Aufwändige Bauarbeiten : A7-Deckel soll 2018 fertig sein

In idyllischen Parks können Fußgänger künftig über die A7 in Hamburg-Schnelsen flanieren. Vom Verkehr unter ihnen sollen sie nichts bemerken. Foto: Pola Berlin
In idyllischen Parks können Fußgänger künftig über die A7 in Hamburg-Schnelsen flanieren. Vom Verkehr unter ihnen sollen sie nichts bemerken. Foto: Pola Berlin

Es ist die aufwändigste Lärmdeckelung einer Autobahn in Deutschland. 2018 sollen die Arbeiten für den geplanten A7-Deckel beendet sein.

shz.de von
26. April 2013, 10:57 Uhr

Hamburg | Es wird eng, es wird laut, es wird lange Staus geben - doch am Ende sollen sich die Anwohner der Autobahn 7 in Hamburg mit einem kleinen Idyll trösten können. Auf der Oberfläche des A7-Lärmdeckels im Abschnitt Schnelsen ist ein rund 500 Meter langer und 80 Meter breiter Park samt Flaniermeile und Kleingärten vorgesehen. "Picknick auf der Autobahn", sei ein Motto der Grüngestaltung auf der Haube, berichtete Landschaftsarchitekt Jörg Michel jetzt vor Schnelsener Bürgern.

Bei dem Infoabend präzisierten die Planer erstmals Zeitangaben und Bauabläufe für die aufwändigste Lärmdeckelung einer Autobahn in Deutschland. In Schnelsen soll die A7 demnach ab Mitte 2014 auf 560 Metern unter die Haube kommen. Es ist einer von drei "Schalldämpfern" für die lärmige Asphaltpiste auf Hamburger Gebiet, die zusammen 3,5 Kilometer lang sein werden. Zeitgleich erhält die überlastete Autobahn zwischen dem Bordesholmer Dreieck und dem Elbtunnel je zwei Fahrstreifen zusätzlich - zwischen Bordesholm und Dreieck Nordwest sechs statt vier, ab dort acht statt sechs. Die Dimensionen des Projekts sind riesig: Die Gesamtkosten werden bei mehr als einer Milliarde Euro liegen, die Bauzeit rund 15 Jahre betragen.

"Es wird dort ein Tempolimit gelten"

"Wir bauen alles unter laufendem Betrieb", kündigte Ulrich Krentz von der Planungsgesellschaft Deges an. 2014 werde in Schnelsen zunächst die Ostseite der A7 provisorisch verbreitert, damit dort ab 2015 der gesamte Verkehr abgewickelt werden kann. In dieser Zeit wird die Westseite komplett neu gebaut und überdeckelt; anschließend sei die Ostseite an der Reihe.

Krentz sagte zu, dass während fast der gesamten Bauzeit vier eingeengte Fahrstreifen mit 3,25 Metern Breite frei bleiben: "Es wird dort ein Tempolimit gelten, entweder 60 oder 80 km/h." Der Lärmtunnel soll bei einer Durchfahrthöhe von 4,80 Metern keine Höhenkontrolle bekommen. Die Entlüftung werde über mechanische Strahllüfter erfolgen, ein Lüftungsbauwerk ist nicht vorgesehen. Und: Auf der Deckeloberfläche werden die Parkbesucher später angeblich keine Vibrationen vom darunter rauschenden Verkehr spüren.

Erhebliche Verkehrsbehinderungen

Die Planer rechnen mit erheblichen Verkehrsbehinderungen während der auf vier Jahre veranschlagten Bauphase. Das gilt sowohl für die A7 als auch für die umliegenden Straßen auf Hamburger sowie auf schleswig-holsteinischem Gebiet. Besonderes dick kommt es für Autofahrer an zwei Wochenenden, an denen die Autobahn für den Abriss von Brücken komplett gesperrt wird. Hart werden zudem die 18 Monate ab 2016, wenn die Anschlussstelle Schnelsen in Richtung Süden dicht sein wird. Die Ausfahrt in der Gegenrichtung ist 2017 für vier Monate nicht nutzbar. 2018, so das Ziel, soll die Schnelsener Lärmhaube fertig sein. Erst dann beginnen die Arbeiten am Abschnitt Stellingen. Abschließend wird der mit zwei Kilometern längste Lärmtunnel im Bereich Bahrenfeld/Othmarschen errichtet.

Lärmdeckel und Verbreiterung will der Bund als Autobahnträger in einem bundesweit neuartigen Verfahren finanzieren. Derzeit sucht er in einem Vergabeverfahren nach einem Konsortium privater Firmen, das nicht nur den Bau bewerkstelligt, sondern auch für 30 Jahre Unterhalt und Betrieb der A7 zwischen Bordesholm und Schnelsen übernimmt. Das sogenannte ÖPP-Verfügbarkeitsmodell sieht vor, dass der Investor später nur dann die volle Summe vom Staat erhält, wenn er während der Zeitspanne die weitgehende Verfügbarkeit der Autobahn sicherstellt. Deges-Baubevollmächtiger Christian Rohde: "Das sorgt dafür, dass die Firmen von vornherein in guter Qualität bauen."

Vier große nationale Konzerne haben sich um den Auftrag beworben. Der Zuschlag soll im Frühjahr 2014 erfolgen.

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