30 Millionen für trockene Füße

Tiefbauamtsleiter erläutert, wie viel Regen die Kanalisation schafft

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30. August 2011, 07:20 Uhr

Westerland | Angesichts der Überschwemmungen nach dem starken Gewitterguss am Sonntag, 21. August, erläuterte Tiefbauamtsleiter Reiner Brudnitzki im Westerländer Ortsbeirat die Kapazitäten der bestehenden Oberflächenentwässerung: "Der Klimawandel ist auch bei uns zunehmend spürbar, unter anderem durch große Regenmengen, die innerhalb kürzester Zeit runterkommen." Laut Regenatlas, einer Statistik über die Niederschlagsmengen, komme so ein Gewitterguss wie vor einer Woche nur alle 20 Jahre vor. "Wir hatten es mit 17 Liter Regen pro Quadratmeter in einem Zeitraum von zehn Minuten zu tun." Eines der Probleme sei, dass die Häufigkeit solche Starkregenereignisse zunehme. Wie zum Beweis ging vergangenen Freitag der nächste starke Gewitterregen über Westerland nieder und setzte kurzzeitig Straßen unter Wasser.

Solche Mengen kann die Kanalisation trotz der in den letzten drei Jahren erfolgten Verbesserungen nicht aufnehmen. Brudnitzki: "Für jede kleine Verbesserung muss enorm viel Geld ausgegeben werden." Wolle man die Oberflächenentwässerung "einigermaßen fit machen, kostet das 30 Millionen Euro." Selbst dann könnte bei extremen Regenfällen noch Wasser in den Straßen stehen. "Unsere erneuerte Pumpstation, an die 100 Hektar abflusswirksame Flächen angeschlossen sind, arbeitet mit höchster Leistungsfähigkeit", betont Brudnitzki.

Bei 14 Litern pro Quadratmeter und Stunde sei das Fassungsvermögen aber erreicht, ab dann staue es sich auf. "Die Pumpe schafft 10 800 Kubikmeter pro Stunde, dazu kommen noch 3 500 Kubikmeter Stauraum, das wars." In den Außenbereichen gebe es zumeist keine Anschlussmöglichkeit an die Kanalisation, so dass die Eigentümer selbst dafür sorgen müssten, dass das Wasser auf ihrem Grundstück bleibe. Oft laufe der Regen aber über abschüssige gepflasterte Wege oder Auffahrten auf die Straße und überfordere die Kanalisation.

Jeder zusätzliche Kubikmeter Rückstauvolumen koste etwa 1 000 Euro, das eigentliche Problem sei also der hohe Versiegelungsgrad der Grundstücke. Neben Maßnahmen zur Schaffung von zusätzlichem Rückstauvolumen in den bekannten Tieflagen rund um den Bahnhof müssten in den nächsten Jahren alle Anstrengungen unternommen werden, die Bodenversiegelung zu reduzieren.

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