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Sylter Rundschau

20. August 2017 | 12:03 Uhr

Kunst auf Sylt : Abschied vom Atelier Klint

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach viereinhalb Jahren auf der Insel und zahlreichen Veranstaltungen verlässt der Künstler Peter Klint Sylt.

Er strahlt eine Mischung aus Abschiedsschmerz und Aufbruchsstimmung aus: Peter Klint, der vor viereinhalb Jahren mit seiner Familie zurück auf seine Heimatinsel zog, verlässt Sylt aus persönlichen Gründen wieder. Am Sonnabend, 25. Oktober, feiert er mit der Eröffnung seiner Ausstellung Kunstgäste 17 Abschied von der Insel, zu der er immer ein mehrdeutiges Verhältnis pflegte.

Ab 1. November wird der 42-Jährige, der in seinem Atelier in Tinnum regelmäßig zu Ausstellungen, Lesungen oder Konzerten ganz unterschiedlicher Künstler geladen hatte, erst einmal als im Nordkolleg in Rendsburg leben und arbeiten. Und auch danach plant er ein Leben im Großraum Kiel – dort wohnen viele Freunde, dort hat der Maler früher auch schon gelebt. „Durch mein Leben zieht sich ja diese Ambivalenz: Wenn ich in der Stadt war, fehlte mir die Sylter Ruhe, wenn ich auf der Insel bin, vermisse ich das Urbane, Großstädtische.“ Auch aufgrund dieser zwei widersprüchlichen Vorlieben sei er zigmal, wie er sagt, nach Sylt und dann doch wieder weg gezogen.

Auf das, was er in den letzten Jahren in seinem kleinen Atelier geschaffen hat, ist Klint stolz: „Dass wir es geschafft haben, uns auf der Insel zu etablieren, hat mich gefreut. Es waren schöne, erfolgreiche Jahre auf Sylt.“ Genauso glücklich macht ihn die Tatsache, dass die Klint’schen unkommerziellen Veranstaltungen für viele schnell zu festen Größen im Terminkalender wurden: „Bei den vergangenen beiden Veranstaltungen waren so viele Menschen da, dass nicht alle ins Haus passen. Das sehe ich natürlich als Anerkennung.“ Und Klint erkennt darin ein Zeichen dafür, dass auf der Insel ein Bedürfnis nach solch einer Form von Kultur besteht, nach der Möglichkeit, sich in den ganz unterschiedlichen kulturellen Rahmen zu treffen, die die Veranstaltungen in dem kleinen Wohnzimmeratelier in Tinnum boten. Auch er selbst und seine Kunst hätten von den verschiedenen Ausstellungen immens profitiert – dadurch, dass er die eigenen Werke im Kontrast oder Zusammenhang mit dem sah, was andere malten, konnte er sich künstlerisch entwickeln,sagt der Mann mit der charakteristischen Schiebermütze.

Das Künstlerleben auf Sylt selbst beurteilt er dagegen nicht uneingeschränkt positiv: „Normalerweise sollten Künstler und Kulturschaffende als Menschen gelten, die das Leben eines Ortes, einer Insel bereichern“, findet er. Und sich deshalb auch untereinander vernetzen und unterstützen: „Ich habe aber auf Sylt immer das Gefühl gehabt, dass die Kulturschaffenden hier sehr stark miteinander konkurrieren.“ Auch halte er es für normal, dass sie „kein Geld bezahlen müssen, wenn sie in öffentlichen Gebäuden ausstellen oder auch nur ihre Flyer auslegen“. Generell komme es ihm so vor, als würden Kunst und Kultur auf Sylt nicht unbedingt ausreichend gewürdigt.

Wie eine Abrechnung zum Abschluss soll das aber nicht klingen, betont Klint. Überhaupt, zu starkes Schimpfen über Sylt gefällt ihm generell nicht – auch er habe in den vergangenen Jahren sein Leben auf der Insel frei gestalten können: „Ich konnte selbst beeinflussen, wie wohl ich mich hier fühlte, ich konnte für Leben in der Bude sorgen und für die Abwechslung, die ich sonst auf Sylt wahrscheinlich vermisst hätte.“ Ob er der Insel für immer den Rücken kehren wird, da ist sich Klint auch nicht sicher: „Die Möglichkeit, zurück zu kommen, würde ich nie ganz ausschließen.“

 

 

Noch einmal Abwechslung und Leben in die Bude soll nun ein letztes Mal am Sonnabend ins Atelier Klint kommen: Um 19 Uhr geht’s los mit einer gewohnt vielfältige Mischung aus Malerei, Skulpturen und Literatur. Die 17. Auflage der Ausstellungsreihe "Kunstgäste" bietet neben gegenständlicher Malerei von Belicta Castelbarco (Hamburg), Peter Berner (Berlin) und Peter Klint (Sylt) Skulpturen von Saer Grimsvötn aus Husum. Das literarische Rahmenprogramm gestalten die Autoren Anselm Neft (Bonn), Stefan Schwarck und Nils Aulike (beide Kiel) mit Lesungen aus ihren Werken. Ringweg 10, Tinnum, 04651-8897904, der Eintritt ist frei.


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erstellt am 21.Okt.2014 | 05:56 Uhr

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