Sylter wurde 108 Jahre alt : Ältester Mann Deutschlands gestorben

Bernhard Prott wurde 108 Jahre alt. Foto: Deppe
Bernhard Prott wurde 108 Jahre alt. Foto: Deppe

Der älteste deutsche Mann, der Sylter Bernhard Prott, ist mit 108 Jahren gestorben. Er war einer der Arbeiter, die den Hindenburgdamm zur Nordseeinsel gebaut hatten.

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25. Juli 2013, 12:38 Uhr

Sylt | Als Bernhard Prott das Licht der Welt erblickte, wurde just Puccinis Oper "Madame Butterfly" uraufgeführt, die Trasse der Transsibirischen Eisenbahn fertig gestellt und mit dem Bau des Panamakanals begonnen. Im hochbetagten Alter von 108 Jahren ist in der vergangenen Woche der älteste Sylter und zugleich der älteste Mann Deutschlands verstorben.
Bernhard Prott musste in jungen Jahren entbehrungsreiche Zeiten überstehen. Der Vater war früh verstorben, die Familie lebte in Archsum von einer kümmerlichen Landwirtschaft. Nach der Konfirmation verdingte sich der Archsumer auf dem nahen Festland auf verschiedenen Bauernhöfen, bevor er 1926 beim Bau des Hindenburgdamms mit Hand anlegte und bei der Damm-Einweihung den Reichspräsidenten begrüßen durfte.

Bau am Hindenburgdamm

Vor einem Jahr erzählte er dem sh:z von seiner Arbeit beim Bau des Hindenburgdamms, der seit 1927 die Nordseeinsel Sylt mit dem Festland verbindet. Bei Wind und Wetter radelte er damals täglich zur Sylter Ostspitze, um für 50 Pfennig Stundenlohn an dem Damm zu arbeiten. Im Interview 2012 erinnerte er sich: "Wir haben die Böschung aufgeschüttet, alles nur mit der Schaufel." Eine wahre Plackerei, "aber wir waren ja jung und kräftig".
Als Soldat wurde Prott im Zweiten Weltkrieg nach Russland abkommandiert und dort von Partisanen angeschossen. Wieder nach Sylt zurück gekehrt, bewirtschaftete er mit seiner Ehefrau den heimischen Bauernhof in Archsum, bevor er sich 1969 aufs Altenteil verabschiedete.
Protts große Passion war das Ringreiten: 15 Jahre stand er dem Archsumer Ringreiterverein als Hauptmann vor, drei Mal wurde er König - und blickte auf eine 92-jährige (Ehren-)Mitgliedschaft in dem Verein zurück. Während das Geh- und Sehvermögen zuletzt stark nachließen, hörte der Senior sehr gerne Radio und interessierte sich vor allem für Politik. Am kommenden Montag wird Bernhard Prott auf dem Keitumer Friedhof beigesetzt. Er hinterlässt eine Tochter, einen Sohn, vier Enkel und fünf Urenkel.

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