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Totschlag auf Sylt : 53-Jähriger muss für knapp sechs Jahre ins Gefängnis

vom

Der Mann soll seine Freundin erstickt haben und flüchtet nach Spanien: Im Prozess sehen die Richter die Tat als erwiesen angesehen.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2015 | 17:16 Uhr

Sylt | Ein 53 Jahre alter Sylter ist am Freitag vom Landgericht Flensburg wegen Totschlags zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann seine 50 Jahre alte Lebensgefährtin im September 2014 im Streit schlug, würgte und schließlich erstickte. Der Mann habe sich in einem Ausnahmezustand befunden und unter depressiven Verstimmungen gelitten, hieß es. Der Angeklagte war nach kurzer Flucht in Spanien festgenommen worden.

Bei der 50-Jährigen waren unter anderem Blutergüsse am gesamten Körper sowie sieben Rippenbrüche festgestellt worden. Nach Ansicht des Gerichts drückte der 53-Jährige der Frau Mund und Nase zu und würgte sie. Nach fünf bis zehn Minuten sei der Erstickungstod eingetreten, sagte der Staatsanwalt.

Vor Gericht hatte der Angeklagte geschwiegen. Zuvor hatte er bei den Ermittlern die Tat nach einem angeblichen „blöden Spruch“ der Frau zugegeben - jedoch erklärt, sich an das genaue Geschehen nicht erinnern zu können. Er habe rot gesehen.

Die achtjährige Beziehung sei von Trennungen und Wiederannäherung gekennzeichnet gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin. „Sie konnten weder mit noch ohne einander leben.“ Der Staatsanwalt erklärte: „Es lief auf dieses Finale in der Wohnung (...) hinaus.“ Zeugen hätten eine „fast krankhafte Abhängigkeit“ der beiden Partner gesehen.

Das Paar war erst einen Monat vor der Tat nach Sylt gezogen und hatte sich einige Tage vor der Tat getrennt, aber weiter getroffen. Die Frau hatte zeitweise aus Angst vor dem Partner an ihrem Arbeitsort übernachtet. Eine Anzeige gegen den 53-Jährigen hatte sie aber zurückgenommen.

Zeugen zufolge hatte der Mann die 50-Jährige für seine Misserfolge - etwa den Verlust des Führerscheins nach einer Trunkenheitsfahrt - verantwortlich gemacht. Auch sei er nicht mit ihrem beruflichen Erfolg klargekommen, während er nach der Trennung von seiner Frau 2005 in eine Abwärtsspirale geraten sei, erklärte ein Gutachter.

In seinem Schlusswort wandte sich der 53-Jährige unter Tränen an die Familie des Opfers. „Es tut mir unendlich leid“, sagte er. Der Rest ging in seinem Schluchzen unter.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten gefordert, der Verteidiger plädierte für drei Jahre.

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