zur Navigation springen

Bodils Ponyfarm : Abschied vom Braderuper Immenhof

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ende eines Mädchentraums: Nach 39 Jahren schließt Bodils Ponyfarm ihre Stalltore. Die Mutter eines ehemaligen Ponymädchens erinnert an vergangene Zeiten.

von
erstellt am 02.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Inzwischen sind sie Lehrerinnen, Architektinnen oder angehende Zahnärztinnen, Eisverkäufer oder Hotelfachfrauen: Bodils Ponymädchen von einst. Jede Ferien oder für den gesamten Jahresurlaub kamen sie auf die Insel, um auf der Ponyfarm in Braderup zu helfen. Damit ist es jetzt vorbei. Am Montag haben sich die Stalltore von Bodils Ponyfarm zum letzten Mal geschlossen und bis auf zwölf Gnadenbrotponys sind alle Pferde bei ehemaligen Ponymädchen auf dem Festland untergekommen.

Ehe sie zur bezahlten Hilfe avancierten, waren sie Reitanfängerin, Tageskind und die „Longe von heute Nachmittag“, allmählich stiegen sie die Stufen der Ponymädelkarriere aufwärts, durften an der Tete im Unterricht, später im Ausritt als Letzte reiten. Den Ritterschlag erhielt die junge Ponydame, wenn sie beim Ausritt hinter der Reitlehrerin vorne reiten durfte und ab und zu beim Galopp auf gleicher Höhe. Stellvertretend – unter der Aufsicht von Bodil Schulz im Hintergrund– die Kasse verwalten dürfen, war ein ebenfalls ehrenvoller wie Respekt verschaffender Job.

Was im eigenen Kinderzimmer nicht gelang, klappte in Bodils Sattelkammer unaufgefordert. Tresen und Sättel wurden liebevoll geputzt und gepflegt, am Ende des Tages war der Laden aufgeräumt.

Dass so etwas schon bei Vier- bis Achtjährigen funktioniert, konnte manche Mutter nur staunend zur Kenntnis nehmen, aber schließlich waren da ja die vierbeinigen Lieblinge Willy, Kobold, Laran, Sunny, Stine, Ballou und Mops, die versorgt werden wollten. Jedes Pony hatte seinen eigenen Kopf und so fand jedes kleine oder größere Mädchen – nur eine Handvoll Jungen waren dabei – ihr Pflegepony auf Zeit, das den ganzen Tag gestriegelt, gekämmt und anderweitig verwöhnt wurde und das alle Sorgen der Welt ins Ohr geflüstert bekam.

Für die Inselkinder war es eine lange, nicht selten über die Pubertät anhaltende Freundschaft und Bodils Wohlwollen ließ tausende von Kindern von überall her den Traum vom ungetrübten „Glück auf Erden“ träumen.

Der Charme von Bodils Ponyfarm lag für die, die gern dort waren, in dem nicht ganz so geschniegelt gestriegelten Outfit der Stallungen und Reitplätze sowie dem lockeren Umgangston des bunt gemischten Teams. Man konnte sich nachmittags neben dem Spielplatz für die Kleinen für einen Kaffee im Reitershop oder auf die gemütlichen Holzbänke mit Blick auf die Koppeln und Reitplätze niederlassen und selbst mancher Promi wusste: hier kann man verweilen, ohne behelligt zu werden. Johannes B. Kerner oder Klaus Jürgen Wussow halfen schon mal beim Gatter schließen, man hätte sie wohl eher auf einem anderen Reitplatz vermutet.

Selbst Reinhard Mey frischte auf Stine, einem Norweger-Pony, seine Reitkenntnisse für eine kleine Filmrolle auf, da auch seine Tochter Lu einstmals bei Bodil glückliches Ponymädchen war.

Nun sind sie verladen: Sunny, Hercules, Stine und die anderen, weit fort in die Republik auf die Koppeln und in die Ställe der jungen Frauen, die ihre Syltferien, seit sie denken können, mit der Ponyfarm verbinden. Vorher wurden die Häuser, Scheunen und Nebengebäude aufgeräumt, entrümpelt, alte Erinnerungen wie Fotocollagen von den Wänden genommen, bei abendlichen Treffen belacht und beweint, die Pony-Namensschilder von den Sattelhaken abgeschraubt und in persönliche Schatzkästchen gelegt. Dank Internet wurden die nicht anwesenden Ponymädels auf dem Laufenden gehalten und die Ankunft der Ponys im neuen Zuhause dokumentiert.

Bodil Schulz’ Herzblut hing an ihren Ponys und damit die Ponyfarm von Dauer war, ließ sie alle an der Farm teilnehmen, arbeitend, genießend, sich sorgen. Dass sie jetzt, mit 70 Jahren, ihr Lebenswerk aus gesundheitlichen Gründenaufgeben muss, ist schmerzhaft für sie.

Zu verdanken ist es der neuen Chefin Steffi Petersen, dass sich das Ganze jetzt nicht in eine Appartmentanlage verwandelt, sondern weiterhin das Flair eines Reiterhofs behält. Die Sylter Tierärztin baut in neuen Gebäuden neben ihrer Praxis eine Trakehnerzucht auf. Bodil Schulz hingegen bleibt in einem Bungalow auf einem Nachbargrundstück wohnen und schaut so auf die Wiese, auf der die verbliebenen Gnadenbrotponys grasen. Ganz ohne Vierbeiner ginge es für sie auch nicht mehr.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen