FKK Sylts Geschichte des Nacktbadens

24.07.2014, 06:00 Uhr

Einst galt Sylt als die Insel der Nackten und Reichen - doch in den vergangenen Jahren fühlen sich Erstere leicht diskriminiert.

In Deutschland wurde die Freikörper-Kultur durch den Einfluss der Wandervogel- und Jugendbewegung um 1900 bekannt. Mit dem nackten Aufenthalt im Freien verbanden die Anhänger eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

Sylt als FKK–Vorreiter

In Nordfriesland war Sylt der Vorreiter in Sachen FKK: Der Dichter Ferdinand Avernius ließ sich 1903 eine Wanne für das ungestörte „Lichtbaden“ auf das Dach seines Hauses „Uhlenkamp“ montieren. 1904 wurde in Westerland das erste „Luft- und Sonnenbad“ im einem Holzgebäude mit Innenhof errichtet.

Im 1919 gegründeten Freideutschen Jugendlager Klappholtal gehörte das morgendliche Bad ohne Bekleidung mit anschließendem Frottieren zum täglichen Ritual.

1927 erhielt Klappholtal eine landespolizeiliche Ausnahmegenehmigung zum Nacktbaden und war damit Sylts erster legaler FKK-Strand. Die Erlaubnis wurde allerdings schon wenige Monate später wieder ausgesetzt, da die Obrigkeit mit dem sprunghaft ansteigenden Fremdenverkehr nach Fertigstellung des Hindenburgdamms kritische Stimmen unter den Gästen befürchtete. 1942 erlaubte dann Reichsführer Heinrich Himmler das Nacktbaden in Deutschland.


Insel der Nackten und Reichen

Nach dem Krieg setzte sich der Siegeszug der Freikörper-Kultur auf Sylt unbeirrbar fort. Nach der Eröffnung des ersten FKK-Strandes in Westerland folgten die anderen Inselorte Zug um Zug. Zu einem der hüllenlosen Treffpunkte avancierte die Buhne 16 nördlich von Kampen – wobei die Anwesenheit von allerlei Prominenz im Eva- und Adamskostüm seinerzeit den Ruf der Insel der Nackten und Reichen begründete.

1960 sorgte dann auch eine Stellenausschreibung von Sylt weltweit für Aufsehen: Westerland schrieb die Stelle für den Aufseher des FKK-Strandes neu aus – damals eine pikante Sache, selbst die amerikanische Presse griff das Thema auf und innerhalb weniger Tage flatterten den Westerländern 200 Bewerbungen ins Haus.

In den folgenden Jahren schien das Thema Nacktbaden sein Aufregungspotenzial einzubüßen.


Der Aufstand der Nackten

Doch im Jahr 2009 berichtete die Sylter Rundschau über den „Aufstand der Nackten“: Wenningstedter Urlaubsgäste, die seit Jahrzehnten FKK betrieben, beschwerten sich in einem offenen Brief, den 60 weitere FKKler unterzeichneten, darüber, dass den Nacktbadern auf Sylt nicht mehr genug Raum gegeben würde. Am FKK-Strand gebe es eine starke „Durchmischung“ von bekleideten und nackten Gästen, außerdem müssten sich FKKler ständig dumme Sprüche von anderen Strandbesuchern gefallen lassen.

Früher, erinnerte sich die Briefeschreiberin, seien bekleideten Menschen im Nacktbade-Bereich festgehalten worden „und es hieß, Hose runter oder weiter“. Der Brief und die Berichterstattung in der Sylter Rundschau führte zu einer wochenlangen Debatte auf der Insel und im Leserforum dieser Zeitung.