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Sylter Rundschau

13. Dezember 2017 | 08:41 Uhr

1969: Rantumbecken als Müllhalde?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

„Zurückgeblättert – Wie Sylt wurde, was es heute ist“ blickt zurück in die Zeit, in der die Grundlagen vieler prägender Strukturen gelegt wurde

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 11:31 Uhr

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert!“ lässt Autor Frank Deppe anhand von archivierten Zeitungsbänden die jüngste Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden. Sylt im Februar 1969. Ursprünglich wurde es als Wasserflughafen angelegt, heute ist es ein Naturschutzgebiet und zeichnet sich durch seine Vielfalt an Biotopen und Vögeln aus: Dass dem eingedeichten Rantum-Becken jedoch beinahe Fatales widerfahren wäre, schilderte ein Bericht der „Sylter Rundschau“.

Das Aktionsbündnis „Natur in Gefahr“, dem unter anderem der populäre Tierforscher Professor Bernhard Grzimek angehörte, wandte sich in dem Zeitungsbericht scharf gegen Bestrebungen, die den Charakter des Rantum-Beckens grundlegend verändert hätten: „In aller Stille haben sich Behörden daran gemacht, einen Plan zu verwirklichen, der für den gesamten deutschen Naturschutz eine schallende Ohrfeige wäre: Im Rantum-Becken soll eine zentrale Mülldeponie eingerichtet werden. Damit gerät dieser wichtige Rast- und Nahrungsraum der nordischen Vogelwelt in große Gefahr“, warnten die engagierten Naturschützer.

Nicht nur, dass durch den Müll Ratten und Möwen angelockt und der Vogelbrut schwer zusetzen würden – aus dem Abfall geschwemmte Chemikalien würden den Boden belasten. Tatsächlich fruchteten die massiven Proteste und die Mülldeponie wurde später außerhalb des Rantum-Beckens am heutigen Standort gebaut.

„Bauprojekt eines Klinikums in Hörnum?“, fragte die Zeitung im Februar 1969 außerdem. Im Inselsüden entschied sich die Gemeindevertretung einstimmig dafür, Pläne für den Bau eines Klinikums am Oddewai zu prüfen, da dieses Projekt Hörnum den Status eines Heilbades einbringen würde. Schon ganz konkret war hingegen das Vorhaben, am Hafen ein Gebäude zu errichten, das einen Kiosk und öffentliche Toiletten beherbergen werde.

In Berlin warben derweil Westerlands Kurdirektor Hans Petersen und Bürgervorsteher Ernst-Wilhelm Stojan bei einem Sylt-Ball und einer Pressekonferenz für die Insel und versprachen, dass die Kurtaxe, die Strandkorb-Mietpreise wie auch die Gebühren für Anwendungen im Kurmittelhaus in der bevorstehenden Saison nicht erhöht würden: „Das Nordseebad Westerland wird sich preisdiszipliniert verhalten“, lautete das Credo.

Erfreut tat der Kurdirektor zudem kund, dass Westerland in der Saison des Vorjahres mit fast 1,2 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord verbuchen konnte. Zudem hätte die Zahl der Flugreisenden mit einer Zuwachsrate von 69 Prozent „einen enormen Aufstieg erfahren“.

Diese Überschrift würde man heutzutage nur allzu gerne in der Zeitung lesen: „Schulen müssen auf das Doppelte erweitert werden“, titelte die „Sylter Rundschau“. Erhebungen der Geburtsjahrgänge bei den Sylter Meldeämtern hätten ein drastisches Wachstum der Schülerzahlen in den kommenden fünf Jahren ergeben. In diesem Zusammenhang, so der Westerländer Stadtrat Hans Ingwersen gegenüber der Presse, müsse der Bau einer zentralen Hauptschule für die gesamte Insel geprüft werden.

Und was tat sich im Sylter Vereinsleben? „Grüß Gott mit hellem Klang“ schallte es vielstimmig durch das Westerländer Hotel „Astoria“, wo sich der Insel-Sängerbund zur Hauptversammlung traf. Neue Chöre gehörten der Vereinigung an, die bei der Sitzung unter anderem die Vorbereitungen für das 75-jährige Bestehen der „Westerländer Liedertafel“ besprach.

Bei der Hauptversammlung des Keitumer Anglervereins freute man sich indes über einen Zuwachs von 252 auf 318 Mitglieder binnen eines Jahres sowie über üppige Fangergebnisse: Mehr als 6200 Fische – darunter 350 Hechte und 90 Karpfen – wurden von den Petrijüngern für das Vorjahr gemeldet.

Grund zur Freude hatte auch Hans-Peter Sawallich vom TSV Westerland: Er belegte bei der Turn-Kreismeisterschaft in Niebüll souverän den ersten Platz im Geräteturnen. In Morsum wurde der langjährige Pastor Hans Ingwers durch den Probst verabschiedet, und im Kino lief die Shakespeare-Verfilmung „Romeo und Julia“, während „für die Jugend am Sonntagnachmittag“ ein brandneuer Film gezeigt wurde, der heute zu den echten Klassikern zählt: „Winnetou“.

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