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Sylter Rundschau

23. November 2017 | 17:53 Uhr

Achtung! Zähfließender Verkehr

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

von
erstellt am 17.Apr.2014 | 09:30 Uhr

Ich möchte mal sagen: die Tore zur Insel wurden geöffnet, der Einlass hat begonnen. Ein knackevoller Autozug nach dem nächsten trifft in Westerland ein. Noch vor ein paar Tagen habe ich mit dem Auto von hier nach Morsum 10 Minuten benötigt, ab jetzt kann ich mal geschmeidig die doppelte Fahrtzeit einkalkulieren - wenn die Schranken nicht noch einen zusätzlichen Strich durch meine Zeitrechnung machen.

Hätte ich auf Sylt ne Radiosendung, würden die Stau-Durchsagen ab sofort halbstündlich mindestens fünf Minuten in Anspruch nehmen. „Der Verkehrsfunk exklusiv für die Insel Sylt mit dem täglichen Oster-Stau-Streß: es stockt wie immer auf dem Lorenz de Hahn-Weg bzw. Trift stadteinwärts. Planen Sie hier mindestens 10 Minuten Wartezeit ein. Leider gibt’s keine Umleitungsempfehlung. Achtung: auch die Strasse Am Gaadt ist bereits dicht. Stau auch auf der L24 stadtauswärts Richtung Wenningstedt. Unsere Echtzeitmessung besagt, dass Sie aktuell mindesten ne halbe Stunde von Westerland nach Kampen benötigen. Und: folgende Parkplätze melden „nix-geht-mehr“: Sansibar in Rantum, der Aldi-Parkplatz in Tinnum sowie die Gosch Parkplätze in Wenningstedt und List. Reisen Sie am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit ´nem Rad oder zu Fuß an.“

Ich habe mir vorgenommen, mein Auto über Ostern komplett stehen zu lassen und nur Fahrrad zu fahren. Wobei ich mir dessen bewusst bin, dass noch mindestens ca. 763 andere Urlauber auf diese patente Idee gekommen sind. Falsch. Es werden sogar noch mehr sein, nach der vielversprechenden Wettervorhersage für die Ostertage.

Ich habe eh das Gefühl, dass auf Sylt das Fahrrad das neue Auto ist. Und zwar spätestens seit der Existenz der batteriebetriebenen Räder. Jetzt kann wirklich jeder Radfahren und das auch noch bei jedem Wetter. Acht Windstärken? Kein Problem. Motor an und los! Na ja, und ab und an mal ein bisschen für’s Gewissen in die Pedale treten. Schließlich müssen die Waffel mit Roter Grütze und Sahne sowie die zwei Kugeln Leysieffer-Eis mit Schokosoße vom Vortag auch irgendwie wieder runter von den Rippen.

Ich finde, die Radfahrwege sind inzwischen fast noch befahrener, als die Straßen. Besonders fällt es mir auf dem Radweg hinter den Dünen von Westerland bis hoch nach List auf. Da geht’s mittlerweile zu, wie auf ´ner dreispurigen Autobahn. Man muss aufpassen wie ein Schießhund, damit man keinen Abgang vom Drahtesel macht. Besonders hinter dem Parkplatz zur „Seenot“. Da ist der Weg nicht nur eng, sondern auch kurvig und dadurch schwer einsehbar. Aber, kein Hindernis für die „Immer-Überholer“. Zack, ausholen zum Überholvorgang, gefühlte drei Zentimeter am „Hindernis“ (also an mir) vorbeiheizen und ganz knapp davor wieder einfädeln. Ob ich dabei womöglich fast in die Heckenrosen stürze spielt überhaupt keine Rolle.

Gern genommen sind auch die „Nebeneinanderfahrer“. Sie radeln gemütlich quatschend nebeneinander und schauen sich dabei an. Heißt im Umkehrschluss: man sollte als entgegenkommende Fahrer bereits 100 Meter vorher mit dem Klingeln beginnen. Erst reagieren die Nebeneinanderfahrer nämlich nicht, da sie sich schlicht und ergreifend nicht angesprochen fühlen, dann realisieren sie, dass es eventuell zu eng für drei Räder nebeneinander werden KÖNNTE, dann haben Sie begriffen, dass es definitiv zu eng zu dritt WIRD und dann beginnt einer der beiden in letzter Sekunde in die Eisen zu gehen.

Und wo wir gerade bei Radfahr-Typen sind, dürfen die „Tour-de-France-Radler“ natürlich nicht unerwähnt bleiben. Genau, das sind die Sportfreunde, die bisher nur auf Mallorca unterwegs waren . Die, die allesamt Jan Ullrich zum Verwechseln ähnlich sehen. Die bringen jeden Autofahrer zur Weißglut, da sie lieber auf der Straße statt auf’m Fahrradweg fahren. Ansonsten gibt’s noch die „Tagträumer“ (sie gucken verträumt nach links und rechts, aber nicht nach vorne) und es gibt schließlich die Eltern, die ihren dreijährigen Sprösslingen gerne das Radfahrern beibringen möchten. An Ostern. Auf dem Fahrradweg.

...und es gibt mich, den „Hoffentlich-passiert-Nichts“-Typen. Übrigens ab jetzt mit Fahrradhelm!

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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