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Alexandra im Friesensaal: Lieder von Hoffen und Bangen

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Karin Rose präsentierte im Keitumer Friesensaal das Werk der auf dem Weg nach Sylt verstorbenen Sängerin Alexandra - und begeisterte das Publikum

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Keitum | Heimfahrt vom Keitumer Friesensaal durch die Sylter Nacht. Die Akkordeonmusik und Gitarrenklänge, vor allem aber der Gesang Karin Roses mit ihrer Interpretation von Liedern der unvergessenen Alexandra wollen einem an diesem späten Abend des Pfingstsonnabend nicht aus dem Kopf gehen.

Zweimal innerhalb weniger Wochen stand die legendäre Sängerin auf dem heimischen Kulturkalender. Es scheint, als wolle die 1969 auf dem Weg nach Sylt tödlich Verunglückte die Insel noch posthum mit ihren Klängen erobern. Nach dem Musical "Alexandra" (mit Jasmin Wagner) gastierte jetzt die Kölner Sängerin Karin Rose im Kulturhaus Sylt. Von Gerhard Lewandowski mit Klavier-, Gitarren- und Akkordeonspiel begleitete.

"Es gibt nichts Spannenderes, als zwei Künstler im direkten Vergleich zu erleben," so Stefan Hartmann bei seiner Begrüßung. Das aufmerksam lauschende Publikum schien diesen Anreiz aufgegriffen und sich nach den ersten Liedbeiträgen bereits entschieden zu haben. Öffnete es sich doch mehr und mehr dem melancholisch anmutenden Sound durch rhythmische Bewegungen, leises Mitsingen, gar durch vereinzelten Tanz. Und natürlich immer wieder durch kräftigen Applaus.

Der äußere Rahmen des in Kerzenlicht getauchten Saales schien das alles zusätzlich zu begünstigen. Und verlockte beim Gesang, unwillkürlich die Augen zu schließen, um sich ganz und gar der Musik (aber auch dem Anspruch der keineswegs "flachen" Texte) hinzugeben. Da war dann plötzlich nur noch diese rauchig-melodische Stimme. Die einzelne Vokale modulierte, den Text mal stakkatohaft hervor stieß, um ihn dann wieder weich und sanft zu Gehör zu bringen. So schien, zumindest für illusorische Augenblicke, mit Liedern wie "Akkordeon" oder "Zigeunerjunge" eine Legende auf der heimischen Bühne wiedererstanden zu sein. Bis die geöffneten Augen den Weg zurück in die Realität wiesen. Hilfreich für das Publikum: Hinweise zum Lebenserfolg und Lebensleid Alexandras, die die Künstler (passend dosiert) wechselseitig vermittelten. Und dabei oftmals Bezüge zu den folgenden Liedern herstellten. So gaben Hits vergangener Tage wie "Sehnsucht" oder "Mein Freund, der Baum" Einblicke in das von Hoffen und Bangen geprägte Leben der Künstlerin. Sie wäre in diesem Monat 71 Jahre geworden.

"Kurz war das Glück" klang es gleich zu Konzertbeginn aus einem ihrer Lieder, das sie selbst geschrieben hatte. Und das man aus heutiger Sicht nur als unheilvolles Omen verstehen mag. In Keitum aber beendeten Zugaben und immer wieder starker Applaus einen (zeitlich) zwar absehbaren, in jeder Beziehung aber geglückten und erfüllten Abend.

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