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Gute Vorsätze fürs neue Jahr auf Sylt : Ab morgen wird alles anders …

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wie steht es um das „Haltbarkeitsdatum“ der guten Vorsätze für das neue Jahr? Wir haben in Fitnessstudios, Restaurants und Cafés, im Fastenhaus und bei einer Psychologin nachgefragt.

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2016 | 05:30 Uhr

Abnehmen, gesünder essen, weniger Alkohol trin-ken und aufhören zu rauchen gehören ebenso zu den guten Vorsätzen für das neue Jahr, wie die Absicht, endlich mehr Sport zu treiben, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen oder sparsamer zu sein.

Doch wie lange hält man diese selbstauferlegten neuen Regeln eigentlich durch und warum scheitern so viel schon nach kurzer Zeit? Wir haben in Fitness-Studios, Restaurants und Cafés, im Fastenhaus und bei einer Psychologin nachgefragt.


Vorsatz „mehr Sport“



Im Rückenzentrum Wirbelwind bekommt Lukas Schmiedel nicht viel von gu-ten Neujahrsvorsätzen zu spüren. „Im Winter und in der Nebensaison ist unser Studio immer sehr gut besucht und die meisten neu Angemeldeten halten mindestens sechs Monate oder länger durch.“ Den leichten Schwund im Sommer erklärt er damit, dass „die Leute viel mehr arbeiten müssen und ihre wenige Freizeit dann lieber am Strand verbringen möchten“. Sein Klientel besteht überwiegend aus Herrschaften im mittleren und gereiften Alter, die sich den Einstieg in das Körpertraining gut überlegt haben und diszipliniert am Ball bleiben. „Wir haben über das Jahr gesehen fast gleichbleibende Besucherzahlen, in den Kursen und auch auf der Trainingsfläche.“ Seiner Erfahrung nach sind es „eher die jungen Leute, die sich aus einer Silvesterlaune heraus im Januar ganz euphorisch im Studio anmelden, im Februar anfangen zu schwächeln und im März wieder weg sind.“

Mit vielen guten Vorsätzen kommen die Kunden dagegen zu Markus Neuendorfer von „Sylt Fitness“. In seinem Studio wollen sie nicht nur etwas für ihre körperliche Fitness tun, sondern gerne auch Pfunde verlieren - „Doch mit dem Durchhaltevermögen ist das so eine Sache“, grinst der Trainer. „Die meisten merken sehr schnell, dass es Zeit und Kraft kostet, wenn man tatsächlich etwas verändern möchte und geben auch zu, dass ihnen das Training ja eigentlich gut tut. Aber es sind nur wenige, die wirklich längere Zeit durchhalten.“


Vorsatz „weniger essen und gesünder leben“



Im Fastenhotel von Frank Ahlers laufen jetzt im Januar die Telefone heiß. „Bis März ist hier Hochbetrieb, da laufen schon mal vier bis fünf Fastenkurse gleichzeitig“, berichtet der Chef. „Direkt nach Weihnachten oder spä-testens Silvester melden sich die Leute an, um bei uns ein bis zwei Wochen zu fasten und fast alle kommen mit guten Vorsätzen für das neue Jahr“. Dieser Vorsatz besteht nicht unbedingt darin, schnell überflüssige Pfunde zu verlieren, sondern eher darin, „die Ernährung im neuen Jahr umzustellen, Gewohnheiten zu verändern und sich bewusster zu ernähren“, so der Fastenleiter. „Positive Motivation, realistische, ganz bewusst formulierte Ziele, eine praktikable Umsetzung und ein Schuss Humor sind dabei sehr wichtig, denn nur so bleibt man am Ball.“

Auch in der Gastronomie sind die guten Vorsätze der Gäste spürbar - eine Zeit lang jedenfalls. „Unsere Gäste essen im Januar ganz anders als sonst“, kann Tania Langmaack vom Café Wien bestätigen. „Butter- und Sahnetorten sind tabu, Obststücke werden aber weiter gerne genommen“, erzählt sie mit einem Lächeln. „Im Mittaggeschäft laufen vor allem leichte Gerichte mit frischem Gemüse und magerer Pute sowie Salatteller“. Die guten Vorsätze ihrer Gäste bekommt sie alle zu hören, „allerdings haben sich die meisten nach zwei Wochen schon wieder erledigt“.


Vorsatz „rauchfrei“


Von heute auf morgen mit dem Rauchen aufzuhören, dass schaffen nur ganz weni-ge. Das kann auch Diplom-Psychologin Edda Willenbrock vom BBZ bestätigen. „Das ist wirklich eine reine Kopfsache, eine Frage des Willens. Wer wirklich aufhö-ren will, braucht dazu nicht den 1. Januar. Doch manche Menschen verbinden mit dem neuen Jahr auch einen Neuanfang für ihr Leben und gehen mit entsprechenden Vorsätzen in die Silvesternacht. Sind die Ziele klar durchdacht und realistisch, kann es klappen. Doch man braucht einen starken Willen und Selbstdisziplin. Wer das nicht hat, sollte sich therapeutisch begleiten lassen, damit es nicht nur ein Silvester-Wunsch bleibt.“


Vorsatz: gescheitert



Der Wille war da, aber der innere „Schweinehund“ war mal wieder größer…Nach zwei Monaten Sport kommen die ersten Ermüdungserscheinungen, die anfängliche Euphorie erliegt dem Alltag und die Zigarette nach dem Essen schmeckt so viel besser als der Nikotin-Kaugummi. Woran liegt es eigentlich, dass man seine guten Vorsätze nicht einhalten kann? Für Fastenzeiten Frank Ahlers liegt die Antwort darauf in den gesellschaftlichen Dogmen, die mit ihren Superlativen „schöner, schlanker, erfolgreicher, besser…“ zu viel Druck auf den Einzelnen ausüben. „Jeder Zwang produziert Widerstand“, sagt er „und wer sich seine Ziele falsch oder zu hoch gesteckt hat, der versagt durch Frustration“.

Diplom-Psychologin Edda Willenbrock fallen für das Scheitern der guten Vorsätze viele Gründe und unterschiedliche Aspekte ein, doch „letztendlich ist alles eine Frage der Selbstdisziplin.“ Die unterscheidet sich von der Fremddisziplin nämlich dadurch, dass keine Sanktionen drohen - sprich: Kommst du zu spät zur Arbeit, gibt es Ärger mit dem Chef, aber futterst du eine Tafel Schokolade auf dem Sofa, meckert höchstens die Waage mit dir. „Viele nehmen sich auch einfach zu viel vor und stecken sich keine realistischen Ziele“, weiß die Therapeutin aus Erfahrung, „Dann ist jeder noch so gute Vorsatz zum Scheitern verurteilt, endet mit Demotivation und Frustration und lässt einen in alte Muster zurück fallen.“

Also, in diesem Sinne: Immer schön langsam und im Zweifelsfall professionelle Hilfe suchen - dann klappt es auch mit den Vorsätzen!




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