Software der Landesregierung : 34 Millionen für ein PC-Programm, das nicht läuft

Ein Computerprogramm für alles. Klingt gut, ist schwierig. Diese Erfahrung macht derzeit die Landesregierung. Denn das Wunderwerk für die Verwaltung funktioniert nicht.

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26. April 2013, 11:58 Uhr

Kiel | Seit 2009 lässt Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Hansestadt Hamburg eine Software entwickeln, die alles leisten soll, was eine Verwaltung braucht: Das Programm soll das Personal-Management wuppen, die Gehaltsabrechnungen stemmen und das Controlling ermöglichen.

34 Millionen Euro kostet das Projekt, getauft auf den Namen "Kooperation Personaldienste" (KoPers). Beim Wettbewerb zur Namensfindung war kurzzeitig auch die Bezeichnung "Easy" ("einfach") im Rennen - vermutlich mit dunklen Ahnungen verzichteten kluge Köpfe darauf. Mittlerweile ist klar: Die Software lässt sich alles andere als leicht zum Laufen bringen, sie funktioniert nicht.

Gutachter eingeschaltet

Beide Länder haben jetzt einen Gutachter eingeschaltet. "Er soll klären, wo wir stehen", sagt Knud Büchmann, der in der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei den Bereich IT-, Organisations- und Personalentwicklung leitet. Bereits ein Jahr sei man im Verzug. Und ein Freigabetest im Februar scheiterte.

Das wiederum kostet Geld. Schleswig-Holstein muss seine alte Software für Gehaltsabrechnungen, Permis-A, die bereits im Herbst 2012 durch KoPers ersetzt werden sollte, mit hohem Aufwand weiterlaufen lassen. Gleiches gilt für das veraltete Lehrerverwaltungsprogramm Perle. Beides schlägt mit 274.500 Euro zu Buche. Im nächsten Jahr kommen dann für jeden Monat, in dem KoPers nicht funktionieren sollte, 30.500 Euro hinzu.

"Äußerst komplexe Spezial- und Sonderfälle"

Wer hat die widerspenstige Software programmiert? Dataport, der IT-Dienstleister der fünf Nordländer Schleswig-Holstein, Hamburg Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, hatte das Projekt europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam die Wiesbadener Softwareschmiede P&I, nach eigenen Angaben ein Premium-Anbieter von Lösungen für die Personalwirtschaft.

Und warum hakt es? Dataport-Pressesprecher Holger Förster erklärt: "Bei den 50.000 Gehaltsabrechungen der Landesverwaltung muss die Software äußerst komplexe Spezial- und Sonderfälle bewältigen." Dataport selbst rechne seine 1600 Beamten und Angestellten allerdings bereits erfolgreich in KoPers ab. Und zum Jahresende, so das Versprechen, werde KoPers planmäßig auch in der Landesverwaltung laufen.

"Ich hoffe, dass wir es hinkriegen"

IT-Chef Knud Büchmann aus der Staatskanzlei sagt: "Was das Datum angeht, hege ich eine gesunde Skepsis. In der Kommunikation zwischen dem Land als Auftraggeber, Dataport als Dienstleister und P&I als Hersteller gibt es Brüche." Das Land habe Vorstellungen, was die Software leisten solle. Und momentan nicht leisten kann - weshalb die Gutachter laut Büchmann auch prüfen würden, ob die Wünsche des Landes vom Vertragsinhalt gedeckt seien.

Das Computerprogramm soll nämlich nicht nur Verwaltungsprozesse optimieren. Thomas Losse-Müller, Staatssekretär im Finanzministerium, betonte, KoPers sei ein zentrales Projekt für den Stellenabbau. Es wird der größte in der Geschichte Schleswig-Holsteins: Bis 2020 will das Land gut 5300 Posten streichen und damit 267 Millionen Euro einsparen. Wo genau welches Personal abgebaut werden soll, ist aber weitestgehend unklar. In erster Linie bleibt das natürlich eine politische Entscheidung. Doch ist sie erst einmal gefällt, könnte KoPers auf Knopfdruck die Frage beantworten, welche der 50.000 Beamten und Angestellten es trifft.

Doch bis die Personaldaten so zentral verfügbar sind, wird wohl noch Zeit ins Land gehen. "Wir suchen gemeinsam nach Lösungen", betont der IT-Chef der Staatskanzlei. "Ich hoffe, dass wir es hinkriegen." Einen Bruch mit dem Unternehmen, das die Software programmiert, will man vermeiden. "Mit einem neuen Anbieter gäbe es wieder komplett neue Probleme."

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