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Nachruf auf Maike Ossenbrüggen : Abschied von einer typischen Friesin

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sylter Heimatverein trauert: In der Nacht zu Montag starb dessen Vorsitzende Maike Ossenbrüggen nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren. Die Insel verliert eine der letzten typischen Friesinnen.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Zehn Jahre lang war sie das Herz der „Vereinigung aller Sylter“, wie Maike Ossenbrüggen den Heimatverein Söl’ring Foriining gerne titulierte. In der Nacht zu Montag hat dieses Herz im Alter von 74 Jahren aufgehört zu schlagen. Am Ende siegte die Krankheit über den Kampf und die bewundernswerte Haltung der gebürtigen Keitumerin. Stolz, Geradlinigkeit und Warmherzigkeit waren vielleicht die drei herausragenden von vielen Eigenschaften der leidenschaftlichen Friesin, die seit Sommer 2003 zu dem Führungstrio gehörte, das den Heimatverein nach schwierigen Jahren voller Elan in das zweite Jahrhundert seines Bestehens geführt hat.

Die traditionsbewusste Sylterin (Zitat: „Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, woher man kommt, um zu erkennen, wohin man möchte“) setzte damit eine Familientradition fort. Stand doch ihr Bruder, der legendäre Claus Andersen (Claus Doktor), dem Verein von 1968 bis 76 vor. Für den Erhalt ihrer Muttersprache, des Sylterfriesischen, und der friesischen Traditionen setzte sich die Jüngste von vier Geschwistern schon lange vor 2003 ein. 1968 wurde sie Mitglied des heutigen Brauchtumsausschusses, dessen Vorsitz sie 1978 übernahm. Sie brachte das Marionettenspiel in den Verein, gründete 1980 die Kindertrachtentanzgruppe und fungierte viele Jahre als Skulmaster (Schulmeister) für die Friesisch-Sprachkurse. Mit Witz und Warmherzigkeit versuchte sie so, das an Kinder und Erwachsene weiterzugeben, was sich der Heimatverein seit einigen Jahren als „Sylter Identität“ auf die Fahne geschrieben hat. Bereits 1985 wurde Maike Ossenbrüggen für ihr kulturelles Engagement als bislang jüngste Preisträgerin mit dem C.-P.-Hansen-Preis ausgezeichnet.

Ein wichtiger Teil ihrer Identität waren neben dem Heimatverein ihr Heimatdorf Keitum und die Familie. Neben Ehemann Jan, mit dem sie über 50 Jahre verheiratet war, hinterlässt sie zwei Söhne, die beide nicht auf der Insel leben. Nachbarn, Freunde und der Insel zugeneigte Gäste waren in der Küche von Maike Ossenbrüggen stets willkommen – wer Friesisch sprach umso mehr. Nicht von ungefähr schrieb Ex-Stern-Chefredakteur Michael Jürgs einmal: „Mein Sylt ist eine Frau (...). Sie heißt Maike Ossenbrüggen. Wenn ich bei ihr ein Appartement (...) miete, weiß ich, dass ich ankomme und zuhause sein werde.“

Eine eher kleine Anekdote sagt vielleicht am meisten über den Charakter von Maike Ossenbrüggen, die für viele Generationen resoluter, selbstbewusster und herzensguter Sylter Frauen steht: Als das Büro ihrer Appartementvermietung 2008 überfallen wurde, bewies die Hausherrin – ohne lange über mögliche Gefahren nachzudenken – die selbe Entschlossenheit und Leidenschaft wie bei der Verteidigung ihrer Heimatinsel: Einer der beiden Räuber wurde von ihr kurzerhand mit einer Rührschüssel niedergestreckt. „Das war mehr Wut als Mut“ bekannte sie hinterher. Ebenso typisch für sie war später die Reaktion auf die Verurteilung der Täter mit Mitleid statt Genugtuung: „Ich bin nicht rachsüchtig. Diese Leute tun mir ehrlich gesagt richtig leid.“

Rüm hart, klaar kiming – es gibt nicht viele Menschen, die den Wahlspruch der Sylter so verkörpert haben wie Maike Ossenbrüggen.

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