Rettungsschwimmer auf Sylt : 75 Rettungsschwimmer bewachen die Strände zwischen Hörnum und List

Badeflagge und grüne Flagge sind gehisst: Unter Aufsicht der Rettungsschwimmer kann jetzt, wie hier in Westerland, gebadet werden.
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Badeflagge und grüne Flagge sind gehisst: Unter Aufsicht der Rettungsschwimmer kann jetzt, wie hier in Westerland, gebadet werden.

Sie passen auf, während andere dem Badevergnügen frönen. 75 hauptberufliche Rettungsschwimmer diese Saison auf Sylt im Einsatz. Nachwuchssorgen gibt es auf der Insel nicht.

shz.de von
08. Juli 2015, 05:57 Uhr

Sie sorgen für Sicherheit an Sylts Stränden: Rund 75 Männer und Frauen sind seit Anfang Juni wieder auf der Insel im Einsatz, um von Hörnum bis nach List in Gefahr geratene Schwimmer aus der unberechenbaren Nordsee zu ziehen. Anders als in anderen deutschen Küstenorten an Nord- und Ostsee, werden die Rettungsschwimmer auf Sylt für ihre Arbeit bezahlt.

In fast allen Gemeinden sind die Türme von 10.30 bis 17 Uhr besetzt. „Wir sitzen aber auch mal zwei Stunden länger am Wasser, wenn Gefahr absehbar ist“, sagt Lars Lunk, der als Rettungsschwimmer in Kampen arbeitet. Seit 20 Jahren ist der 40-Jährige auf Sylt im Einsatz, in den Wintermonaten verdient er sein Geld in einem Hotel. Nachwuchsprobleme gäbe es auf Sylt nicht: „Dieses Jahr haben wir so viele Leute ausgebildet wie noch nie, es gibt einen richtigen Generationenwechsel“, sagt Lunk. Die meisten von ihnen sind Studenten Anfang 20, die ihre Semesterferien nutzen, um auf der Insel zu arbeiten. „Sylt ist kein einfaches Gewässer. Da sind Leute, die die Gezeiten, die tägliche wechselnden Strömungen und Sandbänke einschätzen können, sehr wichtig“. Problematisch sei, dass die Menschen heute schlechter schwimmen könnten und zudem nicht immer auf die erfahrenen Lebensretter hörten und auch außerhalb der gekennzeichneten Badebereiche ins Wasser gingen.

Im Schnitt bekommt ein angehender Helfer rund 2  300 Euro brutto (Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst). Ehrenamtliche Retter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) unterstützen die Berufs-Helfer in Hörnum. An anderen Inselorten, wie dem Kasseler Lager nahe des Klappholttals und am Strandabschnitt Dikjen-Deel, sorgen Polizisten mit einer DLRG-Ausbildung für Sicherheit.

Auf Sylt habe die fast ausschließliche Bewachung durch hauptberufliche Retter historische Gründe, sagt Peter Sieman, der die DLRG-Einsätze der Spezialschwimmer bundesweit plant. „Sylt leistet sich weiterhin die bezahlten Rettungsschwimmer, die Ausbildung ist letztendliche aber die gleiche, egal ob ehrenamtlich oder gegen Geld“, so der Einsatzleiter. Rettungsschwimmer zu sein erfordere persönlichen Einsatz, fachliches Wissen und Verantwortungsbewusstsein. Auch die körperliche Fitness zählt zu den Grundvoraussetzungen und wird vor Berufsantritt jährlich neu geprüft.

Der Sylter Matz Klimek ist im zweiten Jahr als Rettungsschwimmer für die Gemeinde List tätig und kennt die Tücken und Strömungen der Nordsee genau. Für ihn ist dieser Beruf mehr als tagein tagaus am Strand zu sitzen. „Man wird oftmals mit einigen Vorurteilen konfrontiert. Die Verantwortung, die wir für zahlreiche Menschenleben tragen, rückt für viele Beobachter schnell in den Hintergrund“, so Klimek.

Für „ihre“ Rettungsschwimmer ist der Tourismusservice der jeweiligen Inselgemeinde verantwortlich, sagt Christine Kühn vom Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS). „Wir müssen auf Sylt Zugriff auf weisungsbefugte Leute haben, die zu festen Zeiten vor Ort sind“, sagt sie. Es müsse gewährleistet sein, dass alle Strände bewacht werden, denn die Nordsee sei kein ungefährliches Badegebiet. Der meisten Helfer würden in Westerland und Rantum gebraucht: „Inklusive Springer und Halbtagsstellen sind das rund 40 Schwimmer pro Saison“, sagt Peter Lassen, Badebetriebsmeister für die Strände in Westerland und Rantum. Allein mit DLRG-Leuten könnte der Sylter Bedarf an Rettern nicht gedeckt werden. Bis Ende September sind die meisten der 31 Strandplätze bewacht.

Wie wird man Rettungsschwimmer auf Sylt

Voraussetzung zur Arbeit als Rettungsschwimmer auf Sylt ist unter anderem der Nachweis des Deutschen Rettungsschwimmabzeichens der DLRG in Silber und ein über die Saison hinaus gültiger Erste Hilfe Schein.  18 Jahre müssen die Bewerber mindestens sein. Direkt vor oder gleich nach Dienstantritt muss eine Strecke von 1000 Metern unter 20 Minuten geschwommen werden. Eine Brandungsprüfung steht dann auf der Insel auch noch an. Nur wer alle erforderlichen Nachweise erbringt, beziehungsweise Zeiten schwimmt, darf als Rettungsschwimmer am Strand arbeiten.

Strand-Beflaggung 

Sind  Badezeitflagge und grüne Flagge gehisst, ist ein Rettungsschwimmer im Turm und es kann unter Aufsicht gebadet werden. Bei gelber Flagge ist das Schwimmen nur im begrenzten Badefeld erlaubt. Absolutes Badeverbot herrscht, wenn die rote Flagge weht.

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