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Sylt „Tankwaschungen gehören verboten“

Von str | 29.03.2014, 06:00 Uhr

Nach der Paraffin-Schwemme an der Westküste wird jetzt eine Resolution für ein Verbot von Tankwaschungen auf hoher See geplant / Remondis weiß nicht wohin mit dem Paraffin

Sechs Tage lang wurden mit jeder Flut neue Paraffinbrocken an die Sylter Westküste angespült (wir berichteten). Auch jetzt noch können Spaziergänger einzelne Partikel im Sand finden, die die Strandreinigungsmaschinen nicht aufnehmen konnten.

Es werde gerade eine Vorlage für eine Resolution erarbeitet, damit so eine Umweltverschmutzung nicht wieder vorkommt, kündigte Manfred Uekermann an. „Die Resolution wird Thema in der nächsten Insel- und Halligkonferenz sein, die nächste Woche stattfindet.“ Adressaten werden neben Land und Bund auch die Kandidaten für die anstehende Europawahl sein. Denn das Thema könne nur international gelöst werden und so hätten die Kandidaten die Möglichkeit sich zu positionieren. „Unser Ziel ist, dass diese Tankwaschungen untersagt werden. Dass so was heutzutage überhaupt noch möglich ist, wundert mich.“ In Zeiten des Klimawandels und der Energiewende müsse es selbstverständlich sein, dass die Tanker in den Häfen nachweisen müssen, was mit den Reststoffen aus dem Schiffsinneren passiere.

Auf Sylt unterdessen sind die Reinigungsarbeiten seit Montagabend abgeschlossen, meldet das Havariekommando. Auch auf See seien keine neuen Paraffin-Teppiche gesichtet worden. Die eingesammelte Menge belief sich insgesamt auf zirka 58 Kubikmeter. „Innerhalb der nächsten Tage können kleinere lokale Paraffinanlandungen möglich sein. Der Grund hierfür ist, dass sich noch Kleinstmengen in der Nordsee befinden können“, heißt es in einer Pressemitteilung des Havariekommandos.

Unterdessen versucht Volker Tybussek, Remondis-Betriebsstättenleiter auf Sylt herauszufinden, wo er hin soll mit den 58 Kubikmetern Abfall. Das sei nämlich gar nicht so leicht. Es könne sein, dass das Paraffin im Hausmüll lande, es könne aber auch sein, dass es nach Brunsbüttel in die Sondermüllverbrennungsanlage geschafft werden müsse. „Wir versuchen gerade selber einen Ausweg zu suchen und warten auf eine Laboranalyse.“ Der Stoff könne bis zu 30 Prozent mit Kohlenwasserstoffen oder Ölen vermixt sein, so dass er erstmal sicher gehen wolle, was er da im Container vor sich habe. Mit einem Ergebnis rechnet der Sylter Remondis-Chef in etwa zehn Tagen.

Auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) ist in den Sylter Fall involviert. Die Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer, des Erlebniszentrums Naturgewalten und der Naturschutzgemeinschaft Sylt sammelten Proben ein und schickten diese ans BSH. Seit Anfang Mai 2013 läuft gemeinsam mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz das Projekt „Untersuchungen über verölte Seevögel und Strandverölungen“, in dem praktisch die gesamte deutsche Nordseeküste alle 14 Tage nach Verschmutzungen abgesucht wird. Dabei werden nicht nur Mineralöle, sondern auch Paraffinwachs und Süßöle erfasst. Erste Ergebnisse zeigen, dass – wie auch in anderen Ländern, wie den Niederlanden und Großbritannien – Ölverschmutzungen stark abgenommen haben und dagegen Verschmutzungen durch Chemikalientransporte zunehmen.