Fährunglück vor Amrum : Adler-Schiffe: „Es war eine unglückliche Situation“

Die MS „Adler-Express“
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Die MS „Adler-Express“.

Nach dem Schiffsunglück bei Amrum: Juliane Peter, Pressesprecherin der Adler-Reederei, spricht im Interview über die Ursachen des Unfalls.

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06. Juni 2014, 04:45 Uhr

Nach dem schweren Schiffsunglück der MS „Adler-Express“ am Mittwoch am Anleger in Wittdün auf Amrum, bei dem 27 Passagiere teils schwer wurden, gibt es gute Nachrichten aus dem Krankenhaus: Die zwei Patienten, die in Lebensgefahr schwebten, konnten auf die Normalstation verlegt werden und sind auf dem Weg der Genesung. Im Interview erklärt die Pressesprecherin der Reederei Adler-Schiffe, Juliane Peter, dass alle Sicherheitsstandards eingehalten wurden und die Untersuchung durch Fachleute an der Fähre selber abgeschlossen seien.

Frau Peter, nach all den schlimmen Meldungen ist das doch eine richtig gute Nachricht, dass die beiden Verletzten, die erst in Lebensgefahr schwebten, jetzt auf dem Weg der Besserung sind. Wann haben Sie die guten Neuigkeiten gehört?

Juliane Peter: Ja, das sind sehr beruhigende Nachrichten. Ich habe mit einem Polizeisprecher Donnerstag früh gesprochen, der sagte, dass die beiden ansprechbar seien.

Wie geht es der Schiffscrew und dem Kapitän? Von ihnen war keiner unter den Verletzten, richtig?

Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut. Sie sind natürlich sehr betroffen, wie auch die anderen Mitarbeiter der Reederei. Ihre vorrangigste Aufgabe war gestern den Passagieren zu helfen, darin sind sie auch geschult. Der Kapitän, der erste Offizier und die beiden Maschinisten sind involviert in die Ursachenforschung, wie es zu dem technischen Defekt kam und sind derzeit in Husum.

Die „Adler-Express“ war ja nach der Havarie noch fahrtüchtig und fuhr in die Husumer HDR-Werft, wo sie gestern von Mitarbeitern der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, sowie der Wasserschutzpolizei und des Germanischen Lloyds untersucht wurde. Gibt es schon ein Ergebnis?

Ja, es war ein technischer Defekt. Der Joystick für die Steuerung der Antriebe hat falsche Signale gegeben. Ein Fehler am so genannten Potentiometer war die Ursache dafür. Wie schon berichtet wurde, führt der Ausfall dazu, dass das Schiff nicht gelenkt und gebremst werden konnte.

Nach so einem Unfall kommt ja ganz schnell die Frage auf, ob alle Sicherheitsstandards, alle Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. Wie ist das in diesem Fall?

Die „Adler-Express“ ist Mitte letzten Jahres turnusmäßig von der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehr, quasi dem Schiffs-TÜV, geprüft worden und hat alle erforderlichen Sicherheitsstandards nachweisen können. Die nächste Überprüfung hätte jetzt im Juni oder Juli stattgefunden. Die ebenfalls notwendige Klassifizierung des Germanischen Lloyd fand im Februar statt – ohne Beanstandung.

Was passiert jetzt mit der „Adler-Express“?

Im Austausch mit der Herstellerfirma wird jetzt eine genaue Analyse des defekten Teils durchgeführt. Das Bauteil wird erneuert und dann im Schiffsbetrieb getestet. Die Reparatur des Vorschiffes der Adler-Express wird schätzungsweise vier bis fünf Tage dauern.

Um nochmal auf den Unfall zurückzukommen: Wie zufrieden war die Reederei mit dem Ablauf der Rettungsaktion?

Sehr zufrieden und wir sind sehr dankbar, dass alles so reibungslos funktioniert hat. Alle Rettungskräfte die beteiligt waren, haben professionell, schnell und Hand in Hand gearbeitet. Das war sehr, sehr gut und dafür möchten wir uns noch einmal bei allen Beteiligten herzlich bedanken.

Wie sollten sich Passagiere verhalten bei einem Anlegemanöver? Es ist ja Mittwoch auch deshalb so viel passiert, da viele der Reisenden auf dem Deck standen und durch den Aufprall stürzten.

Es gibt keine Anschnallpflicht auf Schiffen, so wie in Linienbussen auch nicht. Jeder kann sich auf dem Schiff frei bewegen. Es war eine unglückliche Situation.

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