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Statistik Verliert List Ende Mai eintausend Einwohner?

Von Redaktion shz.de | 20.04.2013, 08:12 Uhr

Mit der neuen amtlichen Einwohnerzahl könnte auch ein 25 Jahre alter Fehler behoben werden

Die Gemeinde List wird möglicherweise schon bald auf einen Schlag knapp eintausend Einwohner verlieren. Zum Glück jedoch nicht durch Massen-Exodus aufs Festland, sondern rein statistisch. Man könnte auch sagen, nach 25 Jahren wird die amtliche Einwohnerzahl endlich den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst, wenn am 31. Mai die aus dem Zensus 2011 resultierenden amtlichen Einwohnerzahlen für Bund, Länder und Kommunen bekanntgegeben werden.

Seit der vorletzten Volkszählung (Zensus) 1987 hat Deutschlands nördlichste Gemeinde nämlich offiziell rund 2 600 Einwohner. Und damit etwa eintausend mehr als in der Realität. Und die ist durch das insulare Entwicklungskonzept "Grips" gerade erst haargenau ermittelt worden und lag 2011 in List bei 1 557 Menschen mit Hauptwohnsitz. Die Zahl der Personen mit Nebenwohnsitz, die in der amtlichen Statistik nicht erfasst werden, liegt bei 1 080. Der Verdacht liegt nahe, dass da vor 25 Jahren versehentlich beide Zahlen zusammengezählt wurden.

Bekannt ist die extrem große Diskrepanz in List ebenfalls seit einem Vierteljahrhundert. Und genauso lange nimmt man sie mit einem Kopfschütteln zu Kenntnis. Etwas anderes blieb Bürgermeister Wolfgang Strenger und seinen Vorgängern seit 1987 auch gar nicht übrig, da man die amtliche Einwohnerzahl - egal, wie sehr sie von der Realität abweicht - nicht einfach ändern kann, wie der Sprecher des Statistikamtes Nord erläutert. "Die amtliche festgestellte Zahl ist ja nicht beliebig und kann daher auch nur durch eine Volkszählung korrigiert werden", sagt Dr. Jürgen Delitz. Oder durch eine Klage beim Verwaltungsgericht, die es aus List nicht gegeben habe.

Und so ist der Grund für das statistisch Unmögliche, real jedoch Offensichtliche bis heute ungeklärt. Delitz: "Abweichungen zwischen der ’tatsächlichen’ und der von uns festgestellten amtlichen Bevölkerungszahl können nur in der Basis, also der Volkszählung 1987, oder in den Meldungen zur Bevölkerungsbewegung begründet sein. Über Ursachen dafür könnte nur spekuliert werden." Da der Statistiker einen Rechenfehler für ebenso unwahrscheinlich hält wie einen Systemfehler, bleibt eigentlich nur das berühmte "menschliche Versagen" - also die Übermittlung oder Übertragung einer falschen Zahl, die seither Grundlage der Fortschreibung (plus Geburten und Zuzüge, minus Sterbefälle und Fortzüge) ist.

Die Auswirkungen dieser Statistik-Posse halten sich für die Gemeinde zum Glück in Grenzen - und sind nicht nur negativ. Beim kommunalen Finanzausgleich bietet die zu hohe Einwohnerzahl sogar klare finanzielle Vorteile. Anders bei der Kommunalwahl, da eine Gemeinde ab 2 500 Einwohner in drei statt einen Wahlbezirk unterteilt wird und 17 statt 13 Gemeindevertreter hat. Kein Wunder also, dass es in List Probleme gibt, Wahlhelfer zu finden.

Bürgermeister Strenger nimmt die bevorstehende Korrektur jedenfalls mit Humor: "Ich kann natürlich nichts begrüßen, was der Gemeinde finanziell schadet, werde das Unvermeidbare aber natürlich akzeptieren."