Jugendarbeitslosigkeit : 9500 junge Leute im Land sind ohne Arbeit

Der DGB Nord hat dazu aufgerufen, den Einsatz gegen Jugendarbeitslosigkeit auch in Schleswig-Holstein zu verstärken.

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04. Dezember 2012, 11:13 Uhr

kiel | Die Dimensionen sind nicht im Ansatz mit denen in Südeuropa zu vergleichen. Dennoch: Aus Anlass der EU-Initiative zu einer Beschäftigungsgarantie für jeden Unter-25-Jährigen hat der DGB Nord dazu aufgerufen, den Einsatz gegen Jugendarbeitslosigkeit auch in Schleswig-Holstein zu verstärken.
"10.000 junge Menschen im nördlichsten Bundesland sind ohne Berufsausbildung", bemängelt DGB-Nord-Vorsitzender Uwe Polkaehn unter Berufung aufs Statistikamt Nord. "Die Arbeitgeber sollten nicht den Schulabgängern den Schwarzen Peter zuschieben, sondern passgenaue Angebote und Nachqualifizierungen anbieten", fordert Polkaehn. Zudem bemängelte er, dass nur 23 Prozent der qualifizierten Jugendlichen nach einem befristeten in ein stabiles Arbeitsverhältnis kämen.

Übergangsprobleme zwischen Schule und Beruf

Derzeit haben 9500 Schleswig-Holsteiner unter 25 Jahren keine Arbeit. Das entspricht 5,9 Prozent. 2009 waren es bei schlechterer Arbeitsmarktlage noch 12.300 Personen. Von den derzeit 9500 jungen Arbeitslosen haben 1200 keinen Hauptschulabschluss. 2100 sind trotz ihres jungen Alters schon mehr als ein halbes Jahr arbeitslos. Das Verarbeitende Gewerbe ist mit 1600 Betroffenen die Branche mit dem höchsten Risiko für Erwerbslosigkeit. "Die Arbeitslosigkeit von Jüngeren beruht überwiegend auf Übergangsproblemen zwischen Schule und Beruf und nach einem Abschluss der Ausbildung", erklärt der Sprecher der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Horst Schmitt. Der Unterstützungsbedarf für Jugendliche ohne Abschluss werde mit den Anforderungen der Berufswelt weiter steigen. 4500 Unter-25-Jährige nehmen derzeit an unterschiedlichen Hilfsangeboten der Arbeitsagentur teil.
Der Ausbildungs-Experte der IHK Schleswig-Holstein, Hans Joachim Beckers, kritisiert: "Im Übergangssystem kommen nicht immer zielgenaue Angebote zur Anwendung. Es geht vor allem danach, was sich leicht planen lässt, und nicht, was passgenau für Bewerber und Betriebe ist." Dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland EU-weit die niedrigste ist, erklärt Beckers gerade damit, dass die hierzulande einmalige duale Ausbildung stärker als überall sonst auf den Bedarf der Firmen ausgerichtet sei. Neben der Berufsschule ist der Betrieb gleichrangige Säule der Lehre. Das effektivste Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit sieht Beckers in mehr Ressourcen für die Schulen, um Förder-Bedürftige besser zu unterstützen.

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