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Marinefliegerhorst auf Sylt : Abriss ist beschlossene Sache

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bis 2018 sollen alle Gebäude auf dem Fliegerhorst verschwinden, auch die Halle 28 und das Englische Kino

Die Entscheidung ist gefallen: Bis zum Ende der laufenden Wahlperiode, also bis spätestens Frühjahr 2018, werden sämtliche Gebäude auf dem ehemaligen Marinefliegerhorst am Flughafen abgerissen. Dies gilt ausdrücklich auch für die Hallen 25 und 28, die derzeit für den Katastrophenschutz oder als Lagerhalle von verschiedenen Insel-Institutionen unentgeltlich genutzt werden. Mit der klaren Mehrheit von 19 zu 14 Stimmen haben die Sylter Gemeindevertreter am Donnerstagabend auf ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr für einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen von SWG, SPD, SSW und Bündnis 90/Grüne gestimmt. Außer dem vollständigen Abriss aller Hallen, des Englischen Kinos und auch befestigter Außenanlagen wie Beton-Rollbahnen oder Parkflächen sollen gemäß dem Beschluss der Politiker die bereits begonnenen Renaturierungsmaßnahmen fortgesetzt werden. Und auch vorliegende Planungen, zum Beispiel die Umwandlung des Areals zu einer „wilden Weide“ oder die Entwicklung eines Fahrradwegekonzepts, sollen zeitnah unter der Federführung des Umweltausschusses realisiert werden.

SPD-Fraktionschef Gerd Nielsen erklärte zu Beginn einer fast einstündigen, überaus kontrovers und emotional geführten Debatte, dass in dem Antrag keineswegs die Halle 28 im Vordergrund stehe und dass er all die Aufregung, auch der zahlreichen Sitzungsgäste von Feuerwehr und Rettungsdienst, überhaupt nicht nachvollziehen könne. Mit den Worten „Wir haben dann ja auf dem Fliegerhorst noch drei Jahre Zeit“ forderte er von der Verwaltung, endlich den lange angekündigten Gefahrenabwehrplan vorzulegen. „Erst wenn damit eine neue Lösung für eine Katastrophenschutzhalle gefunden ist, kommt der Abriss der Halle 28“, betonte Nielsen.

Doch dieses Argument konnte die Antragsgegner ganz und gar nicht beruhigen: CDU-Fraktionschef Wolfgang Jensen erneuerte die Forderungen seiner Partei zur dauerhaften Nutzung der Halle 28 als beste zentrale Lösung für den Katastrophenschutz. Außerdem könne seine Fraktion dem vorgelegten Antrag schon aus Kostengründen nicht zustimmen: „Mit der halben Million für dieses Jahr wären wir bereits im ersten Nachtrag auf Null und hätten keinerlei Rücklagen mehr.“ Noch schärfer mit den Antragstellern ins Gericht ging Bürgermeisterin Petra Reiber: „Ich hoffe, das wird nicht beschlossen. Der Antrag lässt unsere Pflicht zur Gefahrenabwehr völlig außer acht und ist damit rechtswidrig.“ Die Halle 28 sei für die Evakuierung und Versorgung betroffener Personen im Katastrophenfall und auch als Lager für Gefahrenabwehrmittel zwingend erforderlich. „Es gibt derzeit keine dezentralen Möglichkeiten. Dafür haben wir auch gar nicht die personellen Kapazitäten“, sagte Reiber. „Wir sind ganz klar abhängig vom DRK und einer weiteren Nutzung der Halle 28 auf dem Fliegerhorst.“

Diese Einwände der Verwaltungschefin wollte Gerd Nielsen nicht unwidersprochen lassen. Er kritisierte, dass Reiber damit erst auf der abendlichen Gemeindevertretersitzung gekommen wäre: „Sollte etwas in unserem Antrag tatsächlich juristisch unkorrekt oder gar rechtswidrig sein, hätten Sie uns das auch früher sagen können.“ Es sei nicht ihre Aufgabe, Anträge der Kommunalpolitiker zu redigieren oder gar fachlich zu korrigieren, entgegnete Petra Reiber deutlich pikiert. Umgekehrt hätte sie sich gewünscht, vorher informiert zu werden, dass die Selbstverwaltung nach einer Absprache im Ältestenrat kurz vor der Sitzung die Beratung und Beschlussfassung zur außergerichtlichen Einigung mit Bauunternehmer Zech und dem Insolvenzverwalter in Sachen Abriss der Keitum-Therme einfach von der Tagesordnung genommen habe.

Nach viel weiterem Hin und Her sowie ausführlichen Stellungnahmen zahlreicher Gemeindevertreter, die allerdings zu keiner Annäherung der gegensätzlichen Positionen führten, erklärte Gerd Nielsen im Namen der vier Fraktionen: „Unser Antrag bleibt wie er ist. Falls zum Beispiel die Kommunalaufsicht mit Inhalten wirklich Probleme hat, können wir das ja auch später nochmal neu formulieren.“

Mit der Annahme des Beschlusses zum Fliegerhorstgelände werden im ersten Nachtrag für das aktuelle Haushaltsjahr 500  000 Euro für weitere Abrucharbeiten zur Verfügung gestellt. Die Abrissbagger können also schon bald in Richtung des ehemaligen Kino-Gebäudes und auch der benachbarten Kfz-Halle rollen. Endgültig vom Tisch sind mittlerweile auch die Bedenken der Denkmalsschützer, zumindest in Sachen Englisches Kino: Am 10. Februar habe es einen Ortstermin auf dem Fliegerhorst mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde gegeben, sagte Ruth Weirup, die Leiterin des Umweltamts der Gemeinde Sylt. Und am Donnerstag um 16.30 Uhr kam kurz vor Sitzungsbeginn ein Anruf mit der offiziellen Genehmigung zum Abriss des Kinos. Eine Aussage der Behörden zu den ebenfalls denkmalgeschützen Hallen 25 und 28 wird in den kommenden Wochen erwartet.

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erstellt am 21.Feb.2015 | 00:15 Uhr

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