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Sylter Dschungelcamp-Umfrage : Alle reden darüber, keiner will es gesehen haben

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ hat jeden Tag über acht Millionen Zuschauer – da müsste doch auch der eine oder andere Insulaner dabei sein? Eine Umfrage unter Syltern.

Man kann davon halten, was man will – aber RTLs Reality-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ist in Deutschland überaus erfolgreich. Regelmäßig knackt die Fernsehsendung, die seit zwei Wochen jeden Abend über die Bildschirme flimmert, die Acht-Millionen-Zuschauer-Marke. Morgen läuft das Finale ab 22.15 Uhr – Grund genug, auch einmal auf Sylt nachzufragen, wer hier das Dschungelcamp verfolgt. Das Ergebnis ähnelt dem Phänomen Bild-Zeitung: Keiner liest sie, aber jeder weiß, was drin steht. Auch von den Kandidaten unserer nicht-repräsentativen Umfrage hat fast jeder das Dschungelcamp schon einmal gesehen – aber nur zwei von ihnen bekennen sich offen dazu, echte Dschungelcamp-Fans zu sein.

 

Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt:

Ich gucke das Dschungelcamp nicht – mir ist das zu blöd und banal. Ich habe vor einer Woche einmal reingeschaut, da beschimpften die Moderatoren gerade das Publikum: Es solle doch Erbarmen mit einer jungen Frau haben und sie endlich hinauswählen. Dass so viele Leute das gucken, kann ich mir nur dadurch erklären, dass sie Spaß daran haben, mit Schadenfreue zuzusehen, wie die Kandidaten Würmer essen müssen oder was die sonst so tun. Das ist die Lust an Klatsch und Tratsch.

 

Martin Seemann, Inselbaumeister:

Wenn ich aus Versehen in die Sendung zappe, schaue ich es mir 15 Sekunden an – bis ich feststelle, dass es sich ums Dschungelcamp handelt. Dann schalte ich schnell weiter. Ich bin einfach aus dem Alter raus. Und: Sich über andere lustig zu machen, ist einfach nicht meine Welt. Es wird ja auch immer gesagt, die Leute im Dschungelcamp seien Prominente – aber ich kenne da keinen.

 

Natascha Süß, Veranstaltungsleiterin, Wenningstedt:

Ich gebe zu, dass ich das Dschungelcamp gucke. Laut Bild-Zeitung ist das Thema ja jetzt gesellschaftsfähig. Wenn man momentan mitreden will, muss man das gucken – und ich amüsiere mich auch darüber – ich stehe auf diesen Zickenterror. Als Dschungelkönigin wünsche ich mir Melanie Müller – sie zieht das durch, ohne zu jammern und macht alles mit. Das gehört auch dazu, denn wenn man sich entscheidet, so etwas für viel Geld zu machen, dann kann man auch nicht einfach nur dasitzen und heulen.

 

Boris Ziegler, Tourismusdirektor List:

Ab und zu, wenn ich durchzappe, bleibe ich beim Dschungelcamp hängen. Es ist aber nicht so spannend, dass ich es regelmäßig gucken würde. Ich verfolge aber in der Zeitung die Schlagzeilen zum Dschungelcamp und wundere mich immer darüber, wie jemand sich freiwillig so erniedrigen kann. Die sogenannten Prominenten wollen damit ihren Namen wieder ins Spiel bringen – aber ich weiß nicht, ob da das Dschungelcamp wirklich die geeignete Maßnahme ist. Es ist letztlich eine Art Seelenstriptease – und das ist wohl auch der Grund, warum das so viele gucken. Schadenfreude ist ja oft die schönste Freude. Als Dschungel-Königin tippe ich auf Larissa. Sie ist die einzige, die mir im Kopf geblieben ist.

 

Gonde Detlefsen, Leiterin des Schulzentrums Sylt:

Das Dschungelcamp habe ich mal beim Fernsehabend mit meiner Tochter gesehen und fand es – befremdlich. Viele Leute reizt aber bestimmt die Interaktion einer Gruppe in Extremsituationen. Da kommt es ja wahrscheinlich oft zu Gefühlsausbrüchen – das ist der klassische Voyeurismus.

 

Hans-Peter Feldt, Leiter der Grundschule St. Nicolai:

Ich gucke das Dschungelcamp überhaupt nicht. Ich habe die allererste Folge gesehen – aber das hat sich ja inzwischen total totgelaufen. Ich weiß auch nicht, warum man das wiederholen muss. Ob meine Schüler das gucken, weiß ich nicht – das liegt außerhalb meines Einflussbereichs. Das Dschungelcamp ist nicht unbedingt jugendverderblich, aber es gibt sicherlich auch bessere Sendungen im Fernsehen.

 

Ekkehard Schulz, Morsumer Pastor:

Für mich ist das gar kein Thema – es interessiert mich nicht im geringsten. Auch in meiner Gemeinde redet keiner über das Dschungelcamp, soweit ich das weiß. Es ist schade, dass so viele Leute ihre Zeit damit verschwenden.

 

Michael Stitz, Chefredakteur sh:z Medienhaus Sylt:

Ja, ich sehe das Dschungelcamp regelmäßig. Der Grund: Es ist eine emotional mitreißende Show von Selbstdarstellern, deren Rollenkonzepte in jeder neuen Folge auf die Probe gestellt werden. Einmal eingeschaltet, will man wissen, wie sich die Camper durch den Ekel- und Seelen-Dschungel schlagen. Es ist eine unterhaltsame Spiel- und Psycho-Show auf großartigem Humor-Niveau, mit super witzigen Moderationen von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, beziehungsweise ihres genialen Gag-Schreibers Micky Beisenherz.

So weit weg von den Zuschauern sind ja weder die Charaktere noch ihre Gedanken und Gefühle. Die Gruppendynamik im Dschungel sorgt für die kamerabegleitete Offenbarung menschlicher Schwächen, Stärken und Lächerlichkeiten. Ein herrlich gefahrloser Voyeurismus, eine geniale Zusammensetzung des Camps mit öffentlichkeitsgeilen Semi-Promis, die Geld und/oder Aufmerksamkeit brauchen, um ihren Job und ihre Existenz zu sichern. Brillant – und wahrlich kein Trash-TV!

Wenn Larissa nicht heute Nacht rausfliegt, dann wird sie Dschungelkönigin. Und das zu recht. Ihre Rolle hat sie bravourös gespielt. Eine taffe Frau mit Mut, Courage und Ausstrahlung.

 

Nadine Tiek, vom Blumengeschäft Blumen Insel:

Ich gucke das Dschungelcamp ab und zu zum Einschlafen. Es interessiert mich nicht, was da abgeht, ich habe die Sendung auch noch nie zu Ende geguckt, sondern habe immer den Timer gestellt und bin dann eingeschlafen.

 

 




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erstellt am 31.Jan.2014 | 19:05 Uhr

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