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Mietvertrag gekündigt : Aids-Hilfe auf Wohnungssuche

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach über zehn Jahren verliert die Aids-Hilfe Sylt ihre Räumlichkeiten. Wenn sich nicht schnell eine Alternative findet, droht die Auflösung des Vereins.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 06:10 Uhr

Seit über zehn Jahren ist die Aids-Hilfe Sylt in einem alten Friesenhaus, direkt an der Keitumer Chaussee untergebracht. Jetzt müssen die ehrenamtliche Vorsitzende Elke Wenning und die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen die rund 30 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Erdgeschoss bis Ende Juni räumen; damit droht die Auflösung des Vereins. „Das ist wirklich schade“, sagt Elke Wenning, „wir sind bereits seit 20 Jahren hier und haben uns zu einer richtigen Institution entwickelt.“ Der ursprüngliche Vermieter des Hauses war ein guter Bekannter von Wenning und vermietete ihr die Räume für die Aids-Hilfe „zu sehr günstigen Konditionen“, wie sie erklärt.

Als der Vermieter vor rund zwei Jahren das Haus verkaufte, gab er Wenning die mündliche Zusage, die Aids-Hilfe könne in den Räumlichkeiten bleiben. Am 3. April jedoch kam jetzt die Kündigung vom neuen Eigentümer – „ohne Angabe von Gründen, da es sich hier um eine gewerblich genutzte Wohnung handelt.“ Allerdings bot der Vermieter der Aids-Hilfe eine Alternative an: „Wir können eine Wohnung im ersten Stock beziehen, aber die ist nur 12 Quadratmeter groß und hat auch noch extreme Schrägen. Sobald man zu zweit ist, ist die Wohnung zu klein – und beraten kann man dort erst recht niemanden“, erzählt Wenning. Jetzt ist die Aids-Hilfe auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Aber das ist nicht einfach – zumal die Zeit drängt und die Kosten nicht zu hoch sein dürfen. „Alle glauben immer, wegen der Aids-Gala seien wir ein unglaublich reicher Verein“, sagt die Vorsitzende, „aber das Geld, das wir mit der Gala einnehmen, reicht gerade einmal, um die zwei Monate zu überbrücken, die wir nicht mehr mit den Mitteln des Landes finanzieren können.“

Wie es jetzt mit der Aids-Hilfe weitergeht, wenn keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden werden, weiß Elke Wenning selber noch nicht so genau. „Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich dann überhaupt weiter mache. Schließlich mache ich das alles hier ehrenamtlich und es kostet sehr viel Zeit und Aufwand.“ Andererseits fühlt sie sich auch ihren Mitarbeitern und den Menschen verpflichtet, die die Unterstützung der Aids-Hilfe brauchen. „Da rufen Menschen aus ganz Deutschland an“, erklärt Dagmar Prott, die für die Büroarbeiten in der Aids-Hilfe zuständig ist. „Die Krankheit ist aus der Schmuddel-Ecke immer noch nicht heraus – viele Menschen trauen sich nicht, zur Anlaufstelle bei ihnen vor Ort zu kommen und rufen dann hier an.“

Auf Sylt hingegen gehe man noch verhältnismäßig offen mit den Themen Aids um. „Aber sobald wir aufs Festland kommen, sind die Ängste und Vorurteile wieder da“, sagt Elke Wenning, „selbst an unsere Informationsstände trauen sich viele Menschen nicht, weil sie Aids mit etwas Unanständigem verbinden.“

Die Aids-Hilfe Sylt ist nämlich nicht nur für die Insel, sondern für ganz Nordfriesland zuständig. Zu ihren Aufgaben gehört neben der Betreuung der Betroffenen auch die Aufklärung – vor allem an Schulen. Die Sozialpädagogin Katrin Samulowitz, die als zweite Hauptamtliche für die Aids-Hilfe arbeitet, geht an die Schulen im Kreis, organisiert Projektwochen und nimmt mit den Jugendlichen an Wettbewerben teil.

„Wenn wir das Thema nicht an die Schulen bringen, wird es dort überhaupt nicht behandelt – HIV und Aids stehen nicht mehr auf dem Lehrplan“, erklärt Elke Wenning. Dabei nehmen die Aids-Neuerkrankungen seit zwei Jahren in Deutschland wieder zu. „Die Jugendlichen wissen nicht mehr genug über Verhütung und die Risiken von ungeschütztem Sex. Das sieht man auch daran, dass die Zahl der Schwangerschaften bei Minderjährigen steigt“, so die Vereinsvorsitzende.

Aus all diesen Gründen will Elke Wenning eigentlich unbedingt die Aids-Hilfe am Leben erhalten. Um eine Anlaufstelle für das Thema Aids und HIV in ganz Nordfriesland sein zu können, benötigt die Aids-Hilfe Sylt jedoch geeignete Räumlichkeiten, wie die engagierte Insulanerin noch einmal betont: „Wir hoffen, dass wir Unterstützung von Seiten der Insulaner bekommen. Hier auf der Insel kennt man uns und schätzt unsere Arbeit – das sieht man alleine daran, welchen Stellenwert die Aids-Gala hat.“

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