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77 Gramm und die Frage nach der besten Pul-Technik

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Beim Krabbenpulwettbewerb, der während des Hörnumer Hafenfestes über die Bühne ging, versagt SR- Autorin

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Hörnum | Bei Inge Clausen sieht es einfacher aus als Kartoffeln-Schälen: Die Krabbe wird kurz am dritten Wirbel gedreht, zack ist das Hinterteil ab, ein liebevoller Ruck am Kopf und das leckere Innere landet im Plastikschälchen. Inge Clausen lebt seit 30 Jahren in Hörnum und ist nach fünf Minuten des 28. örtlichen Krabbenpulwettberwerbs meine persönliche Favoritin. Sie pult, als versorge sie täglich eine Meerestier-affine Großfamilie.

Mir selbst räume ich bei diesem Wettbewerb geringere Chancen ein, innerhalb einer halben Stunde ein halbwegs gefülltes Schälchen zu haben. Die Dame neben mir hat es tröstlicherweise allerdings auch nicht drauf: Hörnums Tourismusdirektorin Christin Scholz ist im Februar von Thüringen nach Sylt gezogen und hatte mit Krabbenpulen wohnortgemäß bisher nichts am Hut. Wir veranstalten ein derartiges Krabbengemetzel, dass sich selbst süddeutsche Zuschauer bemüßigt fühlen, uns Tipps zu geben. Obwohl - dass die Süddeutschen pultechnisch gut aufgestellt sind, zeigt Julia (10) aus der Nähe von München, die sage und schreibe 213 Gramm Fleisch aus den verpanzerten Viechern kriegt und damit den Kinderpreis gewinnt. "Die Presse kann halt besser mit dem Bleistift als mit den Krabben", kommentiert Knud Remmer, der den Pulwettbewerb moderiert und die 20 Kilo Nordseegarnelen vor uns ausgekippt hat. "Die Presse" fährt sich vor Verzweiflung erst einmal mit den Fingern durch die Haare - und bereut es sofort ein bisschen und zwei Sonnenstunden später sehr: Krabbengeruch ist aus den Haaren fast so schwer zu entfernen wie von den Fingern.

Christin Scholz neben mir versucht derweil, größere Krabben von der stoisch pulenden Stuttgarter Familie abzustauben und die Frage zu klären, ob die Krabben mit den Eiern auch okay sind. Ich habe keine Ahnung. Dann ist die halbe Stunde Pul-Zeit rum - erste wurde Sonja Altmann aus Westerland mit 343 Gramm. Finde ich viel, aber vor einigen Jahren habe eine Sylterin sogar ein halbes Kilo Krabbenfleisch heraus gezupft, weiß Remmer. Die Tourismusdirektorin liegt mit 113 Gramm eher im unteren Drittel und ich - na ja, ich musste ja auch Notizen nebenbei machen. Und zu viel Eiweiß ist ohnehin nicht gesund. 77 Gramm, die reichen zumindest für ein Krabbenbrötchen.

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