Ab ins Körbchen

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05. Juni 2014, 11:49 Uhr

Nein, wir haben keinen Hund (noch nicht, aber ich arbeite daran, und zwar an einem Parson-Terrier). Wenn ich Carsten morgens mit „ab ins Körbchen“ wecke, dann ist es kein Befehl, sondern eine Frage und meint übersetzt: wollen wir an den Strand gehen? Zu einem Beach-Tag auf Sylt gehört für uns Köthes nämlich immer ein Strandkorb. Ein blau-weißer. Carsten findet, dass ein Strandtag ohne Körbchen wie eine Stadion-Bockwurst ohne Senf ist. Ich würde es eher mit Schuhen ohne schicken Absatz vergleichen.

So ein Tag im Körbchen muss vorab bis ins Detail geplant werden. Das geht schon beim Packen los. Wir benötigen drei Handtücher. Schon an dieser Stelle guckt Carsten mich ungläubig an. „Warum drei Handtücher, wenn wir doch nur zwei Personen sind?“, fragt er. „Wenn DU gerne nach dem Baden auf einem nassen Handtuch liegen möchtest, kann ich auch nur zwei Handtücher einstecken“, lautet stets meine Antwort. Weiter geht’s: Bade-Bikini, zweite Badehose für Carsten („Warum brauche ich...“), Beach –Volleyballspiel, zwei Zeitschriften (eine Sportzeitschrift sowie eine Modezeitschrift. Dreimal dürfen Sie raten, für wen welche ist), Sonnencreme (eine fürs Gesicht und eine für den Körper), i-Pod, ein wenig Geld (unter anderem genügend 50-Cent-Stücke fürs Strandklo) und zwei Caps für einen kühlen Kopf. Das war’s, denn die Tasche ist voll. Jetzt muss nur noch eine Kühltasche (gefüllt mit Aggregaten, Selter und belegten Brötchen) mit. „Was ist das?“, fragt Carsten sichtlich gereizt. „Eine Kühltasche“, antworte ich im wahrsten Sinne des Wortes cool. „Die Sachen passen nicht mehr in die Strandtasche. Außerdem bleibt darin alles schön kühl - wie das Wort ja schon sagt“. Bloß auf keine Diskussion einlassen. Eh’ man so zu Hause loskommt, ist es fast mittags.

Bei der Wahl des Strandkorbes (plus Warteschlange vor der Strandkorbvermietung) geht weitere kostbare „Liege-, Bade- und Bräunungszeit“ drauf. „Die 387? Nee, die steht mir zu eingekeilt zwischen der 386 und 377. Und die anderen sind auch nicht so optimal. Die 364 steht nicht in der ersten Reihe und die 355 ist zu weit ab vom Schuss. Was ist denn mit der 382? Ist die noch frei für heute?“. Ich schwöre: unser Hauskauf in Kiel ging damals schneller: „Lage gut, hübsch, Preis stimmt. Nehmen wir“ Fertig. Wenn wir uns für einen Korb entschieden haben, bin ich fix und fertig. Vor allem können Sie eines glauben: wenn wir uns einen RUHIGEN Strandtag machen wollen (70 Prozent schlafen und 30 Prozent Wachphase mit lesen, baden und Beach Ball spielen), werden die Strandkörbe um uns herum von Großfamilien oder Jugendlichen mit Ghettoblastern bezogen. Wenn wir hingegen einen Action-Strandtag möchten, ist im Umkreis von 2oo Metern Ü-70-Party. „Hier ist heute überhaupt nix los“, mäkelt Carsten dann.

Und noch eine Pleiten-, Pech- und Pannen-Möglichkeit möchte ich kurz erwähnen. Letztens haben unsere direkten Strandkorb-Nachbarn ihren Korb als Schattenspender genutzt. Wissen Sie, was das heißt? Das ist der ultimative Horror! Das heißt nämlich, dass unsere Nachbarn ab mittags (wegen des Sonnenstandes) frontal in unseres Korb gestarrt haben.

Sie merken, dass sie es bei uns mit echten „Strandkorb-Profis“ zu tun haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesem Wochenende den schönsten aller schönen Körbe bekommen. Aber Beeilung, du guten Stücke werden heiß begehrt sein. Frohe Pfingsten.


Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.




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