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List Von List aus in 52 Flug-Etappen um die Welt

Von Barbara Grilz | 23.11.2012, 09:54 Uhr

Der Pionier der weltweiten Verkehrsfliegerei: Heute vor 80 Jahren vollendete Wolfgang von Gronau mit seinem Flugboot "Wal" in List die erste Weltumrundung

Die erste Weltumrundung in einem Flugapparat, der den ungewöhnlichen Namen "Wal" trug, startete im Juli 1932 von List aus, wo sie heute auf den Tag genau vor 80 Jahren endete. Vier Männer flogen über 44 000 Kilometer in einem offenen Flugboot und trotzten allen Gefahren. Sie legten damit den Grundstein für den damals beginnenden Weltflugverkehr.

Am 23.11.1932 landeten Wolfgang von Gronau und Crew um 15.50 Uhr bei leichtem Regen und mäßigen Wind aus Nordwest in List und vollendeten damit den ersten Weltflug in der Geschichte der Menschheit. In seinem Flugboot "Grönlandwal" aus dem Hause Dornier am Bodensee bezwang er mit Gert von Roth, Fritz Albrecht und Franz Hack exakt 44 392 Kilometer in 126 Tagen. 52 Landungen waren es, bis alle wohlbehalten in List von Bord gingen und von den begeisterten Syltern in Empfang genommen wurden. Groß war die Freude und der Stolz auf ihren Wolfgang von Gronau, dem Leiter der Deutschen Verkehrsfliegerschule List.

Eines der Ziele der Verkehrsfliegerei um 1930 war, einen zuverlässigen und pünktlichen Post- und Frachtdienst von Deutschland nach Nordamerika aufzubauen. Bislang musste alles mit dem Schiff über den Atlantik befördert werden; doch mit dem Flugzeug über den Ozean, da scheiterten alle Versuche. Zwar überquerte Charles Lindbergh mit seiner "Spirit of St. Louis" 1927 den Atlantik Nonstop von New York nach Paris, doch das zählt vor allem als sportliche Leistung. Beim Vergleich mit Gronau darf man nicht außer Acht lassen, dass Lindbergh mit dem Jetstream - also mit starkem Rückwind - flog und sein Flugzeug nur aus einem einzigen Tank bestand. Er achtete derart auf das Gewicht, dass er sogar den Sextanten zuhause lies. Für einen ordentlichen Verkehrsdienst, der Post und Fracht befördern sollte, war dies definitiv nicht ausreichend, dafür musste ein anderer Weg gefunden werden.

Die Schwierigkeit war jedoch nicht nur fliegerischer Natur, auch die Behörden mussten für Langstreckenflüge grünes Licht geben und das taten sie nicht. Hermann Köhl, der 1928 mit dem ersten Ost-West Flug zumindest Neufundland erreichte, führte seinen Flug gegen den Willen der "Luft Hansa" und des Reichsverkehrsministeriums durch, somit konnte auch von Gronau nicht mit einer Unterstützung Seitens der Behörden rechnen. Er sah sich gezwungen, die Vorbereitungen seines ersten Nordamerika-Fluges in völliger Geheimhaltung durchzuführen. Etliche Hindernisse mussten überwunden werden, doch am 18. August 1930 war es soweit.

Wolfgang von Gronau schilderte diesen Moment folgend: "Als ich mich verabschiedete und das Boot (Flugboot Dornier "Wal") bestieg, war alle Unruhe verschwunden. Wir überflogen zuerst den Ellenbogen, eine lange, schmale Halbinsel, die den Hafen von List im Halbkreis schützend umgibt. Am Strand stand noch eine gewaltige Brandung von den Stürmen der Vortage. Ich stieg höher, um die Gedanken auf das große Ziel zu lenken."

Das große Ziel hieß New York. Er wusste, dass er dieses Ziel mit der damaligen technischen Entwicklung der Flugzeuge nicht nonstop erreichen konnte. Man konnte nicht so viel Flugbenzin mitnehmen, wie man gebraucht hätte, um dem Gegenwind über dem Atlantik zu trotzen. Daher wählte er eine Route über den Norden. Es ging von List auf die Faröer Inseln, weiter nach Reykjavik und von dort nach Ivigtut (Südgrönland). Dann flog er nach Cartwright (Labrador) und weiter über Halifax nach New York.

Als er am 26. August 1930 in der Hudson Bay landete, war die Sensation perfekt und dies in zweierlei Hinsichten. Zum Ersten teilte er von unterwegs aus, über Funk, dem Reichsverkehrsministerium in Berlin mit, dass er mit deren Einverständnis vorausgesetzt in die USA fliegen wolle und zum Zweiten war es der erste vollständig durchgeführte Transatlantikflug.

In New York wurde von Gronau mit seiner Crew nach Leibeskräften gefeiert und Einladungen sowie Glückwunschtelegramme kamen zuhauf, auch aus dem Reichsverkehrsministerium. Dort wurde er jetzt als Langstreckenpilot ernst genommen und nachdem er 1931 nochmals in die USA flog, reifte Zuhause der Gedanke, ihn auf eine Weltumrundung zu entsenden. Es sollten Kenntnisse von Landeplätzen erworben, Wetterverhältnisse auf Flugtauglichkeit beobachtet, diplomatische Beziehungen geknüpft und Peilsender geprüft werden. All dies ist für einen Weltflugverkehr unerlässlich.

So konnte man am 21. Juli 1932 in der "Berliner Zeitung am Mittag" lesen: "Der deutsche Ozeanflieger Wolfgang von Gronau ist wieder einmal für einen Flug über den Ozean bereit. Seit einigen Tagen ist er mit seiner Besatzung auf der Flugstation List damit beschäftigt, die günstigste Wetterlage abzuwarten." Und am 22. Juli schrieb die "BZ am Mittag": "Sonderbericht aus List auf Sylt. Endlich war es soweit. Wie ein Ölfleck lag das Wattenmeer vor der Seeflugstation List, absolute Windstille, kein Lüftchen kräuselte das Wasser. Wird Gronau mit seinem schwer beladenen "Grönlandwal" aus dem Wasser kommen? Wird der Start gelingen? Kurze Beratung Gronaus mit dem Flugleiter Scheuerlen. Man beschließt, künstlich Wind zu erzeugen. Der viermotorige "Superwal" wird vor dem "Grönlandwal" herrollen. Ein spannender Moment. Plötzlich nimmt Gronau Geschwindigkeit auf. Es sieht gefährlich aus. Es wird doch keine Kollision geben? Nein, haarscharf braust von Gronau an seiner Windmaschine vorbei und nun ist er in der Luft. Eine letzte Runde über die Flugstation, dann nahm der Grönlandwal Kurs gen Norden. Die D-2053 war auf seiner langen Reise."

In List wurde Gronau für seine Pionierleistungen zum Ehrenbürger ernannt. Seit 1977 ruht er auf dem Lister Dünenfriedhof. Und am Hafen erinnert ein Gedenkstein an Gronau und seinen ersten Flug rund um die Welt.