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Marinefliegerhorst auf Sylt : Abriss eines Symbols der Inselgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schritt für Schritt geht es weiter in Richtung Null-Lösung. Seit Mittwoch wird auf dem Fliegerhorstgelände das Englische Kino abgerissen.

von
erstellt am 28.Aug.2015 | 05:25 Uhr

Es ist nicht nur ein altes baufälliges Gebäude, sondern ein Stück Inselgeschichte und für viele Sylter ein steingewordenes Manifest des Widerstands: Das Englische Kino auf dem ehemaligen Marinefliegerhorst. Nun aber soll der symbolträchtige rote Klinkerbau endgültig verschwinden – seit zwei Tagen laufen die Abrissarbeiten. Mittlerweile ist die Eingangsseite niedergerissen und große Teile der Installation wurden ins Freie gebracht.

Für die Mehrheit der Politiker ist der Abriss des Kinos lediglich der nächste Schritt auf dem Weg zur Umsetzung der so genannten Null-Lösung, die einen Abriss aller Hallen und sonstigen Gebäude bis 2018 vorsieht. Außer dem Englischen Kino sollen noch im Laufe dieses Jahres die dahinter stehende Kfz-Halle 44 sowie in den kommenden Jahren möglicherweise auch die Hallen 25 und 28 der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die aktuellen Abbrucharbeiten werden zirka sechs Wochen dauern, teilte Ruth Weirup mit. „Neben Kino und Halle 44 müssen auch kleinere Funktionsbauten, Zufahrtswege und versiegelte Flächen entfernt werden“, sagte die Leiterin des zuständigen Umweltamtes. Zu den genauen Kosten der Abrisse seien bisher keine Auskünfte möglich: Ruth Weirup erwartet jedoch, dass etwa die Hälfte der bewilligten 400  000 Euro dafür verwendet werden müssen. „Alles läuft planmäßig auf dem Fliegerhorst. Ich muss aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich dort um eine Baustelle handelt, die nicht betreten werden darf“, betont die Sylter Umweltamtschefin.

Vor allem auf diversen Internetseiten beklagen zahlreiche Insulaner, unter ihnen Vertreter kleinerer Parteien wie Piraten, Insulaner oder zukunft.sylt, jedoch wortreich den Abriss des historischen Bauwerkes. „Hier liegt nicht nur ein Haufen Schutt, hier liegt ein Stück der Geschichte der Insel Sylt“, sagt zum Beispiel Christian Thiessen. Für den Gemeindevertreter der Piraten ist das Englische Kino das letzte öffentliche Gebäude, das an die Befreiung der Insel erinnert. Seiner Meinung nach steht der jetzt vollzogene Abriss im krassen Gegensatz zum Willen der Sylter Bürger: „Hier liegt auch ein Stück Demokratie. Nachdem das Englische Kino schon einige Jahre leer steht, wurde es jetzt schnell noch abgerissen, bevor ein Bürgerentscheid etwas anderes hätte beschließen können“, kritisiert Thiessen. „Nicht nur, dass die Bürger nicht vorher gefragt werden: Es werden auch noch schnell Tatsachen geschaffen, bevor sie sich zu Wort melden könnten. Dieses Vorgehen beschädigt die demokratische Kultur.“ Der Piraten-Politiker bezieht sich damit auf die von Lars Schmidt angekündigte Mobilisierung der Öffentlichkeit zum Erhalt aller Gebäude auf dem Fliegerhorst. Doch der Gemeindevertreter der Inselliste zukunft.sylt muss nun eingestehen: „Leider war schon im Juni klar, dass ein Bürgerbegehren für Kino und Halle 44 zeitlich nicht mehr passen würde, da es keine aufschiebende Wirkung hat und der Abriss von der überwältigenden Mehrheit der Gemeindevertreter gewünscht war. Der Hauptausschuss hätte einen Abriss bis zum Bürgerbegehren aufschieben können, wollte dies jedoch nicht.“ Aber die Verursacher seien eben in ihre politischen Positionen gewählt worden, sagt Schmidt: „Das ist dann Demokratie.“

Entspannter sieht Jon Hardon Hansen den Abriss. Der Arbeitskreis Englisches Kino, den er mitgegründet hat, sei seit Sommer 2009 nicht mehr aktiv und akzeptiere mittlerweile die politische Entscheidung. Realistisch betrachtet, brauche das Kulturleben der Insel das Kino nicht mehr. Seitdem das Kulturhaus Sylt im Friesensaal existiert, hätten ehrenamtlich kulturschaffende Insulaner einen gut funktionierenden Multifunktionsraum, erklärte der dänische Pastor. „In Anbetracht der starken Abwanderung der Insulaner reduziert sich der Bedarf des englischen Kinos als Veranstaltungsgebäude sowieso“, erklärte Hansen. „Letztendlich dient man der Insel eher, in dem man ihr ihre ehemals unverbaute Natur zurück gibt.“








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