue Insel-Bräuche.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 06:00 Uhr

„Vom Eise befreit sind Strände und Meer durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Dünentale grünet Hoffnungsglück.“ So könnte man jetzt auf Sylt frei nach Goethes „Osterspaziergang“ dichten. Nicht nur die Natur, auch die Ortschaften haben sich pünktlich zum ersten großen Gästeansturm des Jahres heraus geputzt. Doch wie steht es um österliche Traditionen – sind diese noch ebenso existent wie etwa das Biikebrennen, der Jöölboom zu Weihnachtsfest oder das Maskenlaufen zu Silvester?

Osterfeuer, Ostereierlauf, österliche Jazz-Frühschoppen – jung an Tradition sind diese Veranstaltungen auf Sylt, während ältere Bräuche inzwischen längst ausgestorben sind. Etwa das Eierwerfen und Eierstoßen, dass die Kinder früher Ostersonntag und Ostermontag gern auf den Wiesen spielten. Beim Eierwerfen gewann das Ei, dessen Schale am stabilsten blieb. Dieser Brauch hatte sich noch bis vor wenigen Jahrzehnten am Keitumer Kliff erhalten. Ähnlich wie beim Eierwerfen verlief das Procedere beim Eierstoßen, bei dem man die Spitzen der Eier gegeneinander stieß. Auch hier gewann der Besitzer des Eis, dessen Schale am widerstandsfähigsten blieb.

Was überraschen mag: „Das Verstecken von Ostereiern“, notierte ein Sylter Chronist, „war auf Sylt früher nie üblich.“ Stattdessen besuchten die Sylter Kinder im 19. Jahrhundert am Morgen des Ostersonntags ihre Verwandten und erbaten mit dem Gruß „Guten Morgen, fröhliche Ostern!“ bunte Eier und Kuchen. Die Kuchen wurden schon nachmittags, die Eier am Abend verspeist. Das Ei, Sinnbild für Ostern, spielte auf Sylt im übrigen auch im Rest des Jahres eine Rolle: Symbolisch wurde bei einer Geburt die Mutter mit Eiern beschenkt, die als Zeichen für das künftige Wohlergehen des Kindes galten.

 

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