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Keitum-Therme : 1,5 Millionen - und die Ruine ist weg

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Gemeinde Sylt steht vor der Entscheidung: Erkauft sie sich das Ende der Keitumer Thermen-Ruine?

von
erstellt am 25.Feb.2016 | 06:35 Uhr

Knapp ein Jahr, nachdem die Vertreter der Gemeinde Sylt einen Deal mit dem Hauptgläubiger des Thermenverfahrens, Kurt Zech, abgelehnt haben, wird in der Sache Keitumer Therme wieder neu verhandelt. Am Dienstagabend berichtete Bürgermeister Nikolas Häckel in nicht-öffentlicher Sitzung von einer neuen Vergleichsmöglichkeit, auf die sich die Gemeinde einlassen könnte. Zusammengefasst lautet der mögliche Deal nach Informationen unserer Zeitung: Die Gemeinde zahlt Zech 1,5 Millionen Euro, auf eine gerichtliche Einigung wird verzichtet – und die Gemeinde darf die Ruine auf eigene Kosten abreißen.

„Die Kernfrage ist nun: Was ist der Gemeinde Sylt der Abriss wert?“, sagte Nikolas Häckel im Gespräch mit unserer Zeitung. Er persönlich sei der Ansicht, die Therme habe die Gemeinde schon viel Geld gekostet und werde sie so oder so auch weiterhin viel kosten. Der touristische Schaden, den der Keitumer Schandfleck anrichtet, sei zudem nicht zu beziffern. Sollte sich die Politik nicht auf einen Vergleich mit Zech einlassen, muss sie das Gerichtsverfahren abwarten: „Dann bleibt die Ruine noch über Jahre stehen. Das ist nicht, was wir wollen“, so Häckel, „man könnte in diesem Fall sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Die Mitglieder des Hauptausschusses haben zu diesem Vorschlag bisher keinen Beschluss gefasst. Zur kommenden Sitzung ist nun der Anwalt der Gemeinde eingeladen, um noch einmal zu beraten, wie nun weiter vorzugehen sei.

Bestehende Beschlusslage ist derzeit: Wenn bis Mitte dieses Jahres keine Einigung mit Zech erzielt wird, lässt die Gemeinde die Therme einfach abreißen. Ob das allerdings wirklich eine kluge Entscheidung ist, daran lässt ein Schreiben des Landgerichts Stuttgart zunächst zweifeln: Auf Anfrage der Gemeinde erklären dortige Richter, dass die Gemeinde die Therme zwar gegebenenfalls abreißen darf. Das könnte allerdings Konsequenzen im Gerichtsverfahren haben: Weil nach einem Abriss keine Beweise mehr erhoben werden können, könnte die Aktion als Beweisvereitelung ausgelegt werden, heißt es in einem Schreiben des Gerichts.

Nun muss die Politik entscheiden, ob sie dieses Risiko eingehen will, ob sie das Gerichtsverfahren abwartet oder ob sie sich auf den neuen Deal einlässt. Wolfgang Jensen, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, man werde sich mit dieser „schwiergen“ Frage ausführlich in der Fraktion auseinandersetzen. Auch die Sylter Wählergemeinschaft, die die treibende Kraft hinter dem Abriss-Beschluss für den Sommer war, möchte sich zu diesem Thema noch beraten. Erik Kennel kann sich persönlich allerdings nicht vorstellen, dass sich seine Fraktion auf die 1,5-Millionen-Forderung einlassen werde. Zumal auf die Gemeinde zusätzlich noch die Abrisskosten zukommen würden: „Lassen Sie es dann zwei Millionen Euro sein. Das ist für uns nicht darstellbar.“ Vom Inhalt des Schreiben des Gerichts, ein Abriss ohne Ausgleich könne negative Folgen für die Gemeinde haben, lässt sich Kennel nicht beirren: „Mehr Konjunktiv als in diesem Schreiben geht ja gar nicht.“ Warte die Gemeinde ein Gerichtsverfahren ab, ohne die Therme vorher abzureißen, gebe es ohnehin nur eine vage Hoffnung, dass die Gemeinde irgendwelche Rückzahlungen erhalten würde. Und mit denen müsste sie dann den Hauptgläubiger befriedigen.

Gerd Nielsen, Fraktionsvorsitzender der SPD, sieht die Sache etwas anders: „Ich neige dazu, dass diese Geschichte nun endlich zu Ende gehen muss.“ Heißt, aus Nielsens Sicht: Wenn der Anwalt der Gemeinde bestätigt, dass die Forderungen von Zech plausibel sind, muss halt gezahlt werden. „Es hat doch niemand Lust, noch weiter zu prozessieren.“

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